publiziert: 28.02.2013 19:27 Uhr
aktualisiert: 28.02.2013 21:06 Uhr
» zur Übersicht Zeitgeschehen
    
    
Artikel
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text WÜRZBURG
An der Uni tropft's und bröckelt's

Sanierungsbedarf in Würzburg wird auf eine halbe Milliarde Euro geschätzt
  • Foto: Norbert Schwarzott
    Das vergessene Schild: Die auf der Hinweistafel beschriebenen Gefahren sind inzwischen beseitigt worden.
Bild von

Während im neuen Campus Nord, den ehemaligen Leighton Barracks, die Universität nach und nach Einzug hält, werden im Campus Süd die Probleme immer größer. Die über 40 Jahre alten Gebäude zeigen deutliche Alterserscheinungen, nicht zuletzt auch deshalb, weil Sanierungen und Renovierungen immer wieder auf die lange Bank geschoben wurden. Doch inzwischen hat der Verschleiß teils drastische Folgen.

Beispiels eins: Ein Gebäude der Botanik am Dallenberg. Der zweigeschossige Bau mit einem Ausstellungs- und einem Seminarraum ist vor etwa zwei Jahren nach starken Regenfällen von einem großen Wasserschaden betroffen gewesen und deshalb anschließend gesperrt worden. Das bestätigt der stellvertretende Leiter des staatlichen Bauamts, Peter Mack, der für die Uni-Bauten zuständig ist. Damals habe man befürchtet, Decken könnten herabfallen, was aber nicht eintrat. Dennoch stellte sich heraus, dass die Bausubstanz so schlecht ist, dass eine Sanierung des Gebäudes nicht mehr wirtschaftlich ist. Deshalb wird das Gebäude jetzt abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.

Beispiel zwei: Die Tiefgarage an der Hubland-Universität. Sie befindet sich unter der Mensa und der Uni-Bibliothek. Dies ist eines der Ensembles aus der Gründungszeit der Hubland-Universität in den frühen 1970er Jahren. Hier besteht akuter Sanierungsbedarf. Für Mensa und Garage sind rund 40 Millionen Euro veranschlagt und vom Freistaat auch genehmigt.

Um jedoch die Mensa sanieren zu können, was dringend notwendig ist, muss zunächst auf dem neuen Campus Nord als Zwischenlösung die Mensateria (Kosten rund elf Millionen Euro) errichtet werden. Damit soll im Mai/Juni begonnen werden. Und im Zuge der anschließenden Mensasanierung sollen dann auch die Schäden in der Tiefgarage behoben werden. Die waren in erster Linie durch undichte Stellen auf dem darüberliegenden Platz bedingt, die inzwischen beseitigt sind.

Deshalb hält Mack auch ein Schild an der Tiefgarageneinfahrt für „ein Relikt“. Dort wird darauf hingewiesen, dass das Befahren der Garage und das Parken „auf eigene Gefahr“ erfolge, die Uni also nicht für Schäden hafte. Es sei nämlich aufgrund des Bauzustandes nicht auszuschließen, „dass Gegenstände herabfallen oder Flüssigkeiten herabtropfen“. Diese Gefahr bestehe inzwischen nicht mehr, sagt Mack, es sei „einfach vergessen worden, das Schild abzumontieren“. Saniert werden müsse das Parkhaus dennoch. Ebenfalls in die Jahre gekommen ist das Philosophiegebäude 1 auf der gegenüberliegenden Seite des Campus Süd. Dort sind die Schäden nicht so massiv, dass sie zu Sperrungen oder Abrissen führen würden. Dort mussten aus Brandschutzgründen Deckenelemente aus Holz abmontiert werden, so dass nun Kabel lose herumhängen. Diese Schäden sollen alsbald behoben werden, so Mack. Etwas komplizierter ist das Problem mit den Toiletten in diesem Bau. Dort sei „das Schadensbild erschreckend“. Ursprünglich glaubte man, die Probleme seien mit einem Austausch der Sanitäranlagen zu lösen, doch dann zeigte sich, dass die Schäden viel größer sind. Die sollen nun in den nächsten Sommersemesterferien behoben werden. Insgesamt soll es einen Investitionsstau für Sanierungskosten in Höhe von einer halben Milliarde Euro geben, schrieb kürzlich ein Online-Magazin. Mack nennt diese Summe „nicht unrealistisch“.

Wie es dazu kommt, beschreibt er an einem Beispiel: Die Uni-Bauten am Hubland Süd seien damals sehr schnell gebaut werden, außerdem habe es in den 1970er Jahren völlig andere energetische und Brandschutz-Standards gegeben. Man hatte beispielsweise eine Wärmedämmung an Gebäuden von drei bis vier Zentimetern für ausreichend gehalten. Heute sind 20 Zentimeter vorgeschrieben. Deshalb müsse man bei Sanierungen, bei denen zunächst stets Sicherheitsaspekte im Vordergrund stünden, bis auf den Rohbau zurückbauen, weshalb diese Maßnahmen „fast so teuer wie ein Neubau“ seien.

Von unserem Redaktionsmitglied Karl-Georg Rötter
    
    

Diesen Artikel

Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist abgelaufen. Sie können daher keine Beiträge zu diesem Artikel verfassen.
    
    

Rubriken

    
Anzeige

Zeichen setzen 

Förderpreis für
engagierte Bürger
Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr

Leserbriefe 

Schreiben Sie uns
Wenn Sie uns einen Leserbrief schreiben wollen, dann können Sie das direkt hier tun. »mehr