aktualisiert: 08.01.2012 18:56 Uhr
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Biblisches Hindernis für Journalisten: Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein
Wenn sich Journalisten in Medien mit menschlichem Fehlverhalten beschäftigen, wird ihnen oft biblisch entgegengehalten, „wer ohne Fehler ist ...“ Man lässt diesen Halbsatz gerne unvollendet wirken. Ist doch das fehlende, „... werfe den ersten Stein“, Allgemeingut.
Ohne Prediger zu sein, muss ich der Quelle, dem Johannes-Evangelium, kurz nähertreten. Darin sagt Jesus angesichts einer Ehebrecherin, die gesteinigt werden soll: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“ Die Frau entging der schweren Strafe, bekam damit die Chance zur Besserung.
Steinigung droht hier niemandem. Nahezu gleichgesetzt wird ihr aber heutzutage anhaltende Medienkritik an Persönlichkeiten. Als Beispiele sollen Karl-Theodor zu Guttenberg oder aktuell, Bundespräsident Christian Wulff, genannt sein.
Würde man der Moral der Mahnung an den ersten Steinwerfer folgen, hieße das für den Journalismus: Lasst die Leute in Ruhe, schließlich seid ihr selbst nicht fehlerfrei. Auch wenn Journalisten nie abgeschrieben oder Vorzugskredite erhalten haben, trifft sie das. Sie werden vorbeugend disqualifiziert. Die Logik: Niemand ist ohne Fehl, so darf es auch der Politiker sein. Freilich waren mit solcher Sozialisierung eines Werteverfalls bisher weder Journalismus noch Rechtsprechung lahmzulegen.
Hilfsweise habe ich ein literarisches Zitat herausgekramt: „Ein Mensch ohne Fehler ist kein vollkommener Mensch.“ Es wird Alfred Polgar (1873-1955) zugeschrieben, einem österreichischen Schriftsteller, der auch Kritiker gewesen ist. Gut möglich, dass er sich mit seiner menschlichen Erhöhung der Fehler in dieser Rolle gestärkt hat. Ich nehme das dankbar in Anspruch, bevorzuge sonst aber die Volksweisheit, dass nicht mit Steinen werfen soll, wer im Glashaus sitzt. Die steht Journalisten nämlich nicht im Wege, etwa wenn sie ihrer Kontrollfunktion gegenüber wichtigen Politikern kritisch nachkommen; deshalb nicht, weil Medien keine Glashäuser sein dürfen. Sie müssen sich offen der Diskussion mit ihren Nutzern stellen. Die erreicht sie nicht mehr alleine über Leserzuschriften, sondern oft schonungslos in den Foren des Internets. Dabei zerbricht nichts, also auch kein Glas. Deshalb habe ich vergangene Woche hier zu nützlicher Leserkritik herausgefordert.
Kontraproduktiv ist es, vor Kritik und damit gleichsam vor der Meinungsfreiheit, ein biblisches Hindernis zu erbauen. Oft verbirgt sich dahinter Schuldbewusstsein, verknüpft mit der Forderung, es endlich gut sein zu lassen. – Ab hier möge nun aber bitte wieder die Geistlichkeit Deutungen der Bibel übernehmen.
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closs (1300 Kommentare) am 16.01.2012 15:27
Es ist eine Affäre Wulffgenauso wie es eine Affäre Engholm, Ypsilanti, Eva Hermann, Mixa, Guttenberg war - in allen Fällen haben die Namensgeber der Affäre zur Affäre wesentlich beigetragen. Lassen wir das als kleinsten gemeinsamen Nenner gelten - ein größerer wäre wünschenswert. |
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antonsah (267 Kommentare) am 16.01.2012 17:09
@closs... es ist nichts über einen Kamm zu scheren. Jede dieser Affären ist für sich zu bewerten, gerade im Hinblick auf die Ursachen.Anton Sahlender, Leseranwalt |
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freierchrist (252 Kommentare) am 16.01.2012 12:48
Gemeinsamkeit von (Schein)-Heiligkeit.......sowohl bei "christlichen Politikern", als auch bei den heutigen Kirchenoberen.Es ist "unchristlich" wenn ein Politker einer "christlichen Partei" die Worte von Jesus, die den Pharisäern und Schriftgelehrten galten, als Ausrede nimmt für sein trachten nach sündigen Renditen, nach Ehre, Macht und Reichtum. Dieses trachten nach Gewinn, Ämterstreben, Suche nach Menschenverehrung verbindet sowohl Politik, als auch die heutigen Kirchen. Wulff, Guttenberg als auch die Kirchenvertreter der heutigen Zeit bestätigen die Worte der Bibel aus 2. Petrus 2, Vers 3: "Und aus Habsucht werden sie euch mit erdichteten Worten zu gewinnen suchen. Martin Luther´s Worte treffen daher, sowohl auf die "schein"-heiligen Kirchenoberen der heutigen Zeit, als auch auf die oben genannten "christlichen Politikern" zu: "Es ist ein Unterschied, Gottes Wort haben und es halten. Viele haben es, aber halten´s nicht, sondern halten ihren Mammon, Ehre, Gewalt und Gunst höher als Gottes Wort. Darum lieben sie auch nicht Christus und betrügen sich selbst, mit dem Wissen, dass sie das Wort haben, täglich hören und lesen; doch bessern sie sich deshalb nicht." Martin Luther |
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maexchen12 (170 Kommentare) am 15.01.2012 18:55
na wenn es hiersooo sehr um ehrlichkeit und gerechtigkeit geht, bin ich mal gespannt, wann der schwarze sumpf von sich aus beginnt die dinge welche noch offen sind, zu klären. kohl und guttenberg? |
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Debuetant (337 Kommentare) am 11.01.2012 15:57
Gute Einschätzung der Lage, ...... lieber Closs. Sie hätten sehr gute Fähigkeiten für eine journalistische Tätigkeit. |
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