publiziert: 09.04.2010 22:41 Uhr
aktualisiert: 19.06.2011 15:18 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text Selsingen (dpa)
Bewegende Trauerfeier für gefallene Soldaten

Bewegender Abschied von den im afghanischen Kundus gefallenen Soldaten: Eine Woche nach dem blutigen Karfreitag haben hunderte Soldaten, Regierungsvertreter und Angehörige den drei Fallschirmjägern die letzte Ehre erwiesen.

  • Trauerfeier in Selsingen
    Kanzlerin Merkel und Verteidigungsminister zu Guttenberg betreten die Kirche im niedersächsischen Selsingen.
  • Trauerfeier für getötete Soldaten
    Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und Verteidigungsminister zu Guttenberg (CSU) gehen in die St. Lamberti-Kirche zur Trauerfeier für die drei in Afghanistan getöteten Soldaten im niedersächsischen Selsingen.
  • Trauerfeier
    Die Trauergäste betreten die St.-Lamberti-Kirche in Selsingen.
  • Trauerfeier Merkel
    Kanzlerin Merkel verneigt sich vor dem Sarg eines der in Afghanistan getöteten Soldaten.
  • Ort der Trauerfeier
    Im niedersächsischen Selsingen fand die Trauerfeier statt.
  • Trauerfeier
    Bundeskanzlerin Merkel und Verteidigungsminister zu Guttenberg gedenken der drei getöteten Soldaten.
  • Trauerfeier für getötete Soldaten
    Soldaten stehen während der Trauerfeier für drei in Afghanistan getötete Soldaten neben einem der Särge.
  • Trauerfeier für getötete Soldaten
    Soldaten tragen nach der Trauerfeier die Särge aus der St. Lamberti-Kirche im niedersächsischen Selsingen.
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«Ich verneige mich vor ihnen. Deutschland verneigt sich vor ihnen», sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag bei der Trauerfeier im niedersächsischen Selsingen.

Die Kanzlerin stellte sich klar hinter den Afghanistan-Einsatz, räumte aber ein, dass er sich schwieriger gestalte als ursprünglich erwartet. Sie rief dazu auf, den Realitäten ins Auge zu sehen. Viele würden den Einsatz als Krieg bezeichnen, «und ich verstehe das gut», sagte Merkel. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wurde deutlicher und sprach erstmals ohne jegliche Umschweife und Einschränkungen von Krieg: «Was wir am Karfreitag bei Kundus erleben mussten, das bezeichnen die meisten verständlicherweise als Krieg - ich auch.»

Die drei 25, 28 und 35 Jahre alten Soldaten waren am Karfreitag beim Minensuchen mit rund 30 Kameraden in einen Hinterhalt geraten und im Kugelhagel der radikalislamischen Taliban gestorben. Damit sind inzwischen 39 Soldaten in Afghanistan ums Leben gekommen.

Parallel zum Gedenken ereigneten sich mehrere Angriffe auf die Bundeswehr in Kundus, bei denen aber niemand verletzt wurde. Zunächst wurde wenige Stunden vor der Trauerfeier auf einen Geländewagen der Bundeswehr ein Sprengstoffanschlag verübt. Zeitgleich zur Gedenkfeier wurde dann das Feldlager mit insgesamt sechs Raketen oder Granaten beschossen, wie die Bundeswehr am Abend im Internet mitteilte. Die Einschläge lagen alle etwa einen Kilometer außerhalb des Lagers.

Merkel nahm erstmals an einer Trauerfeier für gefallene Soldaten teil. Sie hatte sich dazu am Donnerstag kurzfristig entschlossen und ihren Osterurlaub dafür abgebrochen. Sie hatte aber 2007 an der Trauerfeier für in Afghanistan getötete Polizisten teilgenommen, von denen einer früher ihr Leibwächter gewesen war.

