aktualisiert: 02.02.2012 19:13 Uhr
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Leitartikel: Weltpolizist mit neuer Strategie
USA sparen nur ein bisschen an Rüstungsausgaben
Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, der Niedergang des römischen Imperiums zog sich über Jahrhunderte hin. Die USA wurden vergleichsweise schnell zur Weltmacht, und schon wird spekuliert, ob angesichts neuer Akteure auf der globalen Bühne der Weltpolizist USA die Kraft verlöre, seines Amtes zu walten. Derlei Spekulationen setzt US-Präsident Barack Obama seine neue Militärstrategie entgegen.
Die US-Truppen in Europa räumen Kasernen wie die in Schweinfurt. Im Irak haben sie nach verlustreichen Jahren gleich ganz das „Feld“ geräumt, in Afghanistan soll dies 2014 geschehen. Die Weltmacht habe sich übernommen, jubilieren Kritiker der US-Politik, die Weltmacht sei auf dem Rückzug. Mitnichten. Der Riese holt Luft.
Das in seinen Ressourcen scheinbar unerschöpfliche Land ist erschöpft – militärisch weniger als wirtschaftlich. Die Kassen in Washington sind leer. Die Großmacht schiebt einen riesigen Schuldenberg vor sich her, und die US-Konjunktur will nicht in die Gänge kommen. Washington kann es sich nach zehn Jahren „Krieg gegen den Terror“ nicht mehr leisten, ganz so viel Geld für Soldaten und Rüstung zu verpulvern.
Zum ersten Mal seit dem 11. September 2001 muss ein Pentagon-Chef sparen. Bei teurem Material wie dem des Mehrzweck-Kampfjets F-35 und bei der Truppenstärke setzte Leon Panetta den Rotstift an. Vermutlich soll es künftig nur noch 490 000 Soldaten im Heer geben – 80 000 weniger als bisher.
Eine Vernachlässigung des US-Militärs ist das nicht. Die Strategie des Friedensnobelpreisträgers Barack Obama zielt auf eine absolute und globale Dominanz der USA. Nur mit anderen Mitteln. Die weltweite Interventionsfähigkeit soll mit kleineren und schneller in Krisenregionen verlegbaren Verbänden kostengünstiger bewerkstelligt werden. Die geheime Stationierung von Spezialtruppen und ein massiv ausgedehnter Einsatz von unbemannten Drohnen sollen eine entscheidende Rolle spielen. Das High-Tech-Arsenal wird aufgestockt, auch der Krieg im Cyberspace mit Attacken wie die auf das iranische Atomprogramm wird von US-Strategen systematisch vorbereitet.
Nach wie vor bläst die US-Politik mehr Geld in sein Militär als die nächsten 20 Staaten zusammen: Rund 700 Milliarden Dollar sind es offiziell, annähernd 900 Milliarden, wenn man jene Ausgaben addiert, die für Kriege über Nachtragshaushalte genehmigt wurden.
Das US-Militär bleibt also bis an die Zähne bewaffnet. Es wird weiterhin keine Mühe haben, an zwei und mehr Fronten gleichzeitig zu kämpfen, anderslautendes Gerede ist unsinnig. Der militärische Riese USA wird schlanker, aber schneller. Schon richtet er den Blick zornig auf neue Ziele: auf die Mullahs in Teheran und auf das Reich der Mitte. Durch die massive Aufrüstung der Chinesen sieht Washington langfristig seine Macht in Gefahr.
Die Neuorientierung der US-Militärpolitik ist nachvollziehbar – geostrategisch jedenfalls. Die Amerikaner wappnen sich, um nicht ins Hintertreffen zu gelangen wie die Legionen Roms im Teutoburger Wald. Allerdings zerbrach das Römische Reich nicht an einzelnen Niederlagen auf dem Schlachtfeld – sondern durch die Völkerwanderung, die Dekadenz seiner Eliten und soziale Spannungen im Inneren: Auf diesem Bein steht auch der amerikanische Riese nicht stabil.
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aithir (296 Kommentare) am 03.02.2012 12:53
Was soll denn das nur wieder sein,über die Gründe für den Untergang des römischen Reichs ist sich die Wissenschaft uneins, wobei gerade die angebliche Dekadenz der Eliten (Wie kommen sie denn bitte darauf, zu viel Westerwelle gelauscht oder rechtskonservativen Historikern auf den Leim gegangen) eine ziemlich schwache Behauptung ist. Es gab keine besonders dekandente Zeiten im römischen Reich und am Ende des römischen Westreichs war das Imperium christlich und wir alle wissen ja, daß Elitechristen damals, wenn sie nicht gerade Ungläubige verfolgten oder Bücher verbrannten, ziemliche Spaßbremsen waren und sich gerne damit ihre Zeit vertrieben ihre Vorwelt wie eine Meute Bestien darzustellen.Die Völkerwanderung mag gewisse Schwierigkeiten gebracht haben, aber sie war kein Grund das Westimperium fallen zu lassen, Auxiliartruppen und Legionen gab es genug, auch wenn das Westreich dem Ostreich in allen Belangen unterlegen war. Soziale Spannungen gab es zwar in gewissen Umfang, wobei diese ziemlich übertrieben werden. Diese Übertreibungen gehen auf das Konto christlicher Haßprediger, die auch schon zu Zeiten als das Christentum noch nicht Staatsreligion war so missionierten. In Zeiten, wo christliche Quellen vor Konstantin von Misswirtschaft berichten, gab es für römische Verhältnisse sehr wenige Aufstände und die Römer liebten Aufstände. Die Niederlage des Varus zu erwähnen ist ziemlich kindisch, die spielte über 400 Jahre später keine Rolle mehr und war lange gerächt. Auch die USA mit all ihren Spielzeugen hätte Probleme, wenn sie von führenden Offizieren verraten werden würde. Auch kann man die USA nicht mit Rom vergleichen, das römische Reich war ein Vielvölkerstaat unter römischer Vorherrschaft, wo Multikulti tatsächlich gelebt wurde und möglich war, solange man die Zugehörigkeit zum Imperium akzeptierte. Die USA ist nicht das Imperium Romanum, auch wenn es verlockend ist solch unpassende Vergleiche zu machen. Die Sitte dem Volk Getreide zu schenken ist eine alte antike Tradition, die man fast überall im Mittelmeer findet, es konnte ganz schön teuer werden, wenn ein hungriger Mob alle Händler in einer Stadt tötet und so ein Aufstand kann auch leicht zu einem riesigen Stadtbrand führen. (Wir erinnern uns, Nero brannte Rom nicht ab, sondern schuf als erster Herrscher eine stehende Feuerwehr in der Hauptstadt) |
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closs (1300 Kommentare) am 03.02.2012 16:11
Ne,von der Message fand ich den Artikel ausgesprochen gut - keine Nebentöne, keine Effets, keine instrumentalisierten Konnotationen. |
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closs (1300 Kommentare) am 03.02.2012 08:01
Sehen Sie,das war mal ein wirklich gut gemachter und interessanter Beitrag ohne penetrant durchscheinende Gesinnung. Weiter so. |
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engagierte Bürger Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr

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