aktualisiert: 09.11.2008 21:12 Uhr
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Unterm Strich: Fiasko beim Fiskus
Ein wunderlicher Bürokraten-Akt enthüllt jetzt, was keiner zu denken gewagt hätte: In Deutschlands Ämtern und Behörden – von denen man dachte, sie seien ein Hort deutscher Tugenden – geht es völlig konfus zu. Daten werden schlampig verwaltet, In- und Ausländer verwechselt, es herrscht grobe Unkenntnis darüber, wo Deutschland anfängt und aufhört. Dies alles enthüllt die Pannenserie bei der Zuteilung der persönlichen Steuernummer, die jeder Bundesbürger jetzt von Geburt an bekommt. Wegen veralteter Meldedaten konnten aber Tausende von Steuernummern noch gar nicht versandt werden. Dirk Kraska aus Celle musste mit 48 Jahren erfahren, dass er angeblich bei seiner Geburt Solonin hieß und aus dem Libanon stamme – kein Wort davon stimmt. Der Rentner William Jung wurde in „Hamburg, Kasachstan“ geboren. Eine Elfjährige wird als Russin und bereits verheiratet geführt. Und Claudia S. erfuhr durch die Benachrichtigung in Würzburg, was wir – Grundgesetz hin oder her – schon lange vermutet hatten: Für den Fiskus war die DDR Ausland. So steht es in ihrem Bescheid, der als Geburtsort Dresden in Mecklenburg-Vorpommern (!) vermerkt. Auch Vertriebene aus einstigen deutschen Ostgebieten sind empört: Ihr Herkunftsland lautet Polen oder Russland – und nicht Deutschland. Sogar von Verstorbenen will der klamme Fiskus kassieren, wie der Fall von Waltraud Schäfer aus Bonn zeigt: Auch sie bekam jetzt eine neue Steuernummer – obwohl sie seit zwölf Jahren tot ist.
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