publiziert: 26.07.2011 19:23 Uhr
aktualisiert: 26.07.2011 19:28 Uhr
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„Priesterweihe auch für Homosexuelle“

Wunibald Müller fordert mehr Offenheit

(cj) „Homosexuelles Verhalten ist für die katholische Kirche wie jedes sexuelle Verhalten außerhalb der Ehe eine Sünde“, informiert Wunibald Müller, Theologe, Psychotherapeut und Leiter des Recollectio-Hauses in der Abtei Münsterschwarzach. Joseph Ratzinger hat 2003 die Lehrmeinung der katholischen Kirche in seiner Zeit als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre so formuliert: „Die Ehe ist heilig, während die homosexuellen Beziehungen gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen.“ Und, „homosexuelle Praktiken gehören zu den Sünden, die schwer gegen die Keuschheit verstoßen“. Auch als Papst bleibt er dabei. Würzburgs Bischof Friedhelm Hofmann war trotz mehrmaliger Nachfrage für ein Statement nicht erreichbar.

Mangelndes Verständnis

Müller plädiert dafür, aus dieser kirchlichen Bewertung nicht den Schluss zu ziehen, „dass homosexuelle Menschen weniger wertvoll und weniger liebenswert sind als heterosexuelle“. Im Recollectio-Haus, in dem erschöpfte und ausgebrannte Priester Hilfe finden, führt er auch Gespräche mit homosexuellen Geistlichen: über ihre Ängste und Nöte, über mangelndes Verständnis und mangelnde Wertschätzung durch die Kirche.

Für diese homosexuellen Priester sei es wichtig, sich unabhängig von der moralischen Wertung ihrer sexuellen Orientierung durch ihre Kirche als von Gott geliebte Söhne zu sehen und zu erleben, so Müller. Wenn jemand klar erkannt hat, dass er homosexuell ist und diese Seite von sich integriert und angenommen hat, und über alle die Fähigkeiten verfügt, die auch für einem heterosexuellen Priesteramtskandidat Voraussetzung dafür sind, dass er zum Priester geweiht wird, dann steht laut Müller einer Priesterweihe nichts entgegen.

„Restriktive Verbote“

Homosexuelle dürften nicht zum Priester geweiht werden, fordert der Papst mit Nachdruck. „Was ist denn das für eine Botschaft gegenüber den vielen homosexuellen Priestern, die wir haben? In der Mehrzahl sind Homosexuelle doch ausgezeichnete Priester, auf die wir in der Kirche gar nicht verzichten können“, sagt Müller dazu. „Durch restriktive Verbote entsteht keine Offenheit. Offenheit würde der Kirche jedoch sehr guttun.“ Der homosexuelle Theologe David Berger hat sich zu dieser Offenheit entschlossen. Am 31. Juli spricht er im WuF-Zentrum Würzburg über „Homosexualität und Kirche – der heilige Schein“.

• Interview mit David Berger Seite 8
    
    

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