publiziert: 02.12.2012 17:42 Uhr
aktualisiert: 05.12.2012 10:39 Uhr
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Die Freiheit, besser zu argumentieren, gehört allen

Es muss wohl eine Rarität bleiben, dass ein Leser einen Kommentar lobt, obwohl der nicht seine eigene Meinung trifft. Ich jedenfalls warte noch darauf. Doch schreiben Sie jetzt bitte nichts, was nicht eigenem Antrieb entspringt.

Grundsätzlich erfordert respektvoller Umgang mit anderen Meinungen wohl höchste Weihen. Die bedürfen des Nachdenkens darüber, was einen guten Kommentar ausmacht. Das sollte auch für Leser-Kommentierungen als Reaktion auf Journalisten-Kommentare gelten.

Ich erinnere mich an einen Meinungsbeitrag, der so munter diskutiert wurde, dass es einer jeden demokratischen Auseinandersetzung zur Ehre gereichen würde. Die Autorin, die sich für die Betreuungsgeldregelung stark gemacht hatte, sah sich freilich auch unerfreulichen Beschimpfungen ausgesetzt. Vielleicht, weil sie den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück als einen Gegner dieser Förderung selbst arg kritisch hergenommen hatte (10. November: „Steinbrücks verlogene Sprüche“).

Angenehm überrascht hat mich, dass ein mir bekannter Dauerkritiker darauf ausdrücklich mit Lob reagierte. Das ehrt ihn, macht ihn aber nicht vom Saulus, der von der eigenen Haltung besessen ist, zum toleranten Paulus. Es war ausnahmsweise mal genau seine eigene Meinung getroffen worden.

Beruhigen würde ich gerne die Kritiker, die befürchten, ein Kommentar könnte unter der Leserschaft einen unerwünschten Meinungswandel hervorrufen. Sie selbst halten sich doch für mündig genug, unbeeinflusst von verbreiteten Ansichten zu bleiben und die weitaus besseren Argumente zu besitzen. Anderen Lesern, das zeigt die Erfahrung, sollte man diese Souveränität ebenfalls zutrauen. Sie müssen auch nicht glauben, dass es all zu viele Menschen gibt, die wirklich alles so beherzigen, wie es gedruckt in der Zeitung steht.

Wie sind nun Meinungsbeiträge zu bewerten? Die Fakten, auf die sie gestützt werden, müssen stimmen. Man erwartet von Journalisten aber mehr Hintergrundwissen, also auch recherchierte Kenntnisse. Ausgewogen aber, wie oft gefordert, müssen Kommentare nicht sein. Leser sollen die Meinung des Autors erkennen. Das können sie nicht in „Sowohl-als-auch-Beiträgen“. Wer nachvollziehbar für eine Meinung argumentiert, der kommentiert gut, leistet demokratische Basisarbeit.

Man darf in veröffentlichten Meinungen aber auch nur einen Diskussionsbeitrag sehen. Der kann zum Widerspruch reizen und weiterführende Diskussionen auslösen. Die Freiheit, noch besser zu argumentieren, gehört allen: Journalisten und Lesern.

    
    

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»Alle 27 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

isschoogud (418 Kommentare) am 31.12.2012 16:53

Vielen Dank Main-Post, das Sie auch Berichte 1:1 widergeben können.

Klick - 1:1 wie der Polizeibericht, unzensiert und ungeschönt...

Das läßt hoffen für 2013 grinsen
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vogelmann (998 Kommentare) am 05.12.2012 11:55

Hier fehlen doch...

auch schon wieder Kommentare!
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giraffe (825 Kommentare) am 05.12.2012 19:35

Völlig

richtig bemerkt.
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antonsah (453 Kommentare) am 03.12.2012 12:56

@appeldorn ...

... eine bedenkswerte Analyse. Gefällt mir, auch wenn die Redaktion stets bestrebt ist, bei aller Meinungsvielfalt nicht in eine Schlagseite zu geraten, die gegen ihre Unabhängigkeit oder gegen ihre - sagen wir menschliche Gesinnung - spricht.
Anton Sahlender, Leseranwalt
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vogelmann (998 Kommentare) am 04.12.2012 13:24

Naaaajaaa...

Herr Leseranwalt, jetzt wird´s aber lustig hier!

Die Schlagseite der Kommentarzensierung, - löschung- und - änderung geht ja wohl massiv in die linke Richtung, sie wollen mir doch nicht erzählen, dass die Redaktion auf die Ausgewogenheit bei der Wahl der Berichterstattung und Lenkung der Kommentare geht, oder?
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