publiziert: 14.09.2011 19:37 Uhr
aktualisiert: 14.09.2011 20:37 Uhr
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Floppt die neue Gesundheitskarte?

Kritik von Ärzten, Krankenkassen und Datenschützern – Alte Karte gilt noch bis 2014
  • Elektronische Gesundheitskarte Muster der elektronischen Gesundheitskarte verschiedener Krankenkassen. (Archivfoto)
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Vielen Versicherten flatterte in den letzten Monaten ein Brief ihrer Krankenkasse ins Haus, in dem sie höflich, aber bestimmt aufgefordert wurden, in den nächsten zwei Wochen ein aktuelles Foto von sich einzuschicken. Viele Bürger, auch in dieser Region, reagierten verunsichert. Der Hintergrund der Post: die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) im Herbst.

Das Prestigeprojekt der ehemaligen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt kommt mit fast sechsjähriger Verspätung. Unstimmigkeiten zwischen Ärzten, Krankenkassen und Politik sowie technische Mängel verschoben den Einführungstermin der Karte immer wieder. Nun müssen die Krankenkassen die eGK bis Ende des Jahres an mindestens zehn Prozent ihrer Kunden ausgeben.

Doch was leistet die neue Karte eigentlich? Was die Versicherten bald in ihren Händen halten, unterscheidet sich zunächst kaum von der bisherigen Krankenversichertenkarte: Wie auf dieser sind die üblichen Verwaltungsdaten, also Name, Adresse, Geburtsdatum und Krankenversicherungsnummer auf der eGK gespeichert. Die einzige offensichtliche Änderung: das Foto des Versicherten, das einen Missbrauch der Karte verhindern soll.

Bei der eGK handelt es sich allerdings um eine Mikroprozessorkarte, die theoretisch vielfältige Anwendungen ermöglicht. Geplant waren ursprünglich das elektronische Rezept, die elektronische Patientenakte und der elektronische Arztbrief. Sie sollten ein Ende machen mit Papierbergen oder Doppelbehandlungen. Die meisten dieser Funktionen wurden im Laufe der jahrelangen Diskussionen und Testphasen allerdings in eine ungewisse Zukunft verschoben. Nicht zuletzt, weil der politische Wille zur Umsetzung unter einem FDP-Gesundheitsminister stark gesunken war. Einen konkreten Zeitplan für die Einführung neuer Funktionen gibt es nicht.

Einige befinden sich allerdings in Planung. So sollen die Daten online geprüft und geändert werden können, ohne dass eine neue Karte nötig wird. Gespeicherte Daten könnten zudem den Notarzt schnell informieren, etwa bei Medikamentenunverträglichkeit des Patienten. In elektronischen Fallakten sollen Daten zu einzelnen Behandlungsfällen gesammelt werden.

Für Martin Grauduszus, Präsident der Freien Ärzteschaft, steuert diese Entwicklung ganz in Richtung „gläserner Patient“. Die Einführung der eGK sei nur der Anfang: „Auf lange Sicht muss damit gerechnet werden, dass die Versichertendaten in einem zentralen Pool gespeichert werden und so der Verfügungsgewalt des Patienten entgleiten.“

Auch Pedro Schmelz vom Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns hat Bedenken: „Es werden immer mehr persönliche Patientendaten gespeichert und immer mehr Personen erhalten Zugriff darauf. Durch eine solche Entwicklung sehe ich durchaus die Würde des Patienten in Frage gestellt.“ Darüber hinaus fürchten die Ärzte einen zusätzlichen bürokratischen Aufwand.

Auch die Kassen sind mit der abgespeckten eGK unzufrieden, „gerade die Funktionen, die Einsparungen für die Versicherten bringen sollten, sind weggefallen“, sagt Udo Barske, Pressesprecher des AOK-Bundesverbandes. Die AOK Bayern fordert seit Ende April ihre Versicherten auf, Bilder einzusenden. Anfang Oktober will man dort beginnen, die neue Karte auszugeben. Wer sich weigert, ein Foto bereitzustellen, erhält zwar keine neue Gesundheitskarte, muss aber zunächst mit keinen Einschränkungen rechnen. „Der Versicherungsschutz geht nicht verloren“, so Grauduszus. Bis 2014 gilt die alte Versichertenkarte. Danach allerdings muss bei einer Fotoverweigerung, so die Experten, mit hohen bürokratischen Hürden gerechnet werden.

Von unserer Mitarbeiterin Violetta Hagen
    
    

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