publiziert: 26.02.2009 20:17 Uhr
aktualisiert: 26.02.2009 20:18 Uhr
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„Franken tritt selbstbewusst auf“

Joachim Herrmann fordert deutliches Signal von CSU-Chef Horst Seehofer
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Den Unmut der Basis spürt die CSU in Franken besonders stark. Nun fordert der mittelfränkische CSU-Bezirkschef und bayerische Innenminister Joachim Herrmann namens der fränkischen Bezirksverbände „ein deutliches Signal" von Parteichef Horst Seehofer.

Frage: Sie fordern fünf der zehn Spitzenplätze auf der CSU-Liste für die Bundestagswahl für Kandidaten aus Franken?

Joachim Herrmann: Ich meine in der Tat, nach den schwierigen Diskussionen der letzten Monate sollten wir ein deutliches Zeichen setzen. Und bei den Persönlichkeiten, die wir in Franken zu bieten haben, liegt es auch nahe, dass unter den ersten zehn Kandidaten fünf Franken sein sollten.

Manche sprechen schon von Aufruhr in der fränkischen CSU. Aber schon 2005 stellte sie fünf von zehn Spitzenbewerbern. Ist die Forderung ganz normal?

Herrmann: Von Aufruhr würde ich nicht reden, das stammt nicht von mir. Es geht nicht nur um Regionalproporz, sondern vor allem darum, dass wir die entsprechenden Persönlichkeiten haben. Das gilt für den neuen Wirtschaftsminister zu Guttenberg, für die Staatssekretäre Dagmar Wöhrl und Christian Schmidt, die neue stellvertretende Generalsekretärin Dorothee Bär und den Landesvorsitzenden der Jungen Union, Stefan Müller. Ich weiß noch nicht, wie sich Michael Glos positionieren will, das kommt auf den unterfränkischen Bezirksverband an. Eigentlich müsste sich unsere Vorstellung von selbst verstehen. Aber es ist wichtig, dass die Franken selbstbewusst auftreten bei der Aufstellung der Liste.

Der Ärger der Franken darüber, wie schlecht sie sich zuletzt von München behandelt fühlen, ist ja gerade im Fasching deutlich spürbar gewesen. Da muss man jetzt gegensteuern, oder?

Herrmann: Da hat es sicher manchen Unmut gegeben, manches wird vielleicht auch übertrieben. Entscheidend ist aber, dass wir jetzt nach vorne schauen, und Franken selbstbewusst auftritt. Wir haben hier die engagierten und profilierten Persönlichkeiten, mit denen wir einen starken Beitrag für einen erfolgreichen Wahlkampf auf Landes- und Bundesebene leisten können.

Sie haben Ihren Vorstoß als Vorsitzender der CSU-Mittelfranken zuvor mit den Vorsitzenden aus Oberfranken (Karl Theodor zu Guttenberg) und Unterfranken (Michael Glos) abgestimmt?

Herrmann: Er entspricht dem allgemeinen Bewusstsein in Franken, wie ich aus Gesprächen mit einer ganzen Reihe von Kollegen weiß. Ich habe das auch Horst Seehofer schon persönlich ans Herz gelegt. Wir werden bis zur Entscheidung über die Liste am 21. März noch viele Gespräche haben. Ich habe Horst Seehofer aber schon angekündigt, dass dies die Position aus Franken sein wird.

Und wie hat er reagiert?

Herrmann: Er hat es wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Aber zugestimmt hat er noch nicht?

Herrmann: Nein, er kann sich da ja nicht einseitig festlegen, das ist völlig klar. Jetzt müssen sich erst einmal alle Bezirksvorsitzenden zusammensetzen und darüber sprechen.

Wer ist dann Ihr Ansprechpartner in Unterfranken, nachdem über die politischen Zukunftspläne des hiesigen Bezirksvorsitzenden Michael Glos noch Unklarheit herrscht?

Herrmann: Er ist Bezirksvorsitzender und er wird Unterfranken in diesen Vorgesprächen vertreten. Ansonsten ist es seine Entscheidung, wie er seine Zukunft weiter gestalten will. Darüber will ich jetzt nicht öffentlich spekulieren.

Sie nannten gerade Karl-Theodor zu Guttenberg, Dagmar Wöhrl, Christian Schmidt, Dorothee Bär und Stefan Müller. Damit hätten Sie schon fünf Kandidaten für die Bundestagsliste. Wo bleibt da Michael Glos?

Herrmann: Das können auch sechs Franken unter den ersten zwölf Kandidaten werden, ich will mich jetzt nicht endgültig festlegen. Ich sage auch keine Hausnummer für einen einzelnen. Das ist ja letztlich Ergebnis der Gespräche, in denen wir insgesamt ein Team zusammenstellen.

Die Liste soll am 21. März stehen?

Herrmann: Ja, und es wird vorher mindestens zwei Gespräche mit allen Bezirksvorsitzenden geben, in denen das vorbereitet wird. Aber letztendlich sind die Delegierten am 21. März natürlich frei in ihrer Entscheidung. Und die wird in Franken, in Erlangen fallen, was auch ein wichtiges Zeichen ist.

Zur Person

Joachim Herrmann Der CSU-Politiker (52) wuchs in Erlangen auf und ist Bezirkschef der CSU Mittelfranken. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften arbeitete er als Regierungsrat und Oberregierungsrat in der Bayerischen Staatskanzlei. Seit 1994 ist Herrmann Mitglied des Landtags. Von 1998 bis 1999 war er Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Frauen, von 1999 bis 2003 stellvertretender Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion, von 2003 bis 2007 Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion. Seit 2007 ist Herrmann bayerischer Innenminister.

Das Gespräch führte Manfred Schweidler
    
    

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