aktualisiert: 14.10.2009 18:47 Uhr
Text
Text
Berlin
Debatte über schulfrei an Muslim-Feiertag
Schulfrei für alle Kinder an einem muslimischen Feiertag? Ein Vorstoß der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD) stieß am Dienstag überwiegend auf Ablehnung. Der Zentralrat der Muslime, Politiker und Kirchenvertreter sprachen sich dagegen aus.
Der Zentralrat der Juden zeigte dagegen Sympathie für den Vorschlag und regte seinerseits schulfrei auch an einem jüdischen Feiertag an.
Der TGD-Bundesvorsitzende Kenan Kolat hatte die Debatte angestoßen und etwa das Zuckerfest zum Ende des Fastenmonats Ramadan ins Gespräch gebracht. «Ich fände es gut», sagte Kolat der «Berliner Zeitung» (Dienstag). Dies solle ausdrücklich auch für Kinder mit anderer Religion gelten. «Das wäre ein Zeichen der Toleranz.» In Deutschland leben zwischen 3,8 und 4,3 Millionen Muslime, was einem Anteil von rund 5 Prozent an der Gesamtbevölkerung entspricht.
Der Deutschen Presse-Agentur dpa sagte Kolat am Dienstagabend, ihm gehe es um einen Tag der Muslime in Deutschland. «Das hat etwas mit einer Möglichkeit von Anerkennung zu tun.» Er wolle sich gar nicht festlegen, ob dieser Tag auf eines der muslimischen Feste oder auf ein Wochenende fallen soll oder als gesetzlicher Feiertag festgeschrieben werden soll. «Die Diskussion um einen muslimischen Feiertag ja nicht neu.» Deshalb zeigte er sich überrascht von den heftigen Reaktionen.
Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa in Köln: «Ich sehe keine Veranlassung, aus diesem Tag einen generell schulfreien oder arbeitsfreien Feiertag für alle zu machen.» Er begrüßte die bereits gängige Praxis, dass muslimische Schüler an ihren Feiertagen nicht in die Schule kommen müssen. Dies funktioniere vor allem in Großstädten gut und unbürokratisch.
Der Zentralrat der Juden fordert auch an einem jüdischen Feiertag schulfrei und schlug dafür den Versöhungstag «Jom Kippur» vor. Gleichzeitig sprach sich Generalsekretär Stephan Kramer in der Zeitung «Die Welt» (Mittwoch) auch für einen islamischen Feiertag aus. Das zeige Respekt und Toleranz der Gesellschaft gegenüber einer anderen Religion.
Der Paritätische Wohlfahrtsverband, unter dessen Dach zahlreiche Migrantenorganisationen versammelt sind, erteilte Kolats Vorstoß eine Absage. «Davon halte ich gar nichts. Das würde andere Religionen nur vor den Kopf stoßen. Wir haben Buddhisten, Hinduisten - wir können doch nicht für jede Gruppe einen Feiertag einführen», sagte die Vorsitzende Heidi Merk der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Mittwoch).
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, sagte der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ/Mittwoch), es gebe einen «Vorrang für christliche Feiertage in der Kultur unseres Landes». Darüber bestehe ein breiter Konsens. Die Feiertagskultur beruhe auf einer Jahrtausende langen christlichen Prägung Deutschlands.
Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet (CDU) sagte der FAZ, in der Integrationspolitik gehe es um wichtigere Fragen. «Wir müssen Bildungs- und Aufstiegschancen und Deutschkenntnisse für Zuwandererkinder verbessern, statt neue Feiertage einzuführen.» Die bayerische Sozialministerin Christine Hadertauer (CSU) betonte: «Bei uns gilt die christlich-abendländische Kultur, und das soll auch so bleiben.» Diese Identität dürfe nicht «unter dem Deckmantel falsch verstandener Toleranz» verwässert werden.
Unterstützung für Kolat kam dagegen vom Grünen-Abgeordneten Hans- Christian Ströbele. «Über einen muslimischen Feiertag sollte man nachdenken», sagte der Politiker, in dessen Berliner Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg viele türkische Migranten leben. Auch der Türkische Bund Berlin-Brandenburg sprach sich für einen muslimischen Feiertag aus, weil die Zahl der Muslime in Deutschland so hoch sei.
Diesen Artikel
»Alle 9 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare
|
elau (201 Kommentare) am 14.10.2009 13:01
LachnummerIn vielen moslemischen Ländern werden Christen an der Ausübung ihrer Religion gehindert oder sogar verfolgt und umgebracht und wir sollen hier bei uns sogar ihre Feiertage einführen??????? |
(0)
|
|
joeblacky (2 Kommentare) am 14.10.2009 12:37
Trennung Kirche/StaatTrennt endlich die Kirche(egal welche) wirklich vom Staat.Keinen Unterricht jeglicher Art von Religion in den Schulen. Die Glaubensbrüder sollen den Unterricht in Ihren Räumen zu Ihrer Zeit mit Ihren Lehrern veranstalten. Dann wäre Zeit für wichtige Dinge in den Schulen. |
(0)
|
|
Kadda (68 Kommentare) am 14.10.2009 09:55
Wo führt das hin???Ich habe überhaupt gar nix gegen Ausländer. Aber ich finde wir sind hier in Deutschland und nicht in der Türkei. Ich finde, dass hier Moscheen stehen ist schon eine sehr große Toleranz. Ein Deutscher Christ käme wohl nicht auf die Idee in der Türkei eine Kirche bauen zu wollen. Und wenn sich Muslime beschließen in Deutschland zu leben, dann müssen sie sich auch an Deutschland und an die Feiertage anpassen und nicht mit eigenen daher kommen! |
(0)
|
|
thomaskerstin (16 Kommentare) am 14.10.2009 08:40
FrechheitAllein schon der Vorschlag, einen muslimischen Feiertag in Deutschland einzuführen ist eine bodenlose Frechheit! Als nächstens kommen sie dann daher und wollen eine Ramadan-Pflicht für alle ! Also sehr geehrte Volksvertreter: handelt im Interesse Eurer Wähler und lasst solche Diskussionen erst gar nicht zu! |
(0)
|
|
stoertebeker (746 Kommentare) am 14.10.2009 07:27
Es reichtWarum sollen wir uns anderen anpassen ? Wir sind hier im christlichen Abendland und hoffentlich bleibt das auch so.Die Muslime würden nie auf die Idee kommen,einen christlichen Feiertag einzuführen.Mir reichen schon die hier stehenden Moscheen.Sonst kommen auch noch andere Glaubensgemeinschaften auf die Idee einen Feiertag zu fordern... |
(0)
|
Gelesen
Kommentiert
|
|
MÜNCHEN Schweiz straft BMW ab |
|
|
NEW YORK/LONDON/WIEN (dpa-AFX) Ölpreise leicht erholt - WTI handelt wieder stabil über 90 Dollar |
Zeichen setzen
engagierte Bürger Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr

Wetter
