aktualisiert: 22.07.2012 19:48 Uhr
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BAD BRÜCKENAU
Open Air in Bad Brückenau: Dreiecksbeziehungen
Open Air des Kammerorchesters Bad Brückenau
Die Programmauswahl stimmte, das Ambiente war hinreißend, doch der verflixte Wettergott kannte einfach keine Gnade mit dem Klassik-Open-Air des Bayerischen Kammerorchesters Bad Brückenau. Es war verdammt kalt am Samstagabend. Die Temperaturen sanken im romantisch illuminierten Kurpark auf knappe zehn Grad, die Zuschauerzahlen auf 600, rund die Hälfte des vergangenen Jahrs. Da half nur eines: mit Leidenschaft spielen und singen – und als Zuhörer sich warm anziehen.
Das hochmotivierte Bayerische Kammerorchester Bad Brückenau spielte sich die Seele aus dem Leib unter der Leitung von Dirigent Michael Balke. Man merkte den 20 Streichern, 14 Bläsern und dem Schlagzeuger die Kälte nicht an, es gab keine Stimmungsschwankungen. „Dreiecksbeziehungen“ hieß das musikalische Motto. Da schien die König-Ludwig-I.-Statue zu lächern und sich an so manches Tete-a-Tete mit Lola Montez zu erinnern.
Charmant und temperamentvoll präsentierten sich Sopran Noa Danon und Mezzosopran Lucia Cervoni. Susanne Braun zeigte dem Wetter die kalte Schulter und moderierte eisern im schulterfreien Abendkleid.
Mit Joseph Lanners heiterem Walzer „Die Mozartisten“ stimmte das Bayerische Kammerorchester auf einen Mozart-Arienreigen ein. Unglaublich gut sangen Danon und Cervoni: Keine Koloraturen waren ihnen zu anstrengend, keine Intervallsprünge zu kompliziert. Ob gemeinsam im schwärmerischen, kecken „Ah, guarda sorella“ aus „Cosí fan tutte“ oder alleine als wütende Donna Elvira (Danon) mit „In quali eccessi“ aus „Don Giovanni“. Exzellent auch das Duett mit Klarinettistin Claudia Sautter und Lucia Cervoni als Sesto mit „Parto, parto ma tu ben mio“ aus „La Clemenza di Tito“.
Alle Hosenrollen des Abends übernahm die Mezzosopranistin und schlang sich dafür eine schwarze Krawatte um. Bravorufe bereits vor der Pause.
Danach heizte das Kammerorchester mit Rossini, Strauß und Bellini weiter ein. Warm ums Herz wurde den Zuhörern bei Lucia Cervoni mit Georges Bizets Carmen-Arie „L'amour est un oiseau rebelle“ und bei Noa Danon mit Charles Gounods Julia-Arie „Je veux vivre“. Da konnte man sich nach Spanien beziehungsweise Italien träumen. Jubelnder Beifall, als Zugabe die hinreißende Figaro-Ouvertüre vom Kammerorchester und mit den Sängerinnen das Blumenduett „Sous le dôme épais“ von Leo Delibes.
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