publiziert: 29.01.2012 15:12 Uhr
aktualisiert: 05.02.2012 18:30 Uhr
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Lesern ist in Briefen mehr erlaubt, als Journalisten in ihren Artikeln

Vergangene Woche habe ich erklärt, dass Autorinnen oder Autoren von Leserbriefen auch für den Inhalt haften. Es kann sie teuer zu stehen kommen, wenn sie nicht nachweisbare schwere Rechtsverletzungen Dritter als Tatsache feststellen. Zu erkennen, ob das der Fall ist, fällt oft schwer. Selbst Juristen streiten mitunter, ob Texte durch die Meinungsfreiheit gedeckte Wertung oder eine Feststellung falscher Tatsachen enthalten. Kein Wunder, wenn auch Leser mal Meinung mit Nachricht verwechseln. Ich komme darauf zurück.

Leserbriefe gelten grundsätzlich als Meinungsbeiträge. Als solchen ist ihnen mehr erlaubt, als in Artikeln von Journalisten möglich ist.

Wenn darin etwa geschrieben steht, dass ein Politiker, über den berichtet wurde, ein Lügner sei, dann ist das ziemlich hart. Das kann als Meinungsäußerung durchgehen, wenn sich dieser Vorwurf erkennbar auf ein Verhalten dieses Politikers bezieht. Auch für eine solche juristische Bewertung gibt es Entscheidungen höchster Gerichte.

Wird in Leserbriefen eine Person oder eine Institution einer ungesetzlichen, also einer strafbaren Handlung bezichtigt, dann sollten Nachweise dafür für die Redaktion zugänglich und nachvollziehbar sein. Andernfalls verbieten Sorgfaltspflicht und Verbreiterhaftung die Veröffentlichung. Im Übrigen sollte jeder Mensch, der durch solche Vorwürfe belastet wird, die Chance gehabt haben, selbst zu Wort zu kommen.

Leserbriefe mit Lügner- und Betrügervorwürfen oder mit Beschimpfungen bleiben nicht nur aus rechtlichen Gründen oft unveröffentlicht. Meist lassen sie ein Mindestmaß an Respekt vor anderen Menschen und Meinungen vermissen.

Die Unterscheidung zwischen Meinung und Nachricht oder zwischen richtig und falsch, fällt vielen Lesern schwer. Das zeigt eine aktuelle Zuschrift, in der einem Leser die „offensichtlich gesteuerte Kampagne gegen die Beamten auf die Nerven geht.“ Er schreibt: „In den letzten 14 bis 21 Tagen haben sie schon zweimal falsche Leserbriefe gegen Beamte im Hinblick auf die Pensionen veröffentlicht. Sie schüren bewusst gegen die Beamten.“ Und: „Falls noch so ein bewusst falscher Leserbrief erscheint, werde ich kündigen.“

Ich habe nur einen Brief am 24.1. gefunden. Eine Leserin schlägt darin vor, Beamtenpensionen wie Renten, zu berechnen, über den Durchschnitt des Verdienstes der gesamten Arbeitsjahre.“ – Nun hoffe ich, dass sich die Erkenntnis durchsetzt, dass eine andere Meinung keine falsche Tatsache ist. Sonst müssten wir auf einen Abonnenten verzichten.

    
    

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»Alle 24 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

antonsah (267 Kommentare) am 01.02.2012 15:42

@vulture @glaubt-nicht-alles

@vulture... sie müssen schon deutlich werden. Mit eben mal so hingeworfenen Bemerkungen kann ich fast nichts anfangen. - Eine Partei, sollten Sie das meinen, hat keinerlei Einfluss auf die Gründung eines Presseunternehmens. Eine solche Gründung ist jedem freigestellt. Das ist gesetzlich geregelt. Wirtschaftlich ist sie kaum darstellbar. Es können sich auch andere, bereits bestehende Medien, in diesem Verbreitungsgebiet niederlassen. Und in den Landkreisen Main-Spessart, Kitzingen, Rhön-Grabfeld und Haßberge gibt es weitere Zeitungen, die zum Teil aber alleine nicht mehr existieren könnten. Lediglich das in Aschaffenburg erscheinende Main-Echo ist (auflagen-) stark genug, auch in Überlappungsgebieten von Zeitungen existieren zu können. Das gilt gleichermaßen für die Main-Post, dort wo es noch eine andere Zeitung gibt. So kann auch die Saalezeitung in Kissingen oder die Kitzinger in Kitzingen nur als Teil des Fränkischen Tages aus Bamberg existieren. @glaubt-nicht-alles ... ich habe mich über Einzelfälle recht bedeutungsloser kleinster Zeitungen, die es da und dort noch geben mag, nicht weiter informiert. Ihre Beispiele liegen in einem Gebiet, das weitgehend vom Münchner Merkur beherrscht wird und in dem er eine Reihe Kopfblätter mit anderen Titeln führt. Andere Produkte sind häufig frei und gratis verteilte Anzeigenblätter, die nicht einmal täglich erscheinen.
Auf dem deutschen Tageszeitungsmarkt gibt es jedenfalls kaum noch eigenständige kleine Blätter, weil die wirtschaftlich nicht existieren könnten. Wenn es sie gibt, dann oft in Kooperation mit großen Zeitungen.
Es gibt - das sei noch festgehalten - keine Zeitung, die ein Monopol hat. Der Markt ist offen. Und was die Meinungsvielfalt betrifft, gibt es mittlerweile mehr Medien als nur gedruckte auch in dieser Region ....
Anton Sahlender, Leseranwalt
(0)
vulture (464 Kommentare) am 01.02.2012 21:41

Nein, Nein ;-)

Die PARTEI. Also die die regelmäßig oben anruft zwinkern.
(0)
antonsah (267 Kommentare) am 01.02.2012 22:27

@vulture

... es gibt keine Partei, die noch nicht angerufen hätte ...
Anton Sahlender, Leseranwalt
(0)
vulture (464 Kommentare) am 03.02.2012 07:24

...

fair enough
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glaubt-nicht-alles (210 Kommentare) am 01.02.2012 16:16

Schön,

dass Sie sich von viel Mühe machen, ein faktisches "Monopol" widerlegen zu wollen. Aber wie wollen wir es denn jetzt nennen, wenn's ein "Ding" nur ein mal gibt - ist aber jetzt eher ein hypothetische Frage, die h i e r keine Antwort fordert. Ich schließe das Thema damit ab.
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