publiziert: 07.02.2012 19:23 Uhr
aktualisiert: 07.02.2012 19:26 Uhr
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Leitartikel: Hoffnungsträgerin eines ganzen Volkes

Myanmars Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi

Richtet meiner Schwester in Yangon Grüße aus!“ Mit Unverständnis reagieren wir als Touristen Mitte Januar 2012 in einem Straßencafé in Mawlamyaing, einer Küstenstadt weit in Myanmars Süden, auf diesen englischen Zuruf eines Einheimischen. Gut, wir reisen in ein paar Tagen zurück in die frühere Hauptstadt des südostasiatischen Landes. Aber woher sollen wir die Schwester des freundlichen Mannes kennen? Da schickt dieser erklärend hinterher: „Ich meine unsere Schwester Aung San Suu Kyi. Sie wird uns die Freiheit schenken!“

Die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ist die große demokratische Hoffnungsträgerin in jenem Staat, der früher einmal Birma hieß, bevor er von Militärherrschern in Myanmar umbenannt wurde. An Marktständen, in Geschäften, in Teestuben: Überall im Land hängen Anfang 2012 Porträtaufnahmen der Oppositionspolitikerin oder Zeitungsausschnitte, die sie gemeinsam mit US-Außenministerin Hillary Clinton bei deren Besuch Anfang Dezember 2011 zeigen. Die Erklärung der staatlichen Wahlkommission vom Beginn dieser Woche, die 66-Jährige dürfe im April bei Nachwahlen zum Parlament antreten, nährt nun auch im Ausland die Hoffnung auf demokratische Reformen in Myanmar.

Ein Blick in die jüngere Geschichte des Landes sowie die Lebensgeschichte Aung San Suu Kyis stimmt erst einmal wenig hoffnungsvoll. Das Land steht seit 1962 unter Militärherrschaft, den 2011 als ziviles Staatsoberhaupt eingesetzten Thein Sein, früher selbst General in der Armee, halten nicht Wenige für eine Marionette der wahren Herrscher. Seiner Amtsübernahme vorausgegangen war eine angeblich demokratische Wahl, die nach Ansicht von ausländischen Beobachtern jedoch von massiver Wahlfälschung und Einschüchterungen begleitet war. Aung San Suu Kyi stand per Gesetz bei dem Urnengang nicht zur Abstimmung: Ihre Oppositionspartei, die Nationale Liga für Demokratie (NLD), hätte sie auf Weisung der Militärregierung aus der von ihr geleiteten Organisation hinauswerfen müssen, um bei der Wahl antreten zu dürfen.

Aung San Suu Kyi, in Indien und England aufgewachsen und von 1969 bis 1971 UN-Mitarbeiterin in New York, kehrte erst 1988 in ihr Heimatland zurück und gründete wenig später die NLD. Mit der Begründung, die Oppositionspolitikerin gefährde die nationale Sicherheit, wurde sie von der Militärregierung Mitte 1989 erstmals unter Hausarrest gestellt. Ein Jahr später errang die NLD bei demokratischen Wahlen zwar einen Erdrutschsieg. Das Regime erklärte die Wahlen jedoch für ungültig, anschließende friedliche Studentenproteste wurden blutig niedergeschlagen. Aung San Suu Kyi, 1991 für ihren gewaltlosen Kampf für Demokratie mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, verbrachte die meiste Zeit bis zu ihrer Freilassung am 13. November 2010 in permanentem Hausarrest.

Die Wahlen im April werden nun zeigen, ob es Myanmars Herrschende diesmal wirklich ernst meinen mit ihrem bereits 2003 einmal angekündigten „Fahrplan zur Demokratie“. Dieser hatte zwar konkrete politische Schritte, aber keinerlei konkrete Termine enthalten. Zieht Aung San Suu Kyi wirklich ins Parlament ein, und – noch wichtiger – lassen die Herrschenden die Hoffnungsträgerin eines ganzen Volkes dann auch ins Parlament einziehen, wäre dies ein sehr gutes Zeichen.

Von THOMAS MEWIS thomas.mewis@mainpost.de
    
    

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