publiziert: 04.03.2011 19:05 Uhr
aktualisiert: 04.03.2011 19:52 Uhr
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Haben Frauen wirklich ein kleines Gehirn?

Frauen können nicht einparken, haben ein kleines Gehirn und bekommen 1,36 Kinder. Stimmt's? Was Biologie und Statistik über das weibliche Geschlecht verraten: eine Sammlung von Daten, Fakten und Klischees - rechtzeitig zum Jubiläum "100 Jahre Frauentag".

Gott schuf zuerst Adam und dann Eva aus seiner Rippe. Oder nicht? Wenn es nach modernen Gen-Analysen geht, war zuerst das Weib. Denn das X-Chromosom, das Frauen im Erbgut bekanntlich zwei Mal haben, ist älter als das männliche Y-Chromosom. Und genetisch ist der Mensch ja grundsätzlich weiblich angelegt, benötigt doch auch der Mann die Erbinformation eines weiblichen X. Was weiß die Wissenschaft sonst über das vermeintlich schwache Geschlecht? Frauen verbrauchen in ihrem Leben 2,7 Kilogramm Lippenstift und reden wirklich mehr als Männer. Zumindest ein wenig. Sie kommen durchschnittlich auf 16 215 Wörter pro Tag, Männer sollen nur 15 669 Wörter sprechen. Aber selbst Sigmund Freud blieb das weibliche Geschlecht Zeit seines Lebens ein Rätsel: „Die große Frage, die ich trotz meines 30-jährigen Studiums der weiblichen Seele nicht zu beantworten vermag, lautet: Was will eine Frau eigentlich?“ Bemühen wir also ein wenig die Statistik und Fakten der Biologie.

Deutschland ist weiblich

Der größere Teil der Bevölkerung unseres Landes ist weiblich: 51 Prozent der 82 Millionen Menschen, die in Deutschland leben, sind Mädchen und Frauen. Das Geschlechterverhältnis glich sich in den vergangenen Jahren immer mehr an: Vor 50 Jahren, in der Nachkriegszeit, standen 1000 Männern noch 1127 Frauen gegenüber, jetzt sind es 1044.

Die mütterliche Seite

Bei der Geburt ihres ersten Kindes sind die Frauen in Deutschland durchschnittlich 29 Jahre alt. Die Babys in den neuen Bundesländern haben jüngere Mütter: Laut Statistischem Bundesamt sind sie bei der ersten Geburt 27 Jahre – also zwei Jahre jünger als im Westen. Nicht verheiratete Frauen bekommen ihr erstes Kind übrigens früher als verheiratete: in den alten Bundesländern durchschnittlich 2,5 Jahre, in den neuen Ländern knapp drei Jahre früher. Und wie viele Kinder bekommt die deutsche Durchschnittsfrau? Gegenwärtig 1,36.

Einmal wiegen, bitte

Die Frauen in Deutschland sind weniger dick als die Männer. 41 Prozent der erwachsenen Frauen (und 58 Prozent der Männer) gelten nach den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation WHO als übergewichtig. Stark übergewichtig sind zwölf Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer.

Das Alter

Wie alt wird die Frau? Ein heute geborenes Mädchen hat eine Lebenserwartung von über 81 Jahren.

Von Singles und Ehefrauen

Wie gebunden ist frau? Der Anteil der Ledigen ist bei den Frauen deutlich niedriger als bei den Männern: 37 Prozent der Frauen und mehr als 45 Prozent der Männer sind Singles. Dagegen ist der Anteil verwitweter Frauen mit zwölf Prozent deutlich höher als der verwitweten Männer mit drei Prozent. Das durchschnittliche Heiratsalter lediger Frauen ist in den vergangenen Jahren gestiegen: Jetzt geben die Frauen erst im Alter von 29,4 Jahren ihrem Auserwählten das Jawort. Mitte der 90er Jahre waren sie beim Gang aufs Standesamt durchschnittlich 27,1 Jahre alt.

Im Krankenstand

Laut Statistik sind Frauen häufiger krank als Männer – und werden insgesamt häufiger als Männer stationär im Krankenhaus behandelt. Häufigster Grund für den Klinikaufenthalt: die ganz normale Entbindung. Dann folgen Brustkrebs, Herzmuskelschwäche und Gallensteine. Übrigens: Je besser die Wirtschaft läuft, desto häufiger fehlen Arbeitnehmer im Job. Frauen fehlten beispielsweise im ersten Quartal 2010 laut Bundesgesundheitsministerium mit 3,85 Prozent der Sollarbeitszeit deutlich häufiger als Männer mit 3,49 Prozent. Eine Ursache für diese Diskrepanz nennt die Statistik leider nicht.

