publiziert: 27.04.2008 14:40 Uhr
aktualisiert: 27.04.2008 14:57 Uhr
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Prophetisches aus Rock und Klassik

Das Rock-Requiem beeindruckt in Würzburg

„Heute vor 22 Jahren ist Tschernobyl in die Luft geflogen.“ Muchtar al Ghusain, Kulturreferent der Stadt Würzburg, erinnerte bei der Wiederaufführung des „Rock-Requiem“ in der vollen Würzburger Johanniskirche am Jahrestag der atomaren Katastrophe daran, dass einer der Schöpfer dieses Werkes in „Nucleus“ ein solches Unglück vorhergesehen hat: „No Insect, nor Bird, nor Spider alive“ und „Earth's Tombstone is glowing with blue brilliant Fire“ heißt es da prophetisch – kein Insekt, kein Vogel, keine Spinne ist mehr am Leben, der Erde Grabstein glüht mit blau leuchtendem Feuer. Es bedurfte beachtlicher Englisch-Kenntnisse, um die Texte in der schwierigen Akustik der Kirche zu verstehen.

Am 12. November 1978 wurde das Werk von Klaus Haimerl, Guntram Pauli und Christian Kabitz, geschrieben zur Erinnerung an einen früh gestorbenen Musikerkollegen, in München uraufgeführt. Es ist eine Art Wildwechsel zwischen Klassik und Rockmusik. In den 30 Jahren, die seitdem vergangen sind, hat die Mischung (im Programm werden die von Verdi, Bruckner, Fauré und anderen verwendeten Zitate genannt) nichts von ihrer Faszination verloren.

Spontaner Beifall

Die drei Autoren, Haimerl und Pauli als Sänger und Musiker, Kabitz als Dirigent und Gesamtleiter des Würzburger Bachchors, des Bachorchesters und der Rockband, geben der Totenmesse eine Intensität, die sich manchmal in spontanem Beifall entlud. Das Gegensätzliche von gewaltigen Blechbläser-Wellen und Schlagwerk-Rumoren, von streng gesetzter Orchestrierung und frei fantasierenden Instrumental-Solisten beeindruckte nachhaltig. Herausragend Flötist Martin Schuster, Gitarrist Sepp Holzhauser und am Ende, bei „Ode to you and me“, die ukrainische Sängerin Nastya Kochetova. Zehn Minuten stehender Applaus und als Zugabe „Stay with me, play with me“ aus „Black Dog Cancer“.

Das Werk wurde im vergangenen Jahr in der Ukraine verfilmt und ist als DVD erhältlich. Einzelheiten im Internet unter www.rock-requiem.de

Von Hans-Jürgen Grellmann
    
    

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