aktualisiert: 28.01.2009 20:07 Uhr
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Leitartikel: Ein verheerendes Signal
Papst bedient die extrem Rechten der Theologie
Eines vorweg: Der Papst ist in den allermeisten seiner Entscheidungen nicht unfehlbar. Er ist es auch im vorliegenden Fall nicht. Da ist er sogar sehr fehlbar. Benedikt hätte die Exkommunikation der vier Anhänger des gestorbenen Traditionalisten-Bischofs Marcel Lefebvre nicht aufheben dürfen.
In der Öffentlichkeit wirkt vor allem der handfeste politische Skandal, in den sich der Vatikan selbst verwickelt hat: Einer der Bischöfe, der Brite Richard Williamson, leugnet den Holocaust. Auch wenn der Vatikan sehr bemüht ist, zwischen Williamsons Aussagen zur Judenvernichtung und der Wiederaufnahme der Bischöfe in den Schoß der Kirche zu trennen: Das ist ein rein theoretischer Versuch. In der öffentlichen Wirkung lässt sich das nicht auseinanderhalten.
Die Wirkung auf die jüdischen Gemeinden ist verheerend. Den Holocaust zu leugnen, das ist der Inbegriff der Perfidie. Mehr noch: Das ist in Deutschland eine Straftat.
Benedikt XVI. bedient die extreme Rechte der Theologie und nimmt dafür „Missverständnisse“ in Kauf. Zumal sich diese jüngste Entscheidung – die Wiederaufnahme der vier traditionalistischen Bischöfe – in eine Reihe mit der Wiederzulassung der Karfreitagsbitte stellen lässt. Ausgerechnet ein deutscher Papst hätte das nicht tun dürfen. Es war ein schwerer Fehler.
Schon theologisch sind die Traditionalisten nicht tragbar. Es geht nicht nur um Liturgie und Gewänder. Sie haben die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht mitvollzogen, sie lehnen so ungefähr alle Errungenschaften der katholischen Kirche ab, mit der sie sich damals auf die Höhe der Zeit brachte. Ökumene und Religionsfreiheit sind ihnen ein Dorn im Auge. Das Konzil aber ist eine Weichenstellung der Gesamtkirche gewesen, es hat also Verpflichtungskraft und kann Gehorsam beanspruchen.
Wenn der Vatikan jetzt von Dialog spricht und davon, man wolle ernsthaft über die Differenzen reden, so ist das seltsam naiv. Die Traditionalisten haben sich keinen Millimeter bewegt, die katholische Kirche kommt ihnen massiv entgegen: Es war ja gerade die Weihe dieser vier Bischöfe, derentwegen Lefebvre 1988 exkommuniziert wurde. Im Kern des Konflikts hebt Rom die Strafe auf. Warum sollte sich die Gegenseite jetzt noch bewegen?
Bedenkt man den Anspruch auf Gehorsam, den die Kurie sonst erhebt – etwa im Fall der Schwangeren-Konfliktberatung in Deutschland im Jahr 1999 – dann könnte eine Lösung des Streits mit den Traditionalisten nur so aussehen: Sie hätten sich in vollem Umfang und in tiefer Reue dem Konzil beugen müssen. Befolgt man die reine katholische Lehre, so ist der Gehorsam der rechtmäßigen Autorität geschuldet und die kann man sich nicht aussuchen.
Jetzt ist wieder einmal offenbar, wie Rom mit zweierlei Maß misst: Den Konservativen wird nachgegeben, nach Rechtsaußen baut man mit wahrer Engelsgeduld Brücken. Fortschrittlichen Ideen wird kein Raum eingeräumt, Befreiungstheologen etwa mussten sich maßregeln lassen.
Warum nur macht Benedikt XVI. das? Verspricht er sich etwa in Teilen der Weltkirche Vorteile davon? Denn nicht überall ist Theologie so modern und weltoffen wie in Deutschland. Und sind solche Ziele den hohen Preis wert?
Oder zeigt er sein wahres Herz, seine erzkonservative Grundhaltung, die oft von persönlicher Integrität, unbestreitbarem Charme und hoher theologischer Bildung verdeckt wird? Das Signal ist auf jeden Fall verheerend.
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