publiziert: 29.09.2010 19:11 Uhr
aktualisiert: 29.09.2010 19:25 Uhr
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„Geld kann die Verletzungen nicht heilen“

Klaus Laubenthal, Missbrauchsbeauftragter der Diözese Würzburg, über Aufarbeitung und den Wusch nach Gerechtigkeit

Als Ansprechpartner der Diözese Würzburg für sexuellen Missbrauch hat Klaus Laubenthal mit vielen Betroffenen Kontakt. Laut dem 55 Jahre alten Juraprofessor und Richter am Oberlandesgericht Bamberg sind alle strafrechtlichen Ermittlungen gegen Geistliche der Diözese eingestellt. Kircheninterne Untersuchungen laufen noch.

Frage: 55 Betroffene haben Ihnen in den vergangenen Monaten von sexuellem Missbrauch berichtet. Nur in sechs Fällen wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Wie weit sind die Ermittlungen?

Klaus Laubenthal: Die Ermittlungen sind in allen Fällen eingestellt worden, insbesondere, weil die vorgeworfenen Taten verjährt sind. Dass von den mir gemeldeten Vorwürfen nur in sechs Fällen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen stattfanden, liegt zum einen daran, dass rund ein Viertel der Betroffenen keine Anzeige wollte. In einem weiteren Viertel der Fälle gehörten die Beschuldigten nicht zur Diözese Würzburg, und ein großer Teil der beschuldigten Personen ist bereits verstorben.

Für die Betroffenen ist die Einstellung entmutigend. Sind die Fälle damit abgeschlossen?

Laubenthal: Nein. Denn neben dem strafrechtlichen gibt es das kirchrechtliche Verfahren. In kirchenrechtlichen Voruntersuchungen beschäftigen sich Kirchenrechtler mit den Vorwürfen gegen Kleriker. Bestätigen ihre Untersuchungen den Verdacht sexuellen Missbrauchs, informiert der Diözesanbischof gemäß der Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz den Apostolischen Stuhl in Rom. Dieser entscheidet dann, wie weiter vorzugehen ist.

Wie laufen die Untersuchungen in der Diözese Würzburg?

Laubenthal: In einigen, wenigen Fällen haben die Beschuldigten die Taten eingeräumt. Einzelne Anschuldigungen haben sich als falsch herausgestellt. In weiteren Fällen wird noch untersucht, wobei es auch solche gibt, die offen bleiben werden.

Von dem Ergebnis der kircheninternen Untersuchungen wird abhängen, inwieweit die Opfer von der Kirche entschädigt werden. Ist eine finanzielle Entschädigung Ihrer Meinung nach wichtig?

Laubenthal: Nur einer geringen Anzahl von den Betroffenen, die sich an mich gewandt haben, geht es auch um Geld. Bei den meisten war die Offenbarung ihrer Erlebnisse eher ein Teil der persönlichen Aufarbeitung beziehungsweise der Wunsch, dass der Sache nachgegangen wird. Sie haben sich vor allem Gerechtigkeit gewünscht.

Wenn aber Unrecht strafrechtlich nicht gesühnt werden kann, bleibt nur eine Entschädigungszahlung. Ist Geld das geeignete Mittel, um Unrecht einzuräumen und Schuld anzuerkennen?

Laubenthal: Eine finanzielle Entschädigung ist für die Opfer vor allem eine Anerkennung des erlittenen Unrechts. Deshalb bedeutet sie eine symbolische Anerkennung des Opferseins. Erlittene Verletzungen wird man damit nicht heilen können. Die Entschädigung ist aber nur ein Faktor. Wichtig ist es auch, die Opfer zu betreuen und ihnen therapeutische Hilfe anzubieten.

Gehört die Betreuung zu Ihren Aufgaben?

Laubenthal: Ich stehe mit den Betroffenen, die das wünschen, in Kontakt und informiere sie darüber, wie es weitergeht.

Diskutiert wird momentan vor allem über die Höhe der Entschädigung, die die Kirche anerkannten Opfern zahlen soll. Im Gespräch sind Summen zwischen 5000 und 80 000 Euro. Wie ist Ihre Haltung dazu?

Laubenthal: Ich denke, die Höhe wird von den Opfern je nach ihrer persönlichen finanziellen Situation unterschiedlich beurteilt. Allerdings ist nur eine Festlegung auf eine pauschale Summe sinnvoll, denn die Intensität von Tathandlung und deren Folgen lassen sich kaum jedem Einzelfall gerecht werdend finanziell bemessen.

Das Gespräch führte MANUELA GÖBEL
    
    

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