publiziert: 01.09.2008 17:20 Uhr
aktualisiert: 01.09.2008 17:32 Uhr
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Wie Wolfgang Wagner Operngeschichte schrieb

Bis zum Schluss hielt der Enkel von Richard Wagner in Bayreuth die Fäden in der Hand
  • Gruppenbild zum Abschied (hinten v. l.): Bayerns Kultusminister Thomas Goppel, Katharina Wagner, Dirigent Christian Thielemann, vorne: Verena Lafferentz-Wagner, Wolfgang Wagner und Eva Wagner-Pasquier.
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(hele) „Ich bin doch nicht berühmt!“, winkte er ab, als ihn ein Fan um ein Autogramm bat. Natürlich ist er berühmt. 58 Spielzeiten lang hat Wolfgang Wagner die Bayreuther Festspiele geleitet, die weltweit zu den wichtigsten gehören, und damit Operngeschichte geschrieben. Zudem ist der 89-Jährige der Enkel Richard Wagners, des Mannes, der das Musiktheater revolutionierte. Und doch: Wer den großen alten Mann der Oper traf, traf nicht etwa auf einen abgehobenen Künstler. Er lernte einen durchaus leutseligen Menschen kennen, der mit unverkennbar fränkischem Zungenschlag plauderte und immer irgendwie volksnah wirkte.

Doch Wagner konnte auch anders: Seine zornigen Attacken bei Pressekonferenzen waren gefürchtet. Auf Kritik reagierte er bisweilen äußerst heftig. Die gab es immer wieder. Als Regisseur wurde Wolfgang Wagner Konservativismus vorgeworfen. Seine Bayreuther „Meistersinger“ oder seinen „Parsifal“ fanden viele schlichtweg langweilig.

Als Intendant wurde ihm genau das Gegenteil vorgehalten. Mit der mutigen Verpflichtung von Regisseuren wie Heiner Müller für „Tristan und Isolde“ (1993) oder Christoph Schlingensief – beide hatten zuvor noch nie eine Oper inszeniert – gehe er zu weit, erweise den Festspielen und dem Werk des Großvaters einen Bärendienst, hieß es.

Der Erfolg gab Wagner Recht. Müllers „Tristan“ wurde – nach Anlaufschwierigkeiten – vom Publikum geschätzt. Patrice Chéreaus „Ring des Nibelungen“, 1976 noch ein Skandal, wurde wenige Jahre später mit 85-minütigem Beifall überschüttet. Und Schlingensief fachte eine Diskussion über den „Parsifal“ an, wie sie selten einer Bayreuther Inszenierung zuteil wurde. Auch wenn er sich nicht wirklich mit Schlingensiefs Arbeit abfinden konnte – mit der Auswahl seiner Regisseure bewies Wagner immer ein gutes Händchen, hielt das Werk des Großvaters lebendig.

Bis zum Schluss hatte Wolfgang Wagner die Fäden in der Hand. Gegen viele Widerstände gelang es ihm, mit List und Sturheit die Nachfolge in seinem Sinne zu regeln: Stets wollte er die Leitung der Festspiele in der engsten Familie halten. Nach dem Tod seiner zweiten Frau Gudrun im vorigen Jahr kam nur Tochter Katharina in Frage. Seiner Nichte Nike sprach er jegliche Befähigung zur Leitung der Festspiele ab. Bis zuletzt gelang es Wagner, die besondere Atmosphäre am „Grünen Hügel“ zu erhalten. Stets versammeln sich im Sommer renommierte Sänger und Musiker aus aller Welt, um in Bayreuth aufzutreten – zu deutlich niedrigeren Gagen als anderswo üblich.

Das Publikum dankte es dem scheidenden Intendanten: Als sich Wagner, selbst für engste Mitarbeiter überraschend, nach der „Parsifal“-Aufführung am vorigen Donnerstag dem Publikum zeigte, verbeugten sich die Wagnerianer mit stehenden Ovationen und Bravo-Rufen vor der überragenden Lebensleistung des Enkels von Richard Wagner.

    
    

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