publiziert: 29.07.2012 18:21 Uhr
aktualisiert: 29.07.2012 18:32 Uhr
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Auch diese Zeitung ist nur einer unter Millionen Miteigentümern der deutschen Sprache

Kontakte mit Lesern gewähren mir zuweilen überraschende Einblicke in Gedankenwelten, die mich zuvor nie erreicht hatten. Fast schon solidarisch verpflichtet sehe ich mich, alle am jüngsten Einblick teilhaben zu lassen, gleichsam wie in einer Eigentümergemeinschaft.

Die Vorgeschichte: Ein Leser wollte in einer ganzen Reihe von Anfragen wissen, warum diese Zeitung in ihren Beiträgen stets die englische Abkürzung DNA (deoxyribonucleic acid) verwendet und nicht die deutsche Bezeichnung DNS (Desoxyribonukleinsäure). Ich gebe zu, dass ich diese Differenzierung nicht für erheblich hielt und deshalb lange überhaupt nicht geantwortet habe. Aus meiner Sicht gab es eine Menge vordringlichere Anfragen. Aber seine Ausdauer ließ mich doch auf den Leser reagieren. Ich schrieb ihm, dass es die Möglichkeiten einer Redaktion übersteigt, auf das Verlangen zahlreicher Leser nach Rechenschaft über das Zustandekommen einzelner weitgehend korrekter Textpassagen, zu antworten. Entscheidend sei, dass von den Lesern verstanden werde, um was es gehe. Das war aus Sicht der Redaktion bei DNA, einer gebräuchlichen Abkürzung für den Gentest, der Fall.

Zu kurz gedacht. Das haben mir der Mann und seine Erkenntnisse deutlich gemacht. Deshalb gebe ich seine Erwiderung voller Respekt wieder. Er entnimmt meinem Schreiben, dass es Lesern gar nicht oder bestenfalls nur ein bisschen zustehe, Rechenschaft über formelle Dinge, wozu ich offenbar auch die Sprache zähle, zu verlangen. Das nimmt er nicht hin und schreibt mir wörtlich:

„Dieses Verlangen steht den Lesern aber gar wohl zu. Die Main-Post bedient sich der deutschen Sprache. Die ist aber nicht ihr Eigentum. Eigentümer ist ausschließlich die Sprachgemeinschaft; Ihre Zeitung ist also nur ein Miteigentümer unter Millionen von anderen. Wer aber – wie aktuell und immer wieder die Main-Post – die Sprache verhunzt und quält, muss es sich gar wohl gefallen lassen, wenn andere Mitglieder der Sprachgemeinschaft Rechenschaft fordern und kritisieren.“

Diese Besitzverhältnisse hatte ich bislang wahrhaftig so noch nicht bedacht. Und ich verspreche, bevor es gar zum Entzug der deutschen Sprache kommt, dass sich die Redaktion nun täglich umso mehr bemühen wird, den Ansprüchen der Sprachgemeinschaft gerecht zu werden. Vielleicht sogar so stark, dass es spätere Journalistengenerationen schon in ihrer DNS mitbekommen.

Mahnend reiche ich viele herzliche hochsommerliche Grüße eines schwer an unserer Sprachverhunzung und Flucht aus unserer Sprache leidenden Mannes an die gesamte Sprachgemeinschaft weiter.

    
    

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Die neuesten Kommentare

glaubt-nicht-alles (674 Kommentare) am 04.08.2012 19:13

Sommerthema?!

Leichte Kost, kein Widerspruch -> angenehme Woche - oder hat's nur keiner verstanden und keiner wollte sich blamieren?;-)
(4)
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