aktualisiert: 07.07.2010 16:12 Uhr
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BAD KISSINGEN
Wenn Christine Schäfer Flammen lodern lässt
Die Frankfurter Sopranistin faszinierte bei ihrem Liederabend im Bad Kissinger Regentenbau
Mit Robert Schumanns „Nachtlied“, der letzten von drei Zugaben, beendete die Sopranistin Christine Schäfer einen faszinierenden Liederabend beim Kissinger Sommer mit Werken von Johannes Brahms, Hugo Wolf und Schumann.
Ihre sängerischen Qualitäten hat die zierliche Frau auf den großen Bühnen der Welt bewiesen. Im gut besuchten Regentenbau steht sie in einem schlichten, tannengrünen Abendkleid mit Schleppe bescheiden und zurückgenommen vor ihrem Publikum. Wäre da nicht ihr grandioser, einfühlsamer Klavierbegleiter, der mit Auszeichnungen überschüttete Pianist Graham Johnson, verströmte ihr Erscheinungsbild pure Einsamkeit. Ihm vertraut sich die Sängerin blindlings an, er vollendet in vollkommener Harmonie, was sie beinahe überirdisch und hochemotional vorträgt. Mit scheinbar nach innen gewandter Konzentration beginnt Christine Schäfer mit dem Brahms-Lied „Wenn du nur zuweilen lächelst“. Sie zelebriert es sanft, hingebungsvoll, ganz leise im Schmerz. Ihre klar und präzise geführte Stimme trägt durch den großen Saal, die Aussagen der vertonten Gedichte sind in Töne gegossen. Die Sängerin singt Bilder, Gold-Orangen und Zitronen aus dem Land der Sehnsucht tauchen auf. Dabei steht sie nahezu bewegungslos, ist in dem Augenblick, in dem sie singt, das, was sie singt – mit unglaublichen Farben in der Stimme. Da schwingt Demut mit, da klingen Hingabe, Erotik, Sanftmut, manchmal ein bisschen Koketterie, aber auch Leid und Verklärung.
Ab und zu huscht der Hauch eines Lächelns über das nahezu ungeschminkte Gesicht. Und wenn die Sängerin in höchste Emotionen ausbricht, scheinen Flammen aus dem schwarzen Instrument zu lodern, wenn sie in Seligkeit schwelgt, zwitschern Nachtigallen aus den Tasten.
Auch nach der Pause verströmt die Frankfurterin Intensität, ein leichter Hauch auf der Stimme scheint verflogen. Fünf selten zu hörende Stücke der Goetheschen „Wilhelm Meister“-Vertonungen aus der Feder von Robert Schumann erklingen im Vergleich zu den Fassungen von Hugo Wolf. Schäfer gibt den Liedern der Mignon und der Schauspielerin Philine Innigkeit und Spontanität, arbeitet die spektakulären Eigenwilligkeiten Wolfs und die poetisch-romantische Gestaltung Schumanns faszinierend heraus.
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