aktualisiert: 18.12.2008 16:12 Uhr
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Mathias Richling, der letzte Scheibenwischer
Mathias Richling über die letzte Ausgabe mit Jonas und die Zukunft
Sein Markenzeichen sind Parodien von Angela Merkel, Franz Müntefering, Edmund Stoiber und anderen Politikern. Der Kabarettist Mathias Richling gehört seit Jahren zur Stammbesetzung der ARD-Kabarettsendung „Scheibenwischer“. Jetzt ist er der letzte Scheibenwischer: Nach dem Ausscheiden von Bruno Jonas wird der 55-jährige Schwabe im kommenden Jahr mit wechselnden Gästen alleine weitermachen. Die letzte Ausgabe mit Bruno Jonas, „Scheibenwischer – Der Jahresrückblick“, wird am 30. Dezember (Dienstag) ab 22 Uhr ausgestrahlt.
Frage: Der letzte „Scheibenwischer“ in diesem Jahr wird die letzte Ausgabe mit Ihrem Kollegen Bruno Jonas sein. Stimmt Sie das traurig?Mathias Richling: Natürlich, seit einem Jahr bin ich traurig. Ich werde ihn 2009 schmerzlichst vermissen, denn mit Bruno verstehe ich mich ausgezeichnet – nicht nur auf der Bühne, sondern auch privat. Mir ist es ausgesprochen unangenehm, dass er geht, aber er braucht nach eigenem Bekunden einfach mal eine Pause.
In den vergangenen Jahren ist ja einer nach dem anderen weggebrochen – zuerst Dieter Hildebrandt, dann Georg Schramm und Richard Rogler, jetzt Bruno Jonas. Wie fühlt man sich als letzter Mohikaner?Richling: Es ist in der Tat merkwürdig, vor allem, weil ich die Position des künstlerischen Leiters, wie wir das nennen, überhaupt nicht wollte, die hat bislang ja Bruno ausgefüllt. Jetzt muss ich das eben auch noch machen, und da bewahrheitet sich die alte Lebenserfahrung, dass man immer das kriegt, was man nicht will (lacht).
Welche inhaltlichen Änderungen wird es geben?Richling: Ich habe eigentlich noch nie viel von der strikten Trennung von Kabarett und Comedy gehalten, und ich denke, wir werden ein bisschen von dem ganz strengen Kabarett weggehen und das noch ein wenig mehr aufbrechen, die Sendung stärker in Richtung Comedy öffnen. Das ist in den letzten Jahren sicher schon ansatzweise geschehen, und ich finde diesen Weg ganz spannend und vielversprechend.
Also „Scheibenwischer“ mit Atze Schröder als Gast?Richling: Warum nicht, das kann ich mir vorstellen. Ich möchte ihm aber nicht zu nahe treten, vielleicht kann er selber sich das ja gar nicht vorstellen (lacht). Bedingung für einen Auftritt in der Sendung bleibt nach wie vor, dass es eine neue Nummer mit aktuellem Bezug ist. Das darf nichts sein, was das Publikum schon auswendig mitsprechen kann, und es müssen Stellungnahmen zu politisch oder gesellschaftlich relevanten Themen sein. Wenn diese Bedingung erfüllt ist, dann können auch Figuren aus der sogenannten Comedy bei uns mitmachen. Anke Engelke zum Beispiel ist eine köstliche Darstellerin, die ich sehr schätze.
Wie finden Sie denn die ZDF-Kabarettsendung „Neues aus der Anstalt“ mit Georg Schramm, der 2006 im Unfrieden den „Scheibenwischer“ verlassen hat?Richling: Das will ich nicht kommentieren. Nur so viel: Es ist dasselbe Genre, und es ist eine angenehme Erscheinung, dass es auch im ZDF eine erfolgreiche Kabarettsendung gibt. Das stabilisiert beim Publikum den Begriff Kabarett – und das ist für alle in der Branche gut, um nicht zu sagen: unbezahlbar.
Die letzte Ausgabe des „Scheibenwischer“ in diesem Jahr wird traditionsgemäß ein kabarettistischer Jahresrückblick sein. Worauf dürfen sich die Zuschauer freuen?Richling: Um die Trennung von Boris und Sandy wird es voraussichtlich nicht gehen, die Finanzkrise spielt dagegen mit Sicherheit eine Rolle. Es geht um die Große Koalition, die amerikanischen Präsidentschaftswahlen und die Aussicht aufs kommende Wahljahr in Deutschland. Außerdem werde ich wohl die Weihnachtsansprache Horst Köhlers auf meine Weise wiederholen . . .
. . . den Bundespräsidenten parodieren Sie besonders gern?Richling: Köhler gehört schon zu denen, die ich besonders gerne parodiere, weil er nicht so griffig und leicht zu fassen ist wie etwa Stoiber. Bei dem reicht es ja schon, wenn Sie äh, äh, äh machen, da muss man sich nichts einfallen lassen. Herr Köhler ist da schon facettenreicher.
Hat sich schon mal ein parodierter Politiker bei Ihnen beschwert?Richling: Aber sicher, Johannes Rau zum Beispiel war nie sehr begeistert.
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