publiziert: 19.07.2010 18:05 Uhr
aktualisiert: 20.07.2010 09:59 Uhr
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Großes Kino mit Mahler

Ein großer Abschied vom Kissinger Sommer 2010

Es war ein großer Abschied vom Kissinger Sommer 2010. Und wieder einmal spielten die Bamberger Symphoniker. Vergangenes Jahr gaben sie Beethovens Neunte, diesmal das Adagio aus Mahlers letzter begonnener Sinfonie und „Das Lied von der Erde“, komponiert mit krankem und vor Liebesleid schmerzendem Herzen. Hört man Lebenserfahrung, Liebessehnsucht, Todesnähe? Ja, und sie klingen verlockend, mächtig, schelmisch, leidenschaftlich und tief.

Mahler und die Bamberger – das ist eine große Erfolgsgeschichte, stets neu belebt und akzentuiert vom Dirigenten, diesmal dem großartigen Jonathan Nott. Wie er die Einsätze beim Adagio Nr. 10 in Fis-Dur bis ins nahezu Unerträgliche verschleppte, die Streicher und Bläser übermütig in die Töne hineinschleifen ließ, um dann wieder in melancholisch verlassene Melodienbögen zu münden – das war großes Kino. Dynamisch und rhythmisch traumwandlerisch sicher reagierte das sensible Orchester auf den auswendig und tänzerisch dirigierenden Nott. Dazu die perfekte Akustik im voll besetzten Großen Saal des Regentenbaus – ein unter die Haut gehendes Erlebnis.

Nach der Pause dann die großartige Waltraud Meier und der stimmgewaltige Klaus Florian Vogt. „Das Lied von der Erde“ für Tenor, Alt und großes Orchester komponierte Mahler 1909, zwei Jahre vor seinem Tod. Mühelos behauptete sich der Bayreuth-erprobte Strahle-Tenor gegen das riesige Orchester, lotete jeden Satz bedeutungsvoll aus, artikulierte jede Silbe perfekt, glänzte mit drängenden, an die Grenze der Lautstärke gehenden Fortissimopassagen.

Mezzosopranistin Waltraud Meier kostete die „dunkeln Empfindungen“ Mahlers aus, Nott hielt das wuchtige Orchester in den tiefen Alt-Passagen meist aufmerksam zurück. Immer in Augenkontakt mit dem Publikum, brillierte die Würzburgerin auch in „Der Abschied“. Große Stille nach dem wuchtigen, einfühlsamen, dramatischen Werk – dann großer Beifall mit vielen Bravorufen.

Von unserer Mitarbeiterin Angelika Silberbach
    
    

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