publiziert: 29.08.2011 19:03 Uhr
aktualisiert: 29.08.2011 19:31 Uhr
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Eins, zwei, drei . . . sieben Milliarden

Weltbevölkerung: Es vergingen Jahrtausende, bis auf der Erde im Jahr 1800 erstmals eine Milliarde Menschen lebte. Inzwischen ist die Menschheit sieben Mal so groß. Fachleute fürchten, dass der Kampf um Ressourcen noch härter wird.

  • Wohnungen für Tausende: Seit drei Jahren leben auf der Erde mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Und immer mehr in Betonmolochen wie hier in Hongkong.LAIF/ MICHAEL WOLF
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Keine Statistik der Welt ist so genau, dass man einen exakten Termin ausrechnen könnte. Die Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen hat sich auf den 31. Oktober als mutmaßlichen Geburtstag des siebenmilliardsten Erdenbewohners festgelegt – ein Datum von eher symbolischem Wert. Aber eines, das zeigt: Innerhalb von nur 13 Jahren ist die Weltbevölkerung von sechs auf sieben Milliarden gewachsen.

Eine enorme Steigerung. Noch zu Christi Geburt hatte es etwa 300 Millionen Menschen gegeben, erst kurz nach 1800 war dann die erste Milliarde erreicht worden. Schon 200 Jahre später hat sich ihre Zahl versechsfacht. Jetzt kam allein im noch jungen 21. Jahrhundert schon wieder eine Milliarde hinzu. Doch mit weiteren Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung ist man inzwischen ähnlich vorsichtig wie bei längerfristigen Wettervorhersagen.

Die Welt wächst
  
Die Welt wächst

„Der globale Ausblick ist durch eine Vielzahl von Unsicherheiten schwierig“, gibt der Bevölkerungswissenschaftler David Bloom von der Harvard School of Public Health zu. „Dazu zählen Infektionskrankheiten, Krieg, der wissenschaftliche Fortschritt, politische Änderungen und unsere Fähigkeit zur globalen Zusammenarbeit.“ Allgemein wird aber erwartet, dass sich das Bevölkerungswachstum abschwächt: Bis 2050 werden nach Schätzung der Vereinten Nationen mehr als neun Milliarden Menschen auf der Erde leben, „nur“ mehr als zehn Milliarden dann bis zum Ende des Jahrhunderts. Denn die UN erwarten, dass die durchschnittliche Anzahl von Kindern pro Frau bis zum Jahr 2100 von weltweit derzeit 2,5 auf 2 sinken wird.

Sicher ist, dass sich die Gewichte zwischen den Kontinenten verschieben. Getrieben wird das Wachstum von den hohen Geburtenraten in Asien und Afrika, die häufig auf mangelnden Zugang zu Verhütungsmitteln zurückgehen. Eine afrikanische Frau bringt heute durchschnittlich 4,7 Kinder zur Welt – ein bis zwei Kinder mehr, als sie eigentlich gerne hätte. Im europäischen Durchschnitt sind es 1,6 Kinder pro Frau. Während die Bevölkerung bei uns also schrumpft, wird sich die Zahl der Afrikaner von heute einer Milliarde auf 3,6 Milliarden mehr als verdreifachen. Zu Beginn des 22. Jahrhunderts wird wohl jeder dritte Mensch in Afrika leben.

Bald wird Indien (derzeit: 1,2 Milliarden Bewohner) China (1,3 Milliarden) als bevölkerungsreichstes Land der Welt ablösen. Allein in Nigeria, das mit 162 Millionen heute schon die meisten Einwohner Afrikas hat, soll die Zahl bis zur Jahrhundertmitte auf fast eine Dreiviertelmilliarde zunehmen.

Der kanadische Blogger John Palmer hat in einem Gedankenexperiment die Welt neu verteilt und den Nationen mit den meisten Einwohnern die Länder mit der größten Fläche zugeordnet. Die Chinesen würden Russland übernehmen, Indien läge in Kanada, nur die US-Amerikaner dürften bleiben wo sie bislang sind. Ein anderes Beispiel: Deutschland und das Entwicklungsland Äthiopien haben heute beide etwas mehr als 80 Millionen Einwohner. In 40 Jahren wird es voraussichtlich 174 Millionen Äthiopier geben – und nur noch 72 Millionen Deutsche. Und die werden deutlich älter sein als heute.

