aktualisiert: 19.08.2012 20:04 Uhr
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Offenbach/Berlin (dpa)
Heißester Tag des Jahres mit fast 40 Grad
Spät, aber voller Wucht: Mit Sahara-Hitze von fast 40 Grad hat der Sommer Deutschland am Sonntag den bisher heißesten Tag des Jahres geboten. Hotspots am Nachmittag waren laut Meteomedia Göllheim in Rheinland-Pfalz mit 39,2 Grad und Dillingen an der Saar mit 39,1 Grad.
Auch in anderen westlichen Städten näherte sich die Quecksilbersäule der 39-Grad-Marke an, darunter Köln mit 38,7 Grad. In Saarbrücken herrschten 38,5 Grad, in Bad Kreuznach 38,4 Grad, berichtete Meteorologe Jens Hoffmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach.
«Der Samstag war die Ouvertüre, der Sonntag ist wohl der Hauptakt», sagte Hoffmann. Ob am Sonntag historische Hitzerekorde gebrochen wurden, stand bislang noch nicht fest. Endgültige Angaben sollte es erst am Abend geben. Die bislang höchste in Deutschland gemessene Temperatur betrug 40,2 Grad. In dieser Woche sollen die Temperaturen wieder leicht fallen.
Den Takt für den scharfen Sommer-Rhythmus am vorletzten Augustwochenende gaben Hoch «Achim» und Tief «Xenja» an: Sie sorgten für den Zustrom sehr heißer Luft aus Afrika nach Deutschland. Die Menschen zog es millionenfach ins Freie. Freibäder, Badeseen, Küstenorte und die Inseln in Nord- und Ostsee waren überfüllt, ebenso Biergärten, Straßen- und Eiscafés. Zugleich wurden Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte in Alarmbereitschaft versetzt - sollten manche die Hitze nicht vertragen.
Da heißt es vom Sport lernen: Unterwäsche aus dem Eisfach, Faltkartons als Fächer, regelmäßige Trinkpausen - auch Profisportler und Fans kamen gehörig ins Schwitzen. Die Piloten des Deutschen Tourenwagen Masters kämpften am Sonntag mit gekühlter Unterwäsche gegen die Hitze im Rennwagen. Bei Mercedes-Benz tauchten einige Fahrer ihre feuerfeste Unterwäsche vor Beginn des Rennens in kaltes Wasser. Unter der Hitzeglocke schwitzten auch viele Fußballfans auf ihrem Weg zu den DFB-Pokal-Spielen.
Streikende Klimaanlagen führten am Sonntag bei der Bahn bundesweit zu mehreren Zugausfällen. Bis zum Nachmittag meldete das Unternehmen insgesamt acht gestrichene Verbindungen. Dennoch sei es nicht zu gravierenden Störungen oder Verzögerungen gekommen, sagte Bahnsprecher Jürgen Kornmann der dpa. «Wir sind relativ gut durch diesen heißen Sonntag gekommen.» In einigen Zügen versagte die Klimaanlage in einzelnen Wagen. Beim Ausfall eines gesamten Zuges seien die Passagiere auf andere Verbindungen ausgewichen, hieß es.
In Bad Segeberg (Schleswig-Holstein) setzten den rund 4300 Zuschauern der Nachmittagsvorstellung von «Winnetou II» die Hitze im Freilicht-Bühnenkessel am Kalkberg zu. Mehr als ein Dutzend mussten von Notärzten behandelt werden, knapp die Hälfte von ihnen sei ins Krankenhaus gekommen, berichtete ein Notarzt des Roten Kreuzes. Zur Abkühlung setzte die Feuerwehr Wassernebel ein. Das sei begeistert aufgenommen worden.
Die Hitzewelle aus Afrika hat auch Frankreich voll im Griff und die Temperaturen örtlich bereits auf über 40 Grad hochgetrieben. In Montgivray im Department Indre wurden nach Angaben des Wetterdienstes am Samstag 42,3 Grad gemessen - das ist der höchste Wert in der Nordhälfte des Landes seit Beginn der Aufzeichnungen.
Im Norden kam am Sonntag die Abkühlung vom Himmel: Bereits am Morgen habe es auf Sylt, in St. Peter-Ording und in Flensburg kurze Schauer und vereinzelt Gewitter gegeben, berichtete ein DWD-Sprecher.
Der Hitzeschub führte bereits zu Waldbrandgefahr in Deutschland. So flogen in Hessen und Bayern Polizei, Feuerwehr und Katastrophenschutz zusätzliche Einsätze, um Brandherde rechtzeitig zu erkennen. Auch in Brandenburg und Niedersachsen herrschte mittlere bis hohe Waldbrandgefahr.
In den Waldbrandregionen Südeuropas konnten die Einsatzkräfte am Wochenende einige gefährliche Feuer unter Kontrolle bringen. Im Garajonay-Nationalpark auf der spanischen Kanaren-Insel La Gomera versuchten die Löschmannschaften mit Hilfe von Schneisen zu verhindern, dass sich der verheerende Brand weiter ausbreitet. Nach Angaben der Behörden loderten kaum noch offene Flammen, allerdings gab es noch Glut am Boden. Auf der griechischen Insel Chios hatte die Feuerwehr am Sonntag die meisten Feuerfronten teils unter Kontrolle.
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