aktualisiert: 16.06.2009 21:24 Uhr
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BERLIN
General rüffelt die Bundeswehr
„Soldaten jammern auf hohem Niveau“
(dpa) Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan hat in seltener Offenheit den inneren Zustand der Bundeswehr kritisiert. Er beklagte ein mangelhaftes Verantwortungsbewusstsein von Soldaten für den Staat und schwere Kommunikationsprobleme innerhalb der Bundeswehr. Der Vier-Sterne-General stellte unter anderem die Frage, ob die richtigen Leute „Spieß und Chef“ sind.
Bei einer Veranstaltung des Bundeswehrverbandes sagte Schneiderhahn in Berlin, viele Soldaten „jammern auf hohem Niveau“. Die Bundeswehr müsse darauf achten, dass Kommunikation eine Schlüsselkompetenz sei. Es gebe so viele Zuständigkeiten, dass sich „keiner mehr so richtig zuständig fühlt“.
Kein „Rundum-Wohlfühlangebot“
Schon davor hatte er beim Empfang des Wehrbeauftragten des Bundestags, Reinhold Robbe, vor mehreren Hundert Gästen eine Haltung von Soldaten beklagt, dass sie dem Land nur dienen wollten, wenn ein „Rundum-Wohlfühlangebot mit Erfolgserlebnis“ garantiert werde. Die Bereitstellung ungeeigneter Schlafsäcke im Kongo-Einsatz etwa sei womöglich von medialem Interesse, sollte aber „keine parlamentarische Betroffenheit auslösen“.
Einem Berufssoldaten, der sich über den dritten Auslandseinsatz beklage, solle man deutlich sagen, dass es keine Abhilfe geben werde – denn das sei sein Beruf. Politiker und Institutionen eröffneten aber Soldaten ein „Überangebot“ an Problemlösungen und so einen „Fluchtweg aus eigener Verantwortung“.
Der Deutsche Bundeswehrverband, die größte Vertretung der Soldaten, veranstaltet einmal im Jahr das sogenannte Parlament der Wehrpflichtigen. Rund 50 delegierte Wehrdienstleistende aus allen Bundesländern diskutieren mit Politikern und Generälen. Mehrere Wehrpflichtige beklagten dabei, die Bundesregierung könne den Sinn des Afghanistan-Einsatzes nicht vermitteln. Es sei „erbärmlich“, dass sie die Soldaten nur mit Geld dafür motivieren könne.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) sagte: „Wir müssen die Risiken an den Quellen beseitigen, bevor sie in größeren Dimensionen Deutschland erreichen. Das müssen wir noch mehr vermitteln.“ Der Minister warb um mehr Unterstützung der deutschen Bevölkerung für die Militärmission.
Wehrbeauftragter Robbe sagte, die Soldaten wünschten sich „nichts sehnlicher“ als die Würdigung ihrer Leistung in der Bevölkerung. Er berichtete, noch nie habe er die Situation in dem Einsatz am Hindukusch „so schlimm erlebt“ wie jüngt bei seinem Besuch der Soldaten im nordafghanischen Kundus. Die meist blutjungen Soldaten hätten ihm gesagt: „Wir bauen hier im Moment keine Brücken und bohren keine Brunnen. Herr Wehrbeauftragter, wir befinden uns hier im Krieg.“
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