publiziert: 24.03.2010 14:42 Uhr
aktualisiert: 24.03.2010 19:48 Uhr
» zur Übersicht Zeitgeschehen
    
    
Artikel
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text Berlin (dpa)
Kabinett beschließt Konzept gegen Missbrauch

Als Reaktion auf die gehäuften Missbrauchsfälle in Schulen und kirchlichen Einrichtungen hat das Bundeskabinett einen Runden Tisch beschlossen und eine Missbrauchsbeauftragte eingesetzt.

  • Runder Tisch zu Missbrauch Bildungsministerin Schavan, Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger und Familienministerin Schröder (v.l.) beantworten Fragen zum neu eingerichteten Runden Tisch.
Bild von

Das Amt übernimmt die frühere Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD). An sie können sich Missbrauchsopfer wenden. Der Runde Tisch soll die bekanntgewordenen Fälle aufarbeiten und helfen, weitere Übergriffe für die Zukunft zu verhindern. Er soll seine Arbeit am 23. April aufnehmen, beschloss das Bundeskabinett am Mittwoch.

    
Mehr zum Thema
 Interview  „Das Erlebte kommt wieder hoch“  »mehr
 Experten  Debatte hilft Missbrauchsopfern wenig   »mehr
 29.09.2010  „Geld kann die Verletzungen nicht heilen“  »mehr
 Hintergrund   Entschädigungszahlungen (in anderen Ländern)  »mehr
 23.08.2010  Bischöfe einig über Leitlinien  »mehr
 29.04.2010  Opfer klagen der Kirche ihr Leid  »mehr
 25.04.2010  Missbrauch: Bischöfe versprechen im Dom mehr Dialog  »mehr
 24.03.2010  Kabinett beschließt Konzept gegen Missbrauch  »mehr
 Link  Wo beginnt sexueller Missbrauch? Einzelfall beachten  »mehr
 20.03.2010  Papstbrief zum Missbrauch in Auszügen  »mehr
 18.03.2010  Missbrauch: Bischöfe wollen jeden Verdacht an Justiz melden  »mehr
 17.03.2010  Bischof Ackermann räumt Vertuschung ein  »mehr
 16.03.2010  Missbrauchsskandal verunsichert Gläubige  »mehr
 12.03.2010  Missbrauchsskandal erreicht den Papst  »mehr
 10.03.2010  Missbrauch: Bischof Hofmann gegen Entschädigung für Opfer  »mehr
    


Die heute 70-jährige Bergmann war unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) von 1998 bis 2002 Familienministerin. Zudem gehörte sie dem sogenannten Hartz-IV-Ombudsrat an. Das unabhängige Gremium war von der rot-grünen Bundesregierung eingesetzt worden, um die Folgen der Hartz-IV-Reform zu überprüfen. Jetzt soll Bergmann mit Missbrauchsopfern sprechen, zur Aufklärung von Missbrauchsfällen beitragen und Empfehlungen für Hilfen an die Opfer erarbeiten.

Zum Runden Tisch gehören zwei Arbeitsgruppen, die sich den Themen Prävention und juristische Aufarbeitung widmen. Den Vorsitz führen hier Familienministerin Kristina Schröder (CDU) beziehungsweise Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP).

Die FDP-Politikerin will erreichen, dass die katholische Kirche und andere Einrichtungen bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch eng mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten. Die Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz verpflichten die Kirche bisher nur bei einem erhärteten Verdacht und bei nicht verjährten Fällen, die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte bereits eine Überarbeitung der Leitlinien angekündigt. Thema der Arbeitsgruppe dürften auch die zivilrechtlichen und strafrechtlichen Verjährungsfristen für Missbrauchsfälle sein.

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte, die Regierung unterstütze alles, was zur Aufdeckung, Aufklärung und Aufarbeitung von Gewalt und sexuellem Missbrauch gegenüber Kindern und Jugendlichen beitrage. «Wir sprechen hier über Verbrechen, die sich tief in die Seelen junger Menschen eingegraben haben», sagte sie. Wie das Presseamt der Bundesregierung mitteilte, soll der Runde Tisch «klare Verhaltensregeln» im Umgang mit Kindesmissbrauch erarbeiten. Der Runde Tisch werde beraten, wie Mädchen und Jungen Missbrauch erkennen und klar benennen könnten. Auch Fachkräfte, Eltern und Erzieher sollen sensibilisiert werden. «Aus- und Fortbildung spielen dabei eine wichtige Rolle», hieß es in einer Mitteilung.

Um den Ansatz zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle hatte es in der Regierung lange Diskussionen gegeben. Die Justizministerin plädierte erst für einen eigenen Runden Tisch zur strafrechtlichen Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Die Deutsche Bischofskonferenz lehnte das ab. Nun wird der Runde Tisch von Justizministerin, Bildungsministerin und Familienministerin zusammen geleitet und thematisch breiter aufgestellt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich für ein gemeinsames Vorgehen eingesetzt.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast kritisierte das Vorgehen der Regierung: «Die Bundesregierung will das Problem an einen Runden Tisch, zwei Unterausschüsse und eine Beauftragte vertagen.» Offen bleibe aber, welche Ministerin sich Tag für Tag um die Aufklärung, Entschädigung und Prävention kümmere. «Die Zielsetzung bleibt diffus, unklarer geht es nicht, sagte sie.» Die Grünen fordern nach Angaben von Künast eine unabhängige Kommission, «die wirklich aufklärt, was passiert ist und das strukturelle Versagen Institutionen benennt».

    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Rubriken

    
Anzeige
    

Zeichen setzen 

Förderpreis für
engagierte Bürger
Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr
    
    

Leserbriefe 

Schreiben Sie uns
Wenn Sie uns einen Leserbrief schreiben wollen, dann können Sie das direkt hier tun. »mehr