publiziert: 27.10.2010 16:15 Uhr
aktualisiert: 27.10.2010 19:20 Uhr
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Schöpfer von Mythen

Paul Gauguin: Er war eigenwillig. Vielleicht deshalb überwand der Maler kulturelle Barrieren.

  • Typische Farbenpracht: „Parahi te marae“ von 1892.
  • Fotos: dpa/Tobias Hase
    Gewagt: In „Nevermore“ (1897) verbindet Paul Gauguin die Pose des Aktes aus der europäischen Tradition mit südländischem Flair.
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Wie sah Paul Gauguin (1848 bis 1903) sich selbst, und wie ist er in seiner Kunst wiederzuerkennen? Diese Frage steht im Mittelpunkt einer großen Ausstellung in der Tate Modern in London. „Gauguin – Maker of Myth“ (Gauguin – Schöpfer von Mythen) will die Vielfältigkeit eines Künstlers vermitteln, dessen Erzählkunst im Zentrum seiner Kreativität stand. Mehr als 100 Werke aus Sammlungen aus aller Welt hat die Tate Modern für die erste große Gauguin-Schau in Großbritannien seit 55 Jahren nach London geholt. Die rekordverdächtige Ausstellung, von der „Times“ bereits als „Show des Jahres“ deklariert, läuft bis zum 16. Januar 2011.

Gauguin – Börsenmakler, Künstler, Matrose, romantischer Bohemien und Vorläufer der Moderne – wusste um seine Wirkung. „Ich bin ein großer Künstler, und ich weiß es“, soll er von sich gesagt haben. Der Frage, wie sich dieses „außergewöhnliche Selbstbewusstsein“ in der erzählerischen Kraft seiner Werke widerspiegelt, geht Kuratorin Belinda Thomson nach. Am ehesten, so sagt sie, werden Gauguins Mythen und Fabeln anhand seiner Selbstporträts entschlüsselt. „Sie demonstrieren, wie er sein eigenes Image bewusst mythologisierte, indem er sich der Öffentlichkeit als leidende, Christus ähnliche Figur präsentierte“, sagt Thomson. Als kraftvolle Beispiele für Gauguins Selbsterfindung gelten die Gemälde „Christus im Olivenhain“ (1889) und das „Selbstporträt mit Manau tu papau“ (1893). „Diese Werke veranschaulichen Gauguins Fähigkeit zum Rollenspiel in seiner Selbstdarstellung als Opfer, Heiliger, Märtyrer und Sünder“, heißt es von der Tate Modern. „Gauguin personifiziert die Idee, dass der Künstler ebenso eine Erfindung ist wie die Kunst selbst“, schrieb der Kunstkritiker Adrian Searle in der Zeitung „The Guardian“. Weiteres Zeugnis, durch die Verbindung von Kunst und Künstler Mythen zu schaffen, sieht die Tate darin, dass Gauguin biblische Szenen – etwa die Flucht nach Ägypten – auf eine Südseeinsel versetzt oder die Kreuzigung auf dem Gemälde „Der gelbe Christus“ (1889) in einer bretonischen Landschaft stattfinden lässt. Damit würden Geschichten erschaffen und erzählt. „Gauguin war ein natürlicher Geschichtenerzähler“, sagt Thomson. „Seine Relevanz für uns heute besteht darin, dass er ein globaler Künstler war, dem es schon vor 120 Jahren gelang, kulturelle Barrieren zu überwinden.“

In der thematisch angeordneten Ausstellung, die sich über sieben Räume erstreckt, sind viele Schlüsselwerke des Künstlers zu sehen: Darunter das berühmte Gemälde „Vision nach der Predigt“, der weibliche Akt „Nevermore“ und „Die Schmollende“ (Te faaturuma), ein Bild, das Edgar Dégas von Gauguin erstand.

Die Vielfalt seines künstlerischen Schaffens wird durch ein breites Spektrum von Keramiken, Holzschnitzereien, Zeichnungen und Drucken belegt. Darunter das „Selbstporträt auf einer Vase“ und ein geschnitzter Spazierstock, der mit einem Frosch und einem weiblichen Akt verziert ist. Die umfassende Schau wurde in Zusammenarbeit mit der National Gallery of Art in Washington erstellt, wo sie ab Februar 2011 zu sehen ist.

    
    

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