publiziert: 26.06.2012 19:12 Uhr
aktualisiert: 26.06.2012 19:18 Uhr
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„Diese Reise wäre ein vollkommen falsches Signal“

Viola von Cramon (Grüne): Kanzlerin sollte vom Besuch des Endspiels Abstand nehmen

Viola von Cramon (MdB/Bündnis 90/Die Grünen) ist sportpolitische Sprecherin der Grünen und Osteuropa-Expertin. Seit September 2009 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages. Sie ist 1970 geboren, verheiratet und hat vier Kinder.

Frage: Frau von Cramon, der Fußball hat viel internationale Aufmerksamkeit auf die Ukraine gelenkt, so rückten auch die massive Verletzung der Menschenrechte mit dem Fall der inhaftierten Julia Timoschenko in den Fokus.

Viola von Cramon: Ja, das stimmt, die Berichterstattung über die politischen Hintergründe war erfreulicherweise sehr intensiv, besonders in Deutschland. Aber es geht bei Weitem nicht nur um Frau Timoschenko, sondern um etliche andere Oppositionspolitiker und viele Menschen, die im Gefängnis sitzen und deren gesundheitlicher Zustand höchst bedenklich ist.

Helfen oder ausgrenzen – welcher Weg ist im Umgang mit der Ukraine der richtige?

von Cramon: Die Ukraine ist wirtschaftlich am Ende und driftet gesellschaftspolitisch ab. Sie brauchen den Westen, sie brauchen Europa, und wir müssen sie positiv begleiten, mit Beratung und Kreditangeboten. Aber wenn man das Land näher an Europa heranbringen will, dann muss man – wie in Moldau – einen Visa-Dialog anbieten und damit zum Beispiel ein Anti-Diskriminierungsgesetz durchsetzen.

Sollte die deutsche Mannschaft das Endspiel erreichen, will die Kanzlerin in die Ukraine kommen. Können Sie das nachvollziehen?

von Cramon: Nein, überhaupt nicht. Und es passt überhaupt nicht dazu, was Angela Merkel vor der EM erklärt hat. Nun wird sie doch neben dem Verantwortlichen für den Niedergang der Ukraine, Viktor Janukowitsch, auf der Tribüne sitzen und liefert diesem Mann genau die Bilder, die er will und die seine Wiederwahl im Oktober begünstigen werden.

Warum tut die Kanzlerin das?

von Cramon: Das ist doch nicht so schwer zu verstehen, oder? Frau Merkel steht an allen politischen Fronten schwer unter Druck – da helfen natürlich Bilder aus der Kabine der deutschen Fußballer enorm weiter. Es gibt nur einen Grund, der ihren Besuch in der Ukraine rechtfertigen würde: wenn damit konkrete Maßnahmen wie die Freilassung inhaftierter Politiker verbunden wären. Ansonsten wäre diese Reise ein vollkommen falsches Signal, das auch nicht mit der angeblichen Fußball-Begeisterung der Kanzlerin zu rechtfertigen ist. Das gilt im Übrigen auch für andere deutsche Politiker, die meinen, bei einem Finale mit DFB-Beteiligung in Kiew dabei sein zu müssen. Foto: Von Cramon

Das Gespräch führte Harald Pistorius
    
    

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