Eine haarige Sache

Dass viele Männer eine Glatze bekommen, liegt mit an ihren Geschlechtshormonen. Frauen verlieren auch deswegen weniger Haare, weil ihre Haarwurzeln zwei Millimeter tiefer sitzen und das Haar fester verankert ist. Dafür ist die körperliche Leistungskraft von untrainierten Frauen geringer als die von untrainierten Männern. Das liegt an der schwächeren Muskulatur, dem zierlicheren Knochenbau und dem kleineren Herzen. Denn obwohl das Herz der Frauen im Mittel schneller schlägt – 90 Mal pro Minute, bei Männern 75 Mal –, pumpt es weniger Blut in die Lunge.

Die Haut – gefaltet und gefettet

Frauenhaut ist anders gebaut: Sie bekommt früher Falten, weil sie 0,15 Millimeter dünner als beim Mann ist und weniger Schweiß- und Talgdrüsen hat. Für Schwangerschaften muss die Haut äußerst dehnbar sein, deshalb stehen bei Frauen die Fettzellen parallel zueinander. Beim Mann sind die Fettzellen kreuzweise vernetzt und halten das Gewebe fest. Nachteil fürs weibliche Geschlecht: Cellulitis.

Sinn und Sinnlichkeit

Die höhere Sensibilität der weiblichen Sinnesorgane ist wissenschaftlich kaum umstritten. Frauen unterscheiden mehr Farb-nuancen, reagieren sensibler auf Gerüche und Geräusche und schmecken Bitteres deutlich heraus. Männer dagegen reagieren empfindsamer auf alles Salzige.

Ein Blick ins Hirn

Durchschnittlich wiegt das Gehirn einer erwachsenen Frau 1245 Gramm, das eines erwachsenen Mannes 1375 Gramm. Aber nein, das Gewicht kann nicht in direkten Zusammenhang zur männlichen und weiblichen Geistesart oder Intelligenz gesetzt werden. Es ist vielmehr eine unmittelbare Folge der unterschiedlichen Körpergrößen von Mann und Frau. Die Großhirnrinde enthält bei der Frau etwa 19 Milliarden Nervenzellen, beim Mann etwa 23 Milliarden.

Achtung Vorfahrt!

Das Unfallrisiko von Frauen im Verkehr ist geringer als das von Männern. Im Jahr 2004 waren 43 Prozent aller Verunglückten, 43 Prozent aller Verletzten und 27 Prozent aller im Straßenverkehr Getöteten weiblichen Geschlechts. Und, man beachte: In den Altersgruppen ab 35 Jahren nimmt der Anteil der Frauen als Hauptverursacher der Autounfälle mit Personenschaden ab – von 40 auf 25 Prozent.

Apropos Auto

Eine Umfrage der Sachverständigenorganisation Dekra bestätigt das Klischee: Frauen legen weniger Wert auf die Fahrzeugpflege. 39 Prozent der Männer waschen ihr Auto wöchentlich oder zumindest alle zwei Wochen, aber nur 21 Prozent der Frauen. 35 Prozent der Autofahrerinnen reinigen ihr Fahrzeug lieber „nach Bedarf“. Und wenn Wäsche, dann nicht von Hand: 73 Prozent der Frauen halten an einer Waschanlage, bei den Männern sind es nur 63 Prozent.

Da war was mit dem Einparken

Und was ist dran am Klischee-Klassiker, dass Frauen schlecht einparken können? Dazu so viel: Während der Menstruation können Frauen wunderbar einparken. Dann nämlich haben sie – des niedrigeren Östrogenspiegels wegen – ein räumliches Wahrnehmungsverhalten ähnlich wie Männer. Überhaupt sind die meisten Denkprozesse bei beiden Geschlechtern ähnlich gut. Zu den wenigen kleinen Geschlechtsunterschieden zählt laut Biopsychologen das dreidimensionale Denken, bei dem der Mann einen Vorteil hat. Die Frau findet dagegen schneller Worte für eine bestimmte grammatikalische Konstruktion.

Was Frauen arbeiten

Nur in vergleichsweise wenigen Berufen – etwa bei Versicherungs- oder Bankfachleuten – waren im Jahr 2009 anteilig annähernd gleich viele Männer wie Frauen tätig. Fast nur von Frauen ausgeübt werden die Berufe Kosmetiker, Erzieher oder Altenpfleger. Entsprechend gering ist die Zahl der Maurerinnen, Elektrikerinnen oder Berufskraftfahrerinnen. Bei Ärzten, Rechtsanwälten oder Wirtschaftswissenschaftlern – also Berufen mit Studium – holen die Frauen inzwischen zahlenmäßig ziemlich auf.

