publiziert: 17.12.2012 19:42 Uhr
aktualisiert: 20.12.2012 16:50 Uhr
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Kind oder Karriere: Rabenmütter-Image schreckt ab

Ist verkrustetes Denken in Deutschland schuld am Geburtenrückgang?

Die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland und das noch weit verbreitete Bild der arbeitenden Rabenmutter schreckt Frauen vom Kinderkriegen ab.

  • Foto: dpa
    1,39 Kinder pro Frau: Beruf und Hobbys haben bei deutschen Müttern einen höheren Stellenwert als Kinder (ein Symbolbild aus Halle).
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Dies hat eine Untersuchung des Bundesinstitutes für Bevölkerungsforschung hat erneut belegt. Doch das ist es nicht nur. Erstmals hat das Institut, das dem Bundesinnenministerium unterstellt ist, auch die Gefühlslage der Deutschen bei ihrer Untersuchung berücksichtigt. Demnach haben nicht nur der Beruf, sondern auch Hobbys einen höheren Stellenwert als Kinder.

Das Ergebnis der Studie ist nicht überraschend, hat aber unverzüglich Politiker von SPD und CDU auf den Plan gerufen. SPD-Sozialsprecher Hans-Ulrich Pfaffmann sieht in der schwarz-gelben „rückwärtsgewandten Familienpolitik“ die Ursache der miserablen Geburtenrate (1,39 Kinder pro Frau): „Mit ihrem Betreuungsgeld fördern sie noch das Rabenmutter-Image von Frauen, die ihre Kinder in einer Kita betreuen lassen.“ Das seien dramatische Fehlanreize.

Wer bekommt Betreuungsgeld – und ab wann?

Die Christdemokraten weisen das zurück. Ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums betonte, Kindertagesstätten würden weiter ausgebaut, das Elterngeld werde nicht gekürzt und zudem das Betreuungsgeld eingeführt.

Der Münchener SPD-Abgeordnete Pfaffmann fordert indes flexible Arbeitszeitmodelle für junge Eltern. Dass die im Alltag nur schwer umzusetzen sind, weiß Gisela Kaiser, Leiterin des zentralen Frauenbüros der Universität Würzburg. Das Zeitproblem fange im Studium schon an. „Die Bachelor- und Masterstudiengänge sind so eng getaktet, dass die Studierenden kaum eine Chance haben, Zeit für ein Kind oder eine Familie aufzubringen. Die Veranstaltungen gehen von 8 bis 21 Uhr und sind nicht frei planbar.“ Seit 20 Jahren kämpfen Kaiser und ihre Kolleginnen für eine Verbesserung der Lage für junge Mütter und Eltern. Vieles ging und geht nur langsam voran, sagen sie. Glücklicherweise lasse sich einiges intern regeln und die meisten Fachbereiche seien bemüht, die Pläne umzusetzen. Seit 2007 gibt es eine umfassende Betreuung der Babys und Kleinkinder in der Zwergenstube. Zwei Jahre zuvor ist die Familienservice-Stelle gegründet worden. „Das war eine Art Frühling, ein Durchbruch“, sagt Gisela Kaiser.

Dennoch sei es auch heute noch unheimlich schwer, dem Druck aus Ausbildung und Job auf der einen und dem Familienleben auf der anderen Seite standzuhalten. Die jungen Frauen brauchen ihrer Ansicht nach viel mehr Vorbilder, die ihnen zeigen, dass Kinder und Beruf gleichermaßen bereichernd sind. „Die meisten Professorinnen bei uns sind kinderlos, das entmutigt natürlich all jene, die gerne Kinder und eine akademische Karriere hätten.“

Auch die Wohnsituation für junge Eltern sei vielerorts denkbar schlecht. „Unser Studentenwerk hat junge Familien nicht auf dem Sender, Familien-Appartements werden nicht angeboten.“

Hoffnung macht indes eine Studie vom Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg. Deren Befunde zeigen, dass erwerbstätige Frauen, die sich für ein Kind entscheiden, eine Art Kettenreaktion unter ihren Kolleginnen hervorrufen können. So steige die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft um das Doppelte an, wenn eine Kollegin Mutter geworden ist. „Sozialpolitische Maßnahmen, die auf eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie abzielen, könnten aufgrund solcher Multiplikationseffekte ein starkes Potenzial zur Belebung der Fertilität entfalten“, so die Forscher.

Von unserem Redaktionsmitglied Melanie Jäger
    
    

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»Alle 27 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

prischti (358 Kommentare) am 18.12.2012 11:37

Hauptsache

ist doch, daß wir Mütter einen oder mehrere Steuerzahler in die Welt "gesetzt" haben. Was aus den Kiddies wird oder auch aus den Müttern, daß interessiert weder die Regierung noch die Arbeitgeber.
Und im übrigen empfinde ich so: wenn man als Mutter (und auch als Vater) die Entscheidung getroffen hat, daß man ein paar Jahre beim Kind oder den Kindern zu Hause bleibt, dann gilt man doch in der heutigen (schnell lebigen Zeit) als Relikt.
Auch diese Gruppe von Müttern wird "schräg" angeguckt. traurig
(0)
DMA (1507 Kommentare) am 18.12.2012 12:36

ob Kinder später mal Steuern zahlen

sei dahingestellt. Manche kosten Zeitlebens nur Geld ( Knast, Hartz IV, ...). Dann lieber Fachkräfte aus dem Ausland holen (wenn man denn welche braucht), da weiß man wenigstens was man bekommt - Kinder sind eher so ne Art Überraschungsei. Vielleicht wird mal ein Steuerzahler draus, vielleicht aber auch ein Leistungsempfänger
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Supermichi (263 Kommentare) am 18.12.2012 14:33

Nur machen

die hoffnungsvoll erwarteten "Fachkräfte aus dem Ausland" eher einen großen Bogen um Deutschland und bevorzugen lieber das "Besser zahlende Ausland". Was an unserer Tür anklopft würde schon eher den Nachschub auf dem Billiglohnsektor beschreiben. Leute, die letztendlich auch nur durch Sozialleistungen hier überleben können und die Sie dann wieder anhand mangelnder Sprach- und Rechtschreibkenntnis hier im Forum auf die Schippe nehmen können. Sie erinnern sich:
"Ich bring dann mal ein Buch mit..............."
(3)
DMA (1507 Kommentare) am 18.12.2012 15:47

Ich habe jetzt mal versucht

einen Kommentar von mir zu finen, in dem ich die Mitnahme eines Buches vorgeschlagen habe. Gefunden habe ich ihn leider nicht, kann mich aber erinnern, dass ich sowas geschrieben habe. Aber war dies nicht gegenüber einem der notorisch Xenophoben, von denen es ja einige hier gibt (Sie erinnern sich?)? Dürfte wohl eher kein Ausländer gewesen sein...
(0)
klosterschueler (999 Kommentare) am 18.12.2012 16:39

Kleine Anmerkung meinerseits

zu meinen Studienzeiten habeich bei der damaligen Fichtel & Sachs AG im alten Motorenbau gearbeitet. der einzige Kollege, der eine vernünftige Zeitung, das "Schweinfurter Tagblatt" las, war ein türkischer Mitbürger. der Rest der Belegschaft "bild"ete sich täglich.
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