publiziert: 21.07.2009 13:28 Uhr
aktualisiert: 21.07.2009 13:32 Uhr
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Neue Antisemitismus-Vorwürfe gegen Richard Wagner

Die Judenfeindlichkeit habe die künstlerische Arbeit überschattet – Am Samstag beginnen Festspiele in Bayreuth
  • Soll nach neu ausgewerteten Dokumenten stärker antisemitisch eingestellt gewesen sein als bisher wahrgenommen: Komponist Richard Wagner.
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(dpa) Der Komponist Richard Wagner (1813-1883) und seine Ehefrau Cosima waren nach neu ausgewerteten Dokumenten stärker antisemitisch eingestellt als bisher wahrgenommen. Die Judenfeindlichkeit des Ehepaars sei über private Weltanschauung hinausgegangen und habe die künstlerische Arbeit in Bayreuth überschattet, sagt der Musik- und Theaterwissenschaftler Stephan Mösch.

Am Beispiel des „Parsifal“ hat Mösch, der Chefredakteur der Fachzeitschrift „Opernwelt“ ist, im Buch „Weihe, Werkstatt, Wirklichkeit“ (Bärenreiter/Metzler) die Ressentiments der Wagners gegenüber dem jüdischen Dirigenten Hermann Levi nachgezeichnet. Levi leitete „Parsifal“ in Bayreuth von 1882 bis 1894.

„Der Dauerkonflikt zwischen dem Hause Wahnfried und Levi wird in der wissenschaftlichen Literatur beschönigt“, so Mösch. Er begrüßte, dass die neuen Festspielleiterinnen, Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner, die Nazi-Verbindungen der Familie untersuchen lassen wollten. Cosima habe Levi unterstellt, dass er als Jude nicht in der Lage sei, den „Parsifal“ als christliches „Bühnenweihfestspiel“ zu empfinden und nachzuvollziehen. „Hier fallen eine Übersteigerung der Kunst zur Religion und arisch-germanische Ideologie auf unheilvolle Weise zusammen“, sagt Mösch. Für Wagner, noch mehr für dessen Ehefrau Cosima (1837-1930), sei es eine Provokation gewesen, dass der von König Ludwig II. geförderte Levi den „Parsifal“ dirigierte. Immer wieder sei Levi von den Wagners gedrängt worden, sich taufen zu lassen. Das habe sein Selbstverständnis untergraben, er musste wegen psychosomatischer Erkrankungen seinen Beruf früh aufgeben. „Beim entscheidenden Punkt seines Judentums blieb er seinen Wurzeln treu und wurde dafür in Bayreuth hartnäckig attackiert, denn Wagner betrachtete sich und sein Werk als Chance für Juden, ihre jüdische Identität aufzugeben.“

Es sei zwar falsch, Wagner als Wegbereiter des Holocaust zu bezeichnen. „Doch die Aufführungsgeschichte des ,Parsifal' zeigt, wie eng ästhetische Überzeugungen in Bayreuth mit Antisemitismus verbunden sein konnten“, sagt Mösch. Er stützt sich auf Quellen, die von der Wagner-Forschung noch nicht aufgegriffen wurden. Etwa auf Briefe der Sängerin Marianne Brandt und auf die Tagebücher des Dirigenten Felix Mottl und des Komponisten Wilhelm Kienzl, zwei intimen Bayreuth-Kenner.

„Selbst der Briefwechsel zwischen Cosima Wagner und Levi ist weitgehend ignoriert worden“, so Mösch. Am Samstag werden die diesjährigen Bayreuther Festspiele eröffnet.

    
    

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