Die Zeremonie fand in der St. Lambertikirche in Selsingen ganz in der Nähe des Seedorfer Heimatstandorts der gefallenen Soldaten statt. Rund 600 Trauergäste konnten an dem eineinhalbstündigen Gottesdienst teilnehmen. Darunter waren auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und der Bundeswehr- Generalinspekteur Volker Wieker. Die drei Särge waren in schwarz-rot- goldene Fahnen gehüllt. Auf jedem lag ein Stahlhelm. Große Schwarz- Weiß-Fotos zeigten die Gefallenen.

Vor der Kirche verfolgen hunderte Trauernde die Zeremonie auf einer Leinwand - darunter viele Soldaten in Uniform. «Wir können nicht begreifen, was geschehen ist. Warum dieser Tod? Wir stehen hilflos da», sagte der katholische Militärdekan Hartmut Gremler. «Es ist uns schmerzhaft bewusstgeworden, wie hauchdünn die Wand vom Leben zum Tod ist.»

Merkel und Guttenberg würdigten den mutigen Einsatz der mehr als 4000 deutschen Soldaten in Afghanistan. Die Kanzlerin verzichtete erneut darauf, ein Abzugsdatum zu nennen. «Das jetzt zu tun wäre verantwortungslos.» Die Kanzlerin betonte aber, dass mit der neuen Afghanistan-Strategie die Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte vorbereitet werde. Die Bundesregierung stehe hinter dem Einsatz der Soldaten und Polizisten in Afghanistan. Afghanistan dürfe nie wieder von Taliban und Al-Kaida-Terroristen beherrscht werden.

Guttenberg sprach den Angehörigen wie auch Merkel sein tiefes Mitgefühl aus. «Mit ihnen trauern wir, trauert ein Land.» Die drei Soldaten hätten «überaus tapfer ihren Dienst in Afghanistan geleistet», sagte der Verteidigungsminister. Sie seien von denjenigen getötet worden, «denen ein Menschenleben nichts, rein gar nichts zählt».

Merkel will sich als Konsequenz aus dem blutigen Karfreitag offenbar stärker um den Einsatz der deutschen Soldaten kümmern. Die CDU-Chefin kündigte kurz vor der Trauerfeier überraschend einen Besuch des Einsatzführungskommandos in Potsdam an diesem Samstag an. Es handele sich um einen Informations- und Unterstützungsbesuch, der «eine direkte Folge der Ereignisse vom Karfreitag» sei, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans. Die Bundeskanzlerin habe sich «angesichts der Ereignisse und der offenbar ja auch zumindest teilweise neuen Qualitäten» der Lage in Afghanistan dazu entschlossen.

Von Potsdam aus werden alle Auslandseinsätze der Bundeswehr zentral gesteuert. Die Regierungschefin hatte das Einsatzführungskommando erstmals 2006 besucht. Verteidigungsminister Guttenberg wird sie nicht begleiten.

Das Linke-Vorstandsmitglied Christine Buchholz bezeichnete Merkels Teilnahme an der Trauerfeier als «heuchlerisch». «Die Bundeskanzlerin trägt die Verantwortung für den Tod der drei Soldaten», sagte Buchholz. «Denn sie schickte sie nach Afghanistan, obwohl sie wusste, dass sich die Sicherheitslage im Norden dramatisch verschlechtert hat.» Die CDU wies den Vorwurf als unverschämt zurück und forderte eine Entschuldigung.

Von Michael Fischer und Ruppert Mayr, dpa
    
    

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Die neuesten Kommentare

Kissinger99 (77 Kommentare) am 09.04.2010 21:50

Raus aus Afghanistan!

bacigalupo hat vollkommen recht in dieser Sache.

Da stellt sich die Bundeskanzlerin und ihr SELBSTverteidigungsminister hin und trauern um die gefallenen Soldaten.

Klar ist die Trauer der beiden echt, wie bei allen in diesem Lande, mir selbst standen die Tränen in den Augen als die Särge aus der Kirche getragen wurden.