Das bedeutet, dass sich die Machtverhältnisse zwischen den Kontinenten verschieben werden. Länder wie China, Indien oder Brasilien gewinnen jetzt schon an Einfluss. Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte dieser Tage nicht nur mit Blick auf die Euro-Krise: „In einer Welt von sieben Milliarden Menschen müssen wir 500 Millionen Europäer zusammenhalten.“ Wohlstand und Werte seien ansonsten kaum zu retten.

Mit der schieren Zahl an Menschen wächst auch der Bedarf an Land, an Lebensmitteln, an Energie. Befürchtet wird, dass der Kampf um die vorhandenen Ressourcen immer härter wird. Viele halten es zum Beispiel für möglich, dass es zwischen Nachbarstaaten künftig Kriege ums Wasser geben wird. Die Umweltorganisation WWF hat ausgerechnet, dass man 2050 eigentlich drei Planeten Erde brauchen wird, wenn sich an unseren Gewohnheiten nichts ändert. „Wir müssen in den kommenden 40 Jahren die gleiche Menge an Lebensmitteln herstellen wie in den letzten 8000 Jahren“, sagt WWF-Experte Jason Clay. Und mahnt an, dass vor allem in den großen Industrienationen immer noch viel zu viel weggeschmissen wird.

Optimisten verweisen darauf, dass sich die zahlreichen apokalyptischen Voraussagen über die Folgen des Bevölkerungswachstums bislang noch nie bewahrheitet hätten. Tatsache ist, dass sich die Dinge durch technische und medizinische Errungenschaften oft positiver entwickelt haben als befürchtet – nicht nur wegen der Erfindung von Pille und Präservativ, auch wegen der besseren Verwertungskette in der Landwirtschaft.

Und selbst der aktuelle Bevölkerungsrekord bekommt eine andere Dimension, wenn man vergleicht, wie viele Menschen die Erde in ihrer Geschichte schon ausgehalten hat: Seit dem ersten Auftauchen des Homo sapiens dürften schon mehr als 100 Milliarden menschliche Wesen auf dem Planeten gelebt haben. Was sind da schon die sieben Milliarden von heute?

Die Menschheit zählen

Sieben Milliarden Menschen – woher weiß man, wie viele Erdenbürger es gibt? Dafür tragen Experten die Bevölkerungszahlen zusammen. In entwickelteren Ländern gibt es dafür genaue Einwohnerstatistiken. In sehr vielen Ländern jedoch beruhen die Zahlen mehr oder weniger auf Schätzungen.

 

Prognosen für die Bevölkerungsentwicklung

lassen sich errechnen, wenn man das Geburtenverhalten in den Ländern kennt. Wenn es in einem Land so und so viele Frauen in dem und dem Alter gibt und diese bekommen normalerweise so und so viele Kinder – dann kann man ausrechnen, wie sich die Bevölkerung in den nächsten Jahren entwickelt. Ähnlich gilt das auch für die Sterbefallzahl, sagt der Demograf Steffen Kröhnert vom „Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung“. Die beiden Daten werden gegeneinander aufgerechnet: die Zahl der prognostizierten Geborenen gegen die Zahl der prognostizierten Sterbefälle. Bei Länderstatistiken spielen auch Faktoren wie Zu- oder Fortzüge eine Rolle.

 

Über einige Jahrzehnte sind solche Prognosen für die Welt relativ verlässlich, weil man keine Wanderungen berücksichtigen muss, sagt Steffen Kröhnert. Für ein Land oder eine Region ist das schwieriger, weil dort Brüche – beispielsweise Kriege – eine große Rolle spielen, die man nicht berücksichtigen kann.

Von dpa-Korrespondent Christoph Sator und Alice Natter
    
    

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