publiziert: 23.02.2012 20:32 Uhr
aktualisiert: 24.02.2012 14:59 Uhr
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Wenn sich das Leben ins Internet verlagert

Soziale Netzwerke beeinflussen das Kommunikations- und Konsumverhalten
  • Leben 2.0
    Abbildung: Max Grob, Alex Kowalski
    Freunde, Surfen, Sex - um all das kann man sich heute vom PC aus kümmern. Wie das Internet und insbesondere soziale Netzwerke unseren Alltag beeinflussen, zeigen die drei Piktogramme von Kommunikationsdesign-Studenten der Fachhochschule Würzburg.
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Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ihnen läuft die Traumfrau oder der Traummann über den Weg. Sie machen mit Ihrem Smartphone ein Foto der Schönheit und laden es anschließend im Internet im sozialen Netzwerk Facebook hoch. Über die Funktion der automatischen Gesichtserkennung erhalten Sie weitere Informationen über die Person – und bilden sich daraufhin ein erstes Urteil: Das könnte etwas werden – oder eben nicht. Egal, wie man diese Begebenheit bewertet: Sie könnte sich schon heute so ereignen und ist ein Beispiel dafür, wie stark soziale Medien unser Kommunikationsverhalten beeinflussen und verändern.

Partnersuche, Freundschafspflege, Konsum – all diese Aspekte des Lebens sind mittlerweile bei vielen Menschen untrennbar mit dem Internet und insbesondere mit sozialen Netzwerken verbunden. Romantik per Mausklick scheint seit längerem auf dem Vormarsch zu sein: In Amerika hat sich bereits im Jahr 2008 jedes achte Hochzeitspaar über soziale Netzwerke kennengelernt, Tendenz steigend.

Auch bei Freundschaften nehmen Online-Netzwerke eine große Rolle ein: Noch nie sind wir mit so vielen Menschen gleichzeitig in Kontakt getreten, wie es seit dem Aufkommen von Facebook und Co. möglich ist.

Der Siegeszug des Internets und seiner Mitmach-Möglichkeiten für den Einzelnen vollzog sich innerhalb kürzester Zeit: Das Medium Radio brauchte 38 Jahre, um 50 Millionen Zuhörer zu erreichen, das Fernsehen nur noch 13, um auf dieselbe Anzahl von Zuschauern zu kommen. Das Internet benötigte lediglich vier Jahre, um 50 Millionen Nutzer in seinen Bann zu ziehen. Der Aufstieg der sozialen Netzwerke ging noch schneller vonstatten: Facebook zählte innerhalb von nur neun Monaten mehr als 100 Millionen Mitglieder. Wäre Facebook ein Land und seine Mitglieder Einwohner, dann wäre es nach China, Indien und den USA das viertgrößte der Erde.

Soziale Medien, über die Nutzer Texte, Fotos und Videos austauschen und zu denen Netzwerke wie Facebook und Twitter sowie Plattformen wie Youtube zählen, nehmen nicht nur Einfluss auf die private Kommunikation, sie eignen sich auch hervorragend zur professionellen Werbung in eigener Sache.

Der amerikanische Schauspieler Ashton Kutcher beispielsweise braucht keine klassischen Medien wie Fernsehen oder Zeitschriften mehr, um seine Fans zu erreichen: Dem 34-Jährigen folgen 9 570 545 Menschen auf der Kommunikationsplattform Twitter. Damit erzielt Kutcher, der dafür bekannt ist, auf Twitter sehr persönliche Einblicke in sein Leben zu geben, eine Werbereichweite, die mit konventionellen Methoden kaum realisierbar wäre. Ungeschlagene Twitter-Königin ist die amerikanische Sängerin Lady Gaga: Ihre Nachrichten haben 19 554 051 Fans abonniert. Selbst Politiker nutzen die Macht der sozialen Netzwerke: US-Präsident Barack Obama etwa bringt es auf 12 661 895 sogenannte „Follower“.

Nicht nur Personen, auch Unternehmen können in starkem Maß von der Beliebtheit sozialer Medien profitieren. 2010 gab der Musikfernsehsender MTV gemeinsam mit dem Autohersteller Volkswagen eine Studie in Auftrag, um herauszufinden, wie Jugendliche über soziale Netzwerke kommunizieren – und wie man sie als Unternehmen auf diesem Weg erreichen kann. Dabei wurden mehr als 26 000 Menschen zwischen 14 und 29 Jahren in zehn Ländern befragt (darunter zum Beispiel Deutschland und die USA).

Die Studie zeigt unter anderem, wie sehr Netzwerke unser Konsumverhalten beeinflussen: 43 Prozent der 14- bis 29-Jährigen veröffentlichen in mindestens einem Online-Netzwerk die Markennamen ihrer Lieblingsprodukte. 32 Prozent äußern ihre Sympathie für bestimmte Firmen oder Marken, indem sie auf Facebook den „Gefällt mir“-Knopf drücken oder die Nachrichten ihrer Lieblingsmarken auf Twitter abonniert haben. Welche Macht persönliche Empfehlungen haben, zeigen folgende Zahlen: 50 Prozent der Befragten verlassen sich beim Einkaufen stark auf Tipps von Freunden; 39 Prozent meinen, soziale Netzwerke eigneten sich, um Meinungen und Erfahrungen über Produkte und Dienstleistungen einzuholen.

Doch auf welchem Weg und über welche technischen Geräte kommen die Nachrichten an den Mann oder die Frau? Das Ergebnis: 61 Prozent der Jugendlichen waren der Meinung, dass ortsbezogene Informationsdienste auf mobilen, internettauglichen Geräten wie Smartphones oder Tablet-PCs, die den Nutzer auf Angebote in seiner Nähe aufmerksam machen, an Bedeutung gewinnen werden. Außerdem möchten die Jugendlichen am liebsten alle Unterhaltungsoptionen auf einem einzigen Gerät nutzen: Mobil, flexibel, unkompliziert – in diese Richtung scheinen sich die Kommunikationsvorlieben im Netz zu entwickeln.

„Ist die Nachricht wichtig, wird sie mich finden.“ So äußerte sich laut amerikanischer Tageszeitung „New York Times“ ein College-Student in einer Studie zur Mediennutzung junger Leute. Ersetzt man den Begriff „Nachricht“ durch „Beziehung“, „Freundschaft“ oder „Produkt“, so könnte es heißen: Wir suchen nicht länger nach alldem, sondern es kommt zu uns: über soziale Medien.

ONLINE-TIPP

Alle bisher erschienenen Folgen der Serie finden Sie im Internet unter: www.mainpost.de/leben2.0

Von unserem Redaktionsmitglied Stefan Pompetzki
    
    

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