aktualisiert: 04.05.2009 11:54 Uhr
Text
Text
Katastrophen sollten nicht für billige Scherze missbraucht werden
Über eine misslungene Satire zweier Kabarettisten, die in der Zeitung kritiklos wiedergegeben worden ist
Ich finde es beschämend, dass ein unsäglicher Witz der Herren Priol und Schramm über den Papst mit Bezug auf Winnenden in einem Zeitungskommentar abgedruckt wird, zumal die tragischen Geschehnisse noch allgegenwärtig sind. In diesem Fall empfinde ich nur Ekel und Abscheu.“ Das schrieb mir ein Leser aus Arnstein schon am Monatsanfang. Er meinte damit die Kolumne „Zapper-Philipp“, die am 31. März unter der Überschrift „Der einsame und verletzte Papst“ erschienen war. Es ging darin um die Kabarettsendung „Neues aus der Anstalt“.
Ich finde es beschämend, dass ein unsäglicher Witz der Herren Priol und Schramm über den Papst mit Bezug auf Winnenden in einem Zeitungskommentar abgedruckt wird, zumal die tragischen Geschehnisse noch allgegenwärtig sind. In diesem Fall empfinde ich nur Ekel und Abscheu.“ Das schrieb mir ein Leser aus Arnstein schon am Monatsanfang. Er meinte damit die Kolumne „Zapper-Philipp“, die am 31. März unter der Überschrift „Der einsame und verletzte Papst“ erschienen war. Es ging darin um die Kabarettsendung „Neues aus der Anstalt“.
Ich zitiere nur die letzten Sätze, die in diesem „Zapper-Philipp“ zu lesen waren:
„Der Vatikan-Korrespondent der Bild-Zeitung, Andreas Englisch, hat es schön auf den Punkt gebracht: Wie verletzt sich der Papst gefühlt hat, wie einsam, wie unverstanden, und keiner hat's gemerkt.“
Schramm im Flüsterton zu Priol: „Da können wir froh sein, dass er keinen Vater mehr hat, der Mitglied im Schützenverein ist.“
Ich habe dem Arnsteiner in seiner Kritik an diesem Spruch zugestimmt. Er ist unsäglich, auch wenn er von den beiden bekannten Kabarettisten kommt. Eigentlich mag ich die beiden, ebenso wie unseren Zapper-Philipp, gerade wegen ihrer bissigen Satiren. Nun meine ich aber, dass sie eine Grenze überschritten haben. Ich halte fest: Satire soll sich bissig und – das ist durchaus gewollt – schmerzhaft mit Menschen und ihrem Handeln auseinandersetzen. Satire darf aufblasen, überzeichnen und ist meistens ungerecht. Das sollte man ertragen können.
Doch Schramms geflüsterte Bemerkung verharmlost mit ihrem Bezug auf den Vater im Schützenverein einerseits einen schrecklichen Amoklauf und bringt andererseits den Papst in die Nähe des Amokläufers. Der Spruch vermag die Gefühle vieler Menschen zu verletzen, nicht nur die der Hinterbliebenen von Winnenden und der Familien mit Vätern in Schützenvereinen.
Ich stelle grundsätzlich weiter fest, dass sich auch der Papst in Rom Satire gefallen lassen muss. Die Geschmacklosigkeit des Verweises auf Winnenden fällt aber auf ihre Schöpfer zurück. Auch wenn man Kabarettisten, die sich oft auf Moralgrenzen bewegen, den Fehltritt mal verzeihen sollte, bleibt die unkritische Wiederholung in der Zeitung unglücklich. Auch in der Satire (das ist der Zapper-Philipp) über eine Satire hätte man journalistisch auf Distanz gehen müssen. Es ist so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz, dass Katastrophen mit Tätern und Opfern nicht für billige Scherze herhalten sollten.
Ein missglückter Einzelfall? Nicht ganz. In einer Kolumne (tilman) auf einer Würzburger Lokalseite, wurde am 5. März als Lösung für ein umstrittenes Würzburger Gebäude ein U-Bahn-Bau ins Gespräch gebracht – eine Erinnerung an die Ursache des Gebäudeeinsturzes in Köln. Ein „geschmackloser Kalauer“ sei das, schrieb mir dazu ein Würzburger Leser angesichts der Toten in Köln. Auch diesem Kritiker mag ich nicht widersprechen.
Diesen Artikel
Die neuesten Kommentare
Zeichen setzen
engagierte Bürger Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr

Wetter