publiziert: 20.10.2009 19:55 Uhr
aktualisiert: 20.10.2009 19:55 Uhr
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Datendieb wollte Geld erpressen

Experten drängen auf mehr Zurückhaltung

(dpa) Zum Vorwurf des Datenklaus kommt jetzt auch noch versuchte Erpressung. Insgesamt 80 000 Euro wollte der 20-jährige Mann nach Justizangaben vom Internet-Netzwerk SchülerVZ erpressen. Zuvor hatte er von dort Daten von über einer Million jugendlichen Nutzern kopiert und illegal weitergegeben. Nun sitzt der offenbar kriminelle Computerfreak aus Erlangen in Berlin in U-Haft.

Datenschützer klagt

„Der Kern des Vorwurfs gegen den Mann ist derzeit nicht die datenschutzrechtliche Frage, sondern der Erpressungsversuch“, sagte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Dienstag. Der Verdächtige sei der Polizei bereits aus anderen Zusammenhängen bekannt und habe die Tatvorwürfe eingeräumt. Zunächst 20 000 Euro, insgesamt aber sogar 80 000 Euro hat der Mann laut Staatsanwaltschaft vom SchülerVZ-Betreiber, den VZnet- Netzwerken, gefordert – sonst würden die kopierten Daten nach Osteuropa geschafft, hatte er gedroht.

Der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix forderte das Unternehmen auf, seine Sicherheitsvorkehrungen weiter zu verbessern. „Seit einem Hackerangriff im Jahr 2006 weisen wir den Betreiber auf gewisse Sicherheitsmängel hin.“ Einige Mängel seien bereits behoben worden. Zusätzlich sollten jedoch die Nutzer ermutigt werden, Spitznamen zu wählen. Auch die automatischen Voreinstellungen sollten restriktiver und nicht – wie derzeit der Fall – gleich für eine große Nutzergemeinde geöffnet sein. Zugleich sei aber klar, dass kein Schüler sicher vor Datenklau sei, wenn er seine Privatsphäre im Netz nicht schütze.

Die „Entblößungsgesellschaft

Der jüngste Datenklau beim Internet-Netzwerk SchülerVZ kommt für Experten nicht überraschend. Das Thema Datenschutz in Netzwerken explodiere derzeit vor allem, weil sich die Gesellschaft dramatisch zu einer „Entblößungsgesellschaft“ wandle, sagte der Informatiker und Professor an der Fachhochschule Kaiserslautern, Hendrik Speck. Viele Nutzer im Teenageralter verlegten ihr soziales Umfeld mehr und mehr ins Internet, seien aber viel zu nachlässig bei der Frage, welche Daten sie preisgeben.

Populäre Netzwerke hätten heute „mehr Daten gesammelt als die Einwohnermeldeämter“, sagte Speck. Ein großes Problem sei, dass die Daten zentral gespeichert werden und dass es inzwischen auch international viele Kriminelle gibt, die großes Interesse an solchen Beständen hätten. Auch Datenschutzverantwortliche hätten bei der Erkennung des dahinterstehenden Bedrohungspotenzials bislang „komplett versagt“. „Unser Datenschutzrecht ist für solche Verhältnisse noch gar nicht eingerichtet“, sagte Speck.

    
    

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