publiziert: 15.03.2011 20:00 Uhr
aktualisiert: 15.03.2011 20:26 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text DÜSSELDORF/BERLIN
Atom-Wende: Wird Strom jetzt teurer?

Stillstand von Atomkraftwerken entfacht Debatte über Preisanstieg
  • Debatte um Strompreis: Masten in der Nähe eines Umspannwerks.Foto: dpa
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Das zumindest vorläufige Aus für sieben Atomkraftwerke in Deutschland hat eine neue Diskussion über die Entwicklung der Strompreise entfacht. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) befürchtet, dass auf die Verbraucher neue Lasten zukommen. Er erwarte tendenziell steigende Preise, sagte der FDP-Politiker am Dienstag. Nach Ansicht von Verbraucherschützern dagegen ist ein Ausstieg aus der Kernenergie auch ohne kräftigen Preisanstieg möglich.

„Die Horrorszenarien über Energieknappheit und hohe Preise sind kein Naturgesetz“, sagte der Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Peter Blenkers. Es komme auf die richtigen Rahmenbedingungen an. Die größte Quelle, die erschlossen werden müsse, sei die Energieeffzienz. Dazu zähle das Einsparen von Energie und der Ersatz alter Technik. Außerdem müssten die Fördergelder für erneuerbare Energien gezielter eingesetzt werden. Der Ausbau von Solarstrom sei in den vergangenen Jahren zu stürmisch erfolgt. Dies habe zum Anstieg der Stromkosten beigetragen.

Auch der Energieexperte Uwe Leprich von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken sieht kurzfristig keine Auswirkungen auf die Verbraucherpreise. Allenfalls sei ein leichter Anstieg der Preise an den Strombörsen zu erwarten, sagte er. In der Regel decken sich Versorger ein bis zwei Jahre vorher an der Börse mit Strom ein.

Der Bund der Energieverbraucher verweist darauf, dass es derzeit sogar ein Überangebot gibt. „Wir haben ohnehin zu viele Kraftwerke am Netz“, sagte der Vorsitzende Aribert Peters der dpa. Die Kraftwerkskapazitäten seien 2010 um 13,5 Gigawatt größer gewesen als die Stromnachfrage. Die ungenutzten Kapazitäten seien etwa doppelt so hoch wie die, die jetzt durch die Abschaltung von Atomkraftwerken verloren gingen. Allein die 2010 bundesweit neu gebauten Solarstromanlagen hätten eine Kapazität, die denen der sieben Kernkraftwerke entspreche.

Das Internetvergleichsportal Verivox hingegen hält einen Preisanstieg zumindest an der Strombörse für unausweichlich. Der wachsende Anteil erneuerbarer Energien werde sich zwar preisdämpfend auswirken, könne aber den Anstieg der Börsenpreise nicht vollständig ausgleichen, so das Unternehmen.

Auch die Beratungsfirma Energy Brainpool erwartet wegen des Ausstiegs einen Anstieg der Verbraucherpreise um bis zu sieben Prozent. Der Grund: Kraftwerkstypen, die mehr CO2 als AKWs produzierten, müssten die Stromproduktion auffangen. Die Nachfrage nach CO2-Zertifikaten werde also mit dem Atomausstieg steigen – und damit der Preis.

RWE-Chef Jürgen Großmann warnt in der Wochenzeitung „Die Zeit“ vor den Kosten eines Atomausstiegs. Die Gesellschaft müsse anerkennen, „dass man in einem Industrieland nicht einfach so auf Kohle und Kernenergie verzichten kann, wenn man Wohlstand und Versorgungssicherheit erhalten will“. Billige Energie und gleichzeitig ein kompletter Umbau der Stromversorgung sind eine Illusion“, sagte er.

Angesichts der Atomkatastrophe in Japan und der Debatte über Atomkraft in Deutschland interessieren sich bereits jetzt immer mehr Verbraucher für Ökostrom: „Wir registrieren ein um 60 Prozent höheres Interesse an Ökostromtarifen als an normalen Tagen“, so Daniel Dodt vom Verbraucherportal Toptarif.

Von dpa-Korrespondent Peter Lessmann
    
    

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»Alle 20 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

gossmannsdorfer (77 Kommentare) am 17.03.2011 15:32

Die Katastrophe in Japan..

...kostet tausende Menschenleben aber einige von uns scheinen keine anderen Sorgen zu haben, ob der Strompreis jetzt steigt und welche Auswirkungen für unsere Wirtschaft zu erwarten sind. Ich könnte kotzen.
(0)
Du_di_ned_oo (2934 Kommentare) am 16.03.2011 10:15

Strom wurde bereits vorher schon teurer

Ich merke die DES-Informationskampagne läuft bereits wieder auf vollen Touren.
Siehe dazu auch vorhergehender Artikel und Kommentare dazu.

[ Brüderle schließt höhere Strompreise nicht aus]

Trotz oder sogar wegen der Laufzeitverlängerung wurden reihenweise Strompreise erhöht obwohl Brüderle vorher das Gegenteil verkündet hat.
Was wir für einen funtionierenden Strom-Markt brauchen sind viele Anbieter. Was wir derzeit haben ist ein Oligopol mit sehr sehr engen Verflechtungen hinein in die Politik.
(um es sehr vorsichtig auszudrücken)

Durch die geplante Laufzeitverlängerung wollte man erreichen daß die existierenden Strukturen zementiert werden. Notwendige Investitionen in Netzinfrastrukturen (Smart-Grids, Förderung von Blockheizkraftwerken, Seekabel, etc.) sind unter Schwarz-Gelb unterblieben.
(3)
grayjohn (1547 Kommentare) am 16.03.2011 11:44

Genau so ist es!

Und die Mäh-Schäfchen lassen sich weiter erzählen, Atomstrom sei ja so billig/ der Umstieg so teuer/ die Anreize dazu so unsozial und wollen sich lieber weiter von den Multis abzocken lassen als die Sache selber in die Hand zu nehmen/ keinen Gedanken daran verschwenden, wie es werden soll, wenn die fossilen Energieträger aufgrund steigenden Weltverbrauchs noch viel teurer werden/ noch schneller zu Ende gehen. Nach mir die Sintflut, mäh-mäh!
(2)
winnem (739 Kommentare) am 16.03.2011 08:35

Natürlich

wird Strom nun teurer oder meint jemand ernsthaft die Versorger würden sich so eine Gelegenheit entgehen lassen?
(1)
blaubi (2809 Kommentare) am 16.03.2011 08:58

stimmt

den energieversorgern ist es doch wurscht,ob die nun solar oder atomstrom verhökern, die gewinne werden eh nicht geschmälert. die kosten lassen sich halt am leichtesten nach unten verteilen. und dazu kommen noch staatliche gewinne, denn auch vater staat wird nicht auf seinen energiesteuerbonus verzichten wollen. und dann werden dem endverbraucher noch die förderungen für solar und windenergie aufgebrummt. irgendwann wird mal kaviar billger als strom sein
(0)
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