Ich war selbst 10 Jahre lang Soldat, zum Glück in Friedenszeiten. Aber die Kanzlerin und alle Afghanistan-Einsatz-Befürworter sollten in sich gehen und traurig darüber sein dass sie es waren weoche die Soldaten dorthin geschickt haben.

Sie wurden dorthin geschickt um zu sterben und um Afghanen zu töten.

Nur die Partei "Die Linke" verlangt den sofortigen Abzug aller unserer Soldaten aus Afghanistan.

Selbst die Scheinpazifisten "Grünen", damals noch mit dem Steinewerfer Fischer an der Spitze haben die Soldaten dorthin geschickt.

Das Schlimmste an der Sache ist, das man dort gegen einen Feind kämpft den man jahrelang unterstützt hat, nämlich als die Sowjetunion dort fast 10 Jahre lang vor Ort war.

Damals wurde von den USA und auch von (West)Deutschland zum Beispiel ein gewisser Osama-Bin-Laden ausgebildet, ausgerüstet und dann auf die Russen gehetzt.

Davon will man heute scheinbar nichts mehr wissen. Sogar die Olympischern Spiele in Moskau wurden wegen Afghanistan boykottiert.

Und jetzt ist mal selbst dort und hat es mit dem gleichen Gegner zu tun. Und ist zu feige um zuzugeben dass man dort nichts, aber auch gar nichts positives erreichen kann.

Auch die Russen haben damals Schulen und Brunnen gebaut, Land an arme Bauern verteilt usw., ich selbst kenne persönlich Soldaten die damals dort gedient haben.

Aber nach fast 10 Jahren haben sie erkannt dass man in einem solchen Staat keinen "Sozialismus" einführten kann.

Die Russen haben damals nach eigenen Angaben ca. 13.000 Soldaten verloren, zuletzt wurden die "Mujahedin" (heute "Taliban") nur noch von Hubschraubern aus der Luft bekämpft (wie man das in dem albernen Rambo3 sehen kann).

Damals stand (West)Deutschland an der Seite der heutigen Taliban und jetzt jammert man herum.

Damals gab es noch keine (wirkliche) Opposition im Bundestag wie heute (Die Linke).

Man erinnere sich bitte an den Skandal im Bundestag als die Abgeordneten der Linken Plakate mit den Namen der Bundeswehr-Opfer bei dem Tanklaster-Angriff zeigten und daraufhin vom CDU-Bundestagspräsidenten Lammert des Raumes verwiesen wurden.

Kein deutscher Soldat hat in Afgahansitan etwas verloren, "Raus aus Afghanistan" ist der einzige richtige Weg.

Hätte "Die Linke" in unserem Staat mehr zu sagen, würden die 3 Soldaten heute noch leben und bei ihren Frauen, Eltern und Kindern sein.

Niemals wieder Krieg, egal wo!

 

 

 

 
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bacigalupo (369 Kommentare) am 09.04.2010 18:11

Krokodilstränen

Was erwartet denn Soldaten, die mit Waffengewalt in ein fremdes Land eindringen und dort zusammen mit ihren Freunden aus den sogenannten zivilisierten Ländern des Westens die Bevölkerung drangsalieren, anders als Gegengewalt dieser Bevölkerung? Da ist es doch zumindest heuchlerisch, wenn man jetzt trauernd vor den Särgen steht und Krokodilstränen vergißt für die Folgen der eigenen Politik. Kann man da Mitleid im eigenen Vok wirklich erwarten? Wofür denn? Mitleid kann man allenfalls mit dem von uns gequälten afghanischen Volk aufbringen, für die tapferen Kämpfer für die Freiheit dieses Landes, auch und gerade für die Taliban. Nein, es gibt nur einen Weg für eine Zukunft dieses Landes Afghanistan. Sofort raus dort und die Afghanen selbst entscheiden lassen. Mehr als das jetzt von uns und den Soldaten erzeugte Chaos wird es kaum geben können.
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