WÜRZBURG

Gezeichnete Satire zum Konklave schmäht weder Glaube noch religiöse Überzeugungen

Verärgert“ über eine gezeichnete Satire zum Konklave (Meinungsseite, 13. März) haben sich Leser geäußert. „Wie können Sie in Mainfranken für uns Katholiken so berichten?“, fragt ein Mann, der die Zeichnung für „absolut unvereinbar mit Pressefreiheit“ hält. Die unflätige Bemerkung, mit der dieser Christ die Zeitung abbestellt, zitiere ich nicht.

Das Bild, mit dessen erneutem Abdruck ich nicht provozieren mag, zeigt auf dem Sofa vor dem Fernseher drei gut gestimmte Fans, angetan mit Mitras, päpstlicher Fahne oder Kardinalskleidung, dabei „Kon-klaa-ve! O-ho-ho-ho-ho!“ singend. Einer fragt die Hausfrau auf deren Weg zur Küche: „Hammwa noch Chips?“

Eine Leserin zu dieser Szene: „Sie können doch ein Konklave nicht mit einer Faschingsveranstaltung oder einem Sportereignis vergleichen“, denn jeder sollte den Glauben anderer Menschen achten und keine Witze machen. Das ist „Bild“-Zeitung, ärgert sich ein weiterer Leser.

Die Redaktion wollte aber keinen Witz machen. Sie hat die Stimmung der Menschen auf dem Petersplatz, wo unter Transparenten mit Landesfarben Public-Viewing-Dimensionen erreicht wurden, satirisch überspitzt gekennzeichnet. Darin steckt Kritik. Die muss man nicht teilen und auch die Darstellung nicht für gelungen halten. Sie ist aber Ausdruck von Pressefreiheit und ist auch Satire. Die erlaubt den Vergleich mit dem Verhalten bei einer Sport- oder Faschingsübertragung. Der bezieht sich kritisch auf ein bestimmtes Ereignis, schmäht deshalb weder den Glauben noch religiöse Überzeugungen, verstößt also nicht gegen den Kodex des Presserates (Ziffer 10).

Ich weiß nicht, wie die Mehrzahl der Leser über die Veröffentlichungen zum Wechsel im Papstamt denkt. Was ich aber kenne, sind auch Zuschriften, in denen diese Zeitung eine „Kirchenzeitung“ geheißen wird, wegen vieler Seiten mit Beiträgen zu Papst-Rücktritt und Konklave.

Für Journalisten geht es bei solchen Kritiken ums Eingemachte. Deshalb halte ich fest: Diese Zeitung erscheint in Mainfranken, ist aber keine Kirchenzeitung, auch dann nicht, wenn sie sich bemüht, vielen kirchlichen Ereignissen in dieser Region gerecht zu werden. Sie berichtet aber nicht nur für Katholiken. Und als unabhängiges Medium kann sie sich satirisch oder kritisch mit Religion und Kirche auseinandersetzen.

Diskussionen zur Papst-Berichterstattung müssen Journalisten auch andernorts führen. Dabei sollten wir uns glücklich schätzen, dass sich Religion und Pressefreiheit in unserer Demokratie nicht ausschließen. Das erfordert Toleranz und Kritikfähigkeit von jedem Einzelnen.

Leseranwalt
Leseranwalt Anton Sahlender.

Rückblick

  1. Berichtigungen: Je schneller, desto besser
  2. Ängste, die auch aus falschen Nachrichten entspringen
  3. Eine Meinung ist nicht mit Beweismitteln auf Richtigkeit zu überprüfen
  4. Ein überflüssiges Tatort-Foto
  5. Die nach einem Suizid gebotene Zurückhaltung aufgegeben
  6. Von Krachern und Fehlzündungen
  7. Falsche Fakten sollten auch in Nutzer-Kommentaren nicht verbreitet werden
  8. Vorbildliches Bekenntnis und verborgene Quelle
  9. "Die mutigsten Leute, die ich kenne"
  10. Nicht alle Senioren sind Rentner
  11. Es geht um die streitbare Form der Wahrheitssuche
  12. Der doppelte Olympiasieger blieb unbemerkt
  13. Ein Wunsch, der nicht in der Familie bleiben kann
  14. Ein guter Vorsatz für 2017: Mehr Quellenklarheit
  15. Eine Zeitung für Menschen, die noch an das Gute glauben
  16. Die Silvesternacht ist kein ausreichender Sachbezug
  17. Straftaten von Flüchtlingen werden zum Politikum
  18. Den Deutschen Presserat gibt es seit 60 Jahren
  19. Zu schön, um wahr zu sein
  20. Der missverständliche Samstagsbrief
  21. Viel Bild, wenig Aussage
  22. Verschämtes Bekenntnis zu einem acht Jahre alten Nahles-Interview
  23. Die Ausnahmen von der Regel
  24. Eine Frage des Geschmacks: "DrUSchn" als Kürzel für den Namen einer Frau
  25. Das fotografische Missverständnis mit den armen Kindern aus Schweinfurt
  26. Großer Bericht auf dem Zeitungstitel lässt an Zurückhaltung zweifeln
  27. Der Leseranwalt zieht in der Zeitung um
  28. Ergreifend und gut, aber mit einem Mangel
  29. Journalismus braucht immer öfter eine Packungsbeilage
  30. Zum Kickers-Fan will ich Herrn R. aus der Rhön nicht machen
  31. Gute und schlechte Nachrichten: Eine Frage der Perspektive
  32. Wird der Zustand der Welt zu schlecht eingeschätzt?
  33. Ein Gerücht, das skandalisiert
  34. Bekenner-Videos können zur Gefahr werden
  35. Nagelprobe für die Lokalzeitung: Wenn der Terror ganz nahe kommt
  36. Achtung: Menschen können auch mit verpixelten Gesichtern noch erkennbar bleiben
  37. Bei der Europameisterschaft eine Weltmeisterschaft übersehen
  38. Auch vor einer Namensnennung gilt: Im Zweifel für den Angeklagten
  39. Mustafis Einsatz als Tätowierer bei der Bischofskonferenz
  40. "Es ist schon alles gesagt, aber von uns noch nicht" - das sollte scheitern
  41. Die Reichweite von Lokalpatriotismus im Sportjournalismus
  42. Journalisten dürfen Ereignisse nicht aus den Augen verlieren
  43. Unangemessene Herabwürdigung in einer Überschrift
  44. Ein Kardinal geht in den Ruhestand, aber nicht in Rente
  45. Hate Slam: Wenn eine Zeitung von der anderen einen englischen Titel kopiert
  46. "Auch als Nichtakademiker möchte ich die Beiträge meiner Tageszeitung verstehen"
  47. Zulässige Satire für Sterbliche
  48. Der Nachrichtenfaktor Nähe
  49. Trügerische Überschrift
  50. Das Bekenntnis zu den Fehlern in der Zeitung

Themen

  • Leseranwalt
  • Papstwahlen
  • Pressefreiheit
  • Satire
Lädt

Zu „Meine Themen“ hinzufügen

anmelden

Zu „Meine Themen“ hinzufügen

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen
Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte zu sehen.

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!