aktualisiert: 13.08.2012 19:34 Uhr
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Drei sind zwei zu viel
In der SPD spitzt sich die Debatte um den Kanzlerkandidaten zu
Ausgerechnet Torsten Albig.“ Am Tag danach sind im rechten Flügel der SPD das Entsetzen wie die Enttäuschung groß. Dass ausgerechnet der neue schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig, einst lange Jahre nicht nur der Pressesprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in der Großen Koalition, sondern auch einer seiner engsten Vertrauten und Berater, seinem Mentor und Ziehvater in den Rücken fällt und sich öffentlich für Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidaten starkmacht, kommt für das Steinbrück-Lager in der SPD ebenso überraschend wie zur Unzeit.
Denn gerade wollte Peer Steinbrück, der sich mit seiner Familie in Botswana erholt hat, zur großen Offensive blasen und sich für die Spitzenkandidatur in Stellung bringen, wobei er sich der Unterstützung der beiden Altkanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder sicher sein konnte.
Doch mit einem Schlag sind alle Planungen Steinbrücks Makulatur. Albigs Votum für Steinmeier („starke Führungspersönlichkeit“), der als Fraktionschef eine „tolle Arbeit“ leiste, seit 2009 „sehr gereift“ sei und „ein guter Kanzler für unser Land“ wäre, stellt einen empfindlichen Rückschlag für den früheren Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und Bundesfinanzminister dar. Von einem „Vatermord“ ist im Steinbrück-Lager gar die Rede. Albigs Vorstoß, kritisiert etwa der SPD-Finanzexperte Joachim Poß, sei „nicht hilfreich“. Er pocht darauf, den eingeschlagenen Zeitplan einzuhalten und den Herausforderer von Kanzlerin Merkel erst nach der Landtagswahl in Niedersachsen im Januar kommenden Jahres zu küren. „Die Partei muss die Kraft haben, den selbst genannten Zeitpunkt für die Entscheidung über die Frage des Kanzlerkandidaten durchzuhalten.“
Noch deutlicher wird der baden-württembergische SPD-Chef Nils Schmid, für den Steinmeier wie Steinbrück sehr gute Kanzlerkandidaten sind. „Der Ex-Finanzminister genießt in der Bevölkerung hohes Vertrauen und ist sehr beliebt.“ Generalsekretärin Andrea Nahles appelliert dagegen nach einer Telefonschaltkonferenz an die Partei, sich mit derartigen Äußerungen zurückzuhalten. Diese Form der Nabelschau helfe einzig und allein Kanzlerin Angela Merkel. Es gelte der beschlossene Zeitplan, sagte Nahles.
Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD) rief seine Partei auf, bis 2013 mit einer Festlegung zu warten. „Alle sollten sich an das Vereinbarte halten, wenn sie nicht Personen und die Partei beschädigen wollen“, sagte Schulz dem „Tagesspiegel“. Er lobte Parteichef Gabriel dafür, dass er selbst mehrere mögliche Spitzenkandidaten ins Spiel gebracht habe, obwohl ihm als Vorsitzendem das Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur zustehe.
„Alle sollten sich an das Vereinbarte halten, wenn sie nicht Personen und die Partei beschädigen wollen“Martin Schulz (SPD), Präsident des Europäischen Parlaments
Baden-Württembergs SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel sprach von einem Luxusproblem. Der Zeitplan müsse weiterhin gelten. „Es ist sehr vernünftig, ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl zu entscheiden und sich dann geschlossen hinter den Kandidaten zu stellen“, sagte er. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels sprach sich wie Baden-Württembergs SPD-Chef Schmid dagegen erneut für Steinbrück aus. „Wir brauchen den Kandidaten, der eine echte Alternative zu Merkel darstellt – und von den Wählern auch so gesehen wird. Das ist gerade in der Eurokrise Peer Steinbrück“, sagte Bartels der „Bild“.
Gleichwohl hält sich die Zahl der Steinbrück-Fans in den Reihen der Sozialdemokratie, die sich öffentlich für ihn aussprechen, in überschaubaren Grenzen. In der SPD hat sich der gebürtige Hamburger, der seine Parteifreunde schon mal als „Heulsusen“ beschimpfte, wenig Freunde und viele Gegner, mit seinen Positionen zur Rente mit 67, zur Agenda 2010 oder zur Eurokrise vertritt er nicht die Mehrheitsmeinung der SPD. Darum sind viele Genossinnen und Genossen zwar über den Zeitpunkt der Albig-Äußerung überrascht, nicht aber über deren Tenor.
Mit seinem klaren Votum für Frank-Walter Steinmeier steht der schleswig-holsteinische Regierungschef nicht allein – im Gegenteil. Sowohl in der Bundestagsfraktion, die Steinmeier seit dem Wahldebakel 2009 führt, als auch in den großen und einflussreichen Landesverbänden gibt es klare Mehrheiten für den langjährigen Kanzleramtsminister unter Gerhard Schröder und Außenminister unter Angela Merkel. Mit seiner ausgleichenden und integrierenden Art, heißt es in der Fraktion anerkennend bei Parteilinken wie Parteirechten, habe er die Flügelkämpfe beendet und ein harmonisches Arbeitsklima hergestellt. Auch die mitgliederstarken Landesverbände Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bayern und Rheinland-Pfalz stehen mit großer Mehrheit hinter dem gebürtigen Westfalen, sein neues politisches Heimatland Brandenburg, wo er seit 2009 seinen Wahlkreis hat, ohnehin. Dem Steinmeier-Lager werden auch Ex-Parteichef Franz Müntefering sowie der als „moralische Instanz“ der SPD geltende Erhard Eppler zugerechnet.
Das weiß auch Parteichef Sigmar Gabriel, dessen Chancen, Kanzlerkandidat zu werden, in Parteikreisen als eher gering eingeschätzt werden, zumal er auch in der Gunst der Wähler weit hinter den beiden „Stones“ liegt. Zu unstet, zu sprunghaft, zu unseriös, heißt es flügelübergreifend. Er dürfte nur dann zum Zuge kommen, wenn sowohl Steinmeier als auch Steinbrück aus freien Stücken auf die Kanzlerkandidatur verzichten würden. Das allerdings gilt als äußerst unwahrscheinlich. Mit Material von dpa
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Du_di_ned_oo (4412 Kommentare) am 15.08.2012 09:00
91% springen lieber aus dem Fenster, als Favoriten aus der SPD-Troika zu benennenmeldet der Postillion:München (dpo) - "Wen würden Sie am liebsten als SPD-Kanzlerkandidaten sehen?": Diese Frage stellte das Meinungsforschungsinstitut Opinion Control insgesamt 301 repräsentativ ausgewählten Personen bei einer Umfrage. Doch anstatt sich für eine der drei angebotenen Optionen Peer Steinbrück, Frank-Walter Steinmeier oder Sigmar Gabriel zu entscheiden, sprangen überraschende 91 Prozent der Befragten lieber aus dem Fenster – die meisten mit einem erleichterten Gesichtsausdruck. "So etwas habe ich in meiner langen Karriere als Meinungsforscher noch nie erlebt", sagte Professor Heinz Geiwasser, der Leiter des Instituts anschließend. "Immerhin befand sich das Zimmer, in dem die Personen befragt wurden, im dritten Stock." Nachdem die ersten Befragten schwere Knochenbrüche davongetragen hatten,... [zur Meldung um Postillion] |
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