publiziert: 12.07.2010 16:43 Uhr
aktualisiert: 12.07.2010 16:46 Uhr
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Spanischer Tanz von Tschaikowsky während des WM-Endspiels

Die für den erkrankten Arcadi Volodos eingesprungene Pianistin Olga Kern wurde beim Kissinger Sommer frenetisch gefeiert

Mit dem berühmten b-Moll-Konzert präsentierte die Pianistin Olga Kern beim Kissinger Sommer einen Tschaikowsky wie aus dem Bilderbuch. Die 35-jährige Russin sprang kurzfristig für den erkrankten Arcadi Volodos ein und interpretierte das wohl bekannteste Klavierkonzert überhaupt mit so viel Vehemenz, Raffinesse und Herzblut, dass es eine Wonne war.

Nicht nur die vollgriffigen Akkorde des pathetisch-heroischen Des-Dur-Eingangsthemas, sondern auch und vor allem die höchst diffizile Rhythmik im Allegro trug die Solistin im ausverkauften Großen Saal des Regentenbaus mit einem Höchstmaß an Klarheit und Profiliertheit vor.

Ihr Zusammenspiel mit dem von Manfred Honeck präzise und sehr schlüssig geleiteten Staatsorchester Stuttgart war brillant. Allenfalls zu Beginn des schnellen Mittelteils im zweiten Satz war eine minimale Tempounstimmigkeit zu hören, die aber nicht sonderlich ins Gewicht fiel. Flott, spritzig und mit geradezu jazzigem Drive gestaltete die Solistin das Finale, sodass sie das Publikum zu frenetischen Beifallsbekundungen hinriss. Als Zugabe schenkte sie den Zuhörern den kraftvoll vorgetragenen Moment Musical Nr. 4 von Rachmaninoff.

Welch ein großartiger Ausdrucksmusiker Tschaikowsky war, machte das Staatsorchester Stuttgart mit seiner Interpretation der vierten Sinfonie deutlich. Dass es den unter Honeck hervorragend spielenden Musikern zusätzlich gelang, den großen symphonischen Bogen von der Schicksalsfanfare zu Beginn bis zu ihrem letzten Erklingen vor dem feurigen optimistischen Schluss zu spannen, war um so schöner.

Ein glasklares, übersichtliches Dirigat, punktgenaue Einsätze von Bläsern, Schlagwerk und ersten Geigen, die auch mal im Wohlklang schwelgen durften, taten ihr Übriges, um diese Aufführung von Tschaikowskys Werk zu einer, bei allem musikalischen Stürmen und Drängen, in sich wunderbar runden Sache zu machen.

Ob die Zugabe des Orchesters – der Spanische Tanz aus Schwanensee, als gerade das WM-Endspiel lief – dazu beitrug hat, dass Spanien Weltmeister wurde, wissen die Fußballgötter, die zudem registriert haben dürften, dass sich eine Erste Geigerin – sie saß am vierten Pult – bei der Zugabe eine in Gelb und Rot, den Farben der spanischen Nationalflagge, gestaltete Girlande um den Hals gehängt hatte.

Von unserem Mitarbeiter Frank Kupke
    
    

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