aktualisiert: 03.09.2008 11:18 Uhr
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BAYREUTH
Schlingensief erwartet Irritationen von Katharina Wagner
Positives Echo auf Entscheidung des Stiftungsrates für die beiden Halbschwestern als Leiterinnen der Bayreuther Festspiele
(dpa/ddp/juk) Die Entscheidung des Stiftungsrates der Bayreuther Festspiele, den Halbschwestern Eva Wagner-Pasquier, 63, und Katharina Wagner, 30, die Leitung der Festspiele zu übertragen, ist überwiegend positiv aufgenommen worden. Erklärtes Ziel der beiden ist es, die Festspiele „wieder zum weltweit führenden Theater der Wagner-Interpretation zu machen“.
Der frühere Bayreuther „Ring“-Regisseur Jürgen Flimm sprach von „einer sehr guten Lösung“. „Eva Wagner ist von allen die erfahrenste Opern-Managerin“, sagte Flimm. „Und mit Christian Thielemann haben sie den zurzeit vielleicht besten deutschen Dirigenten mit im Team.“ Thielemann soll musikalischer Berater der neuen Festspielleitung werden. Thielemann selbst sprach von einer „Richtungsentscheidung“, die zukunftsweisend sei und fügte hinzu, er wünsche sich, „dass wir künftig zu dritt so gut harmonieren wie bisher“. Allzu schnellen Veränderungen stehe er jedoch skeptisch gegenüber. Es wäre falsch, „das Steuer bei einem Tanker wie Bayreuth ruckartig umzureißen“.
Nach Ansicht des früheren Bayreuther „Parsifal“-Regisseurs Christoph Schlingensief wird Katharina Wagner als künftige Festspielleiterin auch für produktive „Irritationen“ auf dem Grünen Hügel sorgen. „Das hat sie in den Genen von ihrem Vater Wolfgang mitbekommen, der die Künstler zur Höchstform angespornt hat, weil in der Oper viele schon träge auf die Bühne kommen“, sagte der 47-jährige Schlingensief. Regisseur Hans-Jürgen Syberberg kritisierte unterdessen die Entscheidung für die Halbschwestern. Syberberg beklagte, Katharina Wagner sei mit 30 Jahren für den neuen Posten noch zu jung: „Katharina muss noch lernen, die darf nicht die Leitung bekommen, die muss eingebaut werden als Lernende.“ Der Stiftungsrat hatte am Montag mit 22 Ja-Stimmen bei zwei Enthaltungen für die beiden Halbschwestern und damit gegen deren Cousine Nike Wagner und Kulturmanager Gérard Mortier votiert. Katharina Wagner zeigte sich über die klare Entscheidung überrascht: „Das es so komplett einstimmig wird, damit haben wir nicht gerechnet.“ Ihr Vater sei beruhigt, „dass das Ganze in seinem Sinne übergeben wird“.
Die beiden Urenkelinnen Richard Wagners zeigten sich erleichtert, dass „das wahnsinnige Gezerre“ um die Nachfolge überstanden ist. In der Doppelspitze soll sich Katharina vor allem um die Vermarktung der Festspiele kümmern. Ihre Halbschwester Eva setzt den Schwerpunkt ihrer Arbeit zunächst auf die Besetzungen des neuen „Lohengrin (2010), des „Fliegenden Holländers“ (2012) und des „Ring des Nibelungen“, der zum 200. Geburtstag des Komponisten 2013 neu inszeniert werden soll.
Der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Bayreuther Festspiele GmbH, Ministerialdirigent Toni Schmid vom Bayerischen Kunstministerium, wurde damit beauftragt, die Verträge mit den neuen Festspielleiterinnen auszuhandeln. Dabei geht es neben der Dotierung vor allem um die Laufzeit. Verträge auf Lebenszeit wie bei Wolfgang Wagner wird es nicht mehr geben. Die Laufzeit soll zwischen fünf und sieben Jahre betragen. Dann muss neu verhandelt werden.
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