publiziert: 09.08.2012 19:07 Uhr
aktualisiert: 09.08.2012 19:33 Uhr
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Ein tief bewegter Joachim Gauck

Der Bundespräsident erhielt die Ehrenbürgerwürde seiner Heimatstadt Rostock
  • Foto: dpa
    Bad in der Menge: Bundespräsident Joachim Gauck wurde am Donnerstag die Ehrenbürgerwürde seiner Heimatstadt Rostock verliehen.
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900 Menschen hatten sich in der Rostocker Marienkirche versammelt, viele Hundert in der strahlenden Sonne vor der Kirche. Sie wollten einen Blick auf „ihren“ Präsidenten erhaschen. Denn Joachim Gauck, der berühmteste Sohn der Hansestadt, wurde mit der Ehrenbürgerwürde seiner Geburtsstadt ausgezeichnet. Genau in dieser Kirche, wo Gauck in der Wendezeit 1989 viele seiner ermutigenden Reden hielt. „Der kirchliche Raum wurde zur Gebärmutter der friedlichen Revolution“, sagte sein Weggefährte Christoph Kleemann in seiner Laudatio. Tief bewegt nahm der Präsident die Auszeichnung entgegen und sprach von einem kostbaren Geschenk.

Der „Jochen“ hat viel Freunde

Viele Jahre seines Lebens hat Gauck in Rostock verbracht, noch immer lebt ein Teil seiner Familie inklusive seiner Ehefrau Gerhild „Hansi“ in der Hansestadt. Der „Jochen“ hat noch viele Freunde in der Stadt, wo er auch studierte und später viele Jahre als Pfarrer im Plattenbauviertel Evershagen tätig war. Kleemann zählte nur einige auf, Gauck hörte die Namen mit Tränen in den Augen.

Lächelnd lauschte er einem langen Ausschnitt aus einer seiner Reden von 1989. Schon damals hatte er sich als Mann klarer Worte hervorgetan. Er habe die besondere Fähigkeit gehabt, Dinge so zu sagen, dass sie verstanden werden und dass es zündet, sagte Kleemann. Oft waren sie so klar, dass Kirchgänger Angst um ihn hatten, denn die Stasi-Ohren konnten überall sein, auch in der Thomas-Morus-Gemeinde Evershagen, erinnern sich Begleiter.

„Gauck machte immer klar, dass jeder Mensch für das, was er tut, ein eigenes Maß an Verantwortung tragen muss“, sagte der Leiter der Rostocker Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde und damit einer seiner ehemaligen Angestellten, Volker Höffer. Denn damals wie heute ist klar: „Auch in einer Diktatur gibt es in den weitaus meisten Fällen immer eine Wahl, sich für eine Richtung zu entscheiden“, sagte Höffer.

Kritik von der Linken

Diese Direktheit zeichne Gauck seit Jahrzehnten aus, und dass er damit auch immer wieder Kritik auf sich ziehe, sei verständlich. Diese Kritik kommt beispielsweise aus den Reihen der Linken, einige von ihnen waren auf den Neuen Markt in der Rostocker Innenstadt gekommen und machten mit Trillerpfeifen auf sich aufmerksam. Es sei ihm ja durchaus zuzugestehen, dass er in seiner Kirchengemeinde in Evershagen einiges bewegt habe, sagte beispielsweise Linken-Landeschef Steffen Bockhahn, aber für die Stadt als Ganzes gelte das nicht. „Wir können nicht erkennen, wo die Verdienste Gaucks für Rostock liegen.“

Der parteilose Oberbürgermeister Roland Methling widersprach. Gauck habe die Ehrenbürgerwürde gerade wegen seiner Verdienste um die Hansestadt erhalten. „Er hat den Rostockern in ihrer Ohnmacht eine Stimme gegeben, er spendete Kraft und hat damit zum Sturz der Diktatur beigetragen“, betonte Methling. Nach der Wende habe er dann mit der Stasi-Unterlagenbehörde eines der schwersten Ämter im wiedervereinigten Deutschland übernommen. Mit dem Aufbau der „Gauck-Behörde“ hat er ein Beispiel für andere Staaten im Transformationsprozess von Diktatur zur Demokratie gesetzt.

Von dpa-Korrespondent Joachim Mangler
    
    

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