Von Handtaschen und Hobbys

Die meisten Männer haben es geahnt, nun haben Wirtschaftspsychologen auch statistisch belegt: Frauen verbringen 76 Tage ihres Lebens damit, in ihrer Handtasche zu kramen. Außerdem ist Folgendes gezählt: 3,2 Jahre lang stehen Frauen in der Küche, Männer dagegen nur 1,5 Jahre. Sie verbringen dafür mehr Zeit mit ihren Hobbys: Fußball, der Modelleisenbahn und anderen Spielereien widmen sie angeblich 380 Tage des Lebens, während sich Frauen nur 152 Tage Zeit fürs Hobby nehmen.

Essen & Trinken

Die Nationale Verkehrsstudie II des Max-Rubner-Bundesforschungsinstituts hat belegt, dass Männer gerne Fleisch und Wurst essen, nämlich im Durchschnitt täglich 100 Gramm. Frauen kommen auf die Hälfte. Dafür haben sie beim Obstkonsum die Nase vorne: Mit durchschnittlich drei Stück Apfel, Birne oder sonstigen Früchtchen sorgen Frauen für eine stattliche Vitaminbilanz. Männer haben bei zwei Stück Obst mehr als genug, trinken dafür viermal so viel Alkohol wie Frauen, vor allem in Form von Bier. Frauen sind Wein und Sekt nicht abgeneigt.

Vertrauenssache

Die meisten Deutschen verraten – so eine repräsentative Emnid-Umfrage – ihre Geheimnisse dem eigenen Partner. Allerdings vertrauen Frauen den Männern etwas weniger: Während 56 Prozent der männlichen Befragten heikle Dinge ihrer Partnerin verraten, wenden sich nur 47 Prozent der Frauen vertrauensvoll an ihre „bessere Hälfte“. Fast jede dritte Frau zieht lieber den besten Freund oder die beste Freundin ins Vertrauen.

Im Schuhschrank

Bleibt die Schuhfrage. Wie viele Paar hat frau nun im Schrank? Das Gewis-Institut hat in einer Umfrage unter 1000 Frauen ermittelt, dass 38 Prozent zwischen zehn und 25 Paar Schuhe besitzen, 45 Prozent der Frauen gar mehr als 25 Paar. 17 Prozent kommen mit zehn Paar aus. Das Marplan-Institut ist da etwas zurückhaltender: Laut seiner Umfrage besitzen Frauen im Durchschnitt 13,1 Paar Schuhe, Männer 8,1. Spitzenreiterinnen im Schuhbesitz sind demnach Frauen im Alter zwischen 35 und 44 – sie haben zu 27,3 Prozent mehr als 20 Treter.

Der Tod

Woran sterben die Frauen? Zumindest häufiger durch Krankheit als Männer: 96 zu 94 Prozent. Jede zweite Frau stirbt an einer Kreislauferkrankung. Eine weitere häufige Todesursache sind mit 22 Prozent Krebserkrankungen. Der Anteil der an nichtnatürlichen Todesursachen Gestorbenen liegt mit drei Prozent bei den Frauen deutlich niedriger als bei den Männern, da sind es fünf Prozent.

Am Ende ein Ausblick

Wie schaut sie aus, die Frau der Zukunft? Sollten Biologen der Yale-Universität recht haben, wird sie kleiner, plumper und pummeliger sein. Nach Auswertung der Gesundheitsdaten von 14 000 Menschen seit 1948 prognostizieren die Wissenschaftler außerdem, dass frau gesünder und länger als heute fruchtbar bleibt. Warum? Kleine, schwerere Frauen haben durchschnittlich mehr Kinder als große, schlankere Geschlechtsgenossinnen. Auch Frauen mit niedrigerem Blutdruck und moderaten Cholesterinwerten bekommen mehr Nachwuchs als solche mit Bluthochdruck und viel Cholesterin im Blut – und erfreuen sich so gesünderer Herzen. Viele Mütter haben diese Eigenschaften an ihre Töchter vererbt. Setzt sich der Trend fort, wird die Durchschnittsfrau im Jahr 2411 zwei Zentimeter kleiner sein als heute und ein Kilogramm mehr wiegen. Ihre Erstgeburt wird sie fünf Monate früher als heutzutage haben und zehn Monate später die Menopause erreichen.

Zusammengetragen von unserem Redaktionsmitglied Alice Natter
    
    

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