publiziert: 27.02.2009 18:51 Uhr
aktualisiert: 27.02.2009 18:53 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text BERLIN
Kreuzfahrt in der Grauzone

Mit Politikern als Reisebegleiter unterwegs

In der Grauzone der Vergünstigungen für Politiker gibt es nicht nur Gratis-Parkplätze an den Flughäfen, sondern auch Kreuzfahrten und Fernreisen zum Nulltarif oder für eine geringe Gegenleistung. Die SPD setzt einen parteieigenen Reiseservice für Politiker ein, die CDU ein privates Unternehmen. Zumeist nutzen Ex-Minister die Chance, aber auch aktive Bundestagsabgeordnete betätigen sich als „Reiseleiter“.

  • Mit Teufel nach Chile
    FOTO dpa
  • Mit Riester an Bord
    FOTO dpa
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Zwei Tage nach der Bundestagswahl soll es für Eberhard Gienger für eine Woche in die USA gehen. Las Vegas, Grand Canyon und New Orleans stehen auf dem Programm. Gienger räumt ein, dass er dafür nichts zahlt. „Ich dachte, das ist eine reine CDU-Sache“, gibt sich der Abgeordnete des Wahlkreises Neckar-Zaber erstaunt. Das Reiseunternehmen Ultramar, das den Trip anbietet, wirbt mit seinem Konterfei. „Delegationsleitung Eberhard Gienger MdB, Weltmeister am Reck 1974“ steht auf der Anzeige, die jetzt im CDU-Organ „Union“ erschien.

Aber die Reise ist keine reine Parteiveranstaltung. Im Prinzip kann jeder mitfahren. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben lediglich mit der CDU eine Vereinbarung, wonach es gezielt Parteimitglieder ansprechen darf. Vor zwei Jahren war Gienger schon mal dabei, sagt er. Damals ging es nach Mexiko.

Der Einsatz der Politprominenz lohnt sich. Die Angebote sind nach Auskunft der Firma stets gut gebucht – seit Jahren. Am heutigen Samstag startet eine Chartermaschine nach Chile. Mit dabei ist Baden-Württembergs Ex-Ministerpräsident Erwin Teufel. Auch die früheren Bundesminister Hannelore Rönsch (CDU) und Wolfgang Bötsch (CSU) geben sich als Touristenführer her. Rönsch begleitet dieses Jahr eine Gruppe nach Burma, eine andere nach Dubai. Nach Italien an den Comer See geht es mit Bötsch – wobei der betont, er reise „rein als Privatmann“ mit.

Der einstige Chef der christdemokratischen Arbeitnehmer, Rainer Eppelmann, geht auf eine Südafrika-Tour. Beim SPD-Reiseservice gibt es im Internet eine Fotogalerie, in der ein fröhlicher Walter Riester auf der „MS Vistamar“ zu sehen ist. „Grönland 2008“ hieß die Kreuzfahrt. Der Ex-Minister und heutige Bundestagsabgeordnete sagt, er habe ehrenamtlich und honorarfrei den Gästen für Vorträge und Gespräche zur Verfügung gestanden. Außerdem habe er einen Teil der Kosten selbst getragen. „Ich fühle mich verpflichtet, mit Parteimitgliedern zu sprechen. Meinen Urlaub könnte ich auch woanders verbringen.“

Der SPD-Reiseservice, der Politiker bevorzugt bei Kreuzfahrten einsetzt, findet die Sache unproblematisch. Die Politiker seien wie Künstler an Bord zu betrachten. Sie arbeiteten ohne Honorar und bekämen dafür eine Gratis-Kabine. Man habe eben den Anspruch, Bildungsreisen durchzuführen. Ähnlich begründet man die Praxis auch bei Ultramar: „Das ist doch eine tolle Sache für alle Teilnehmer.“

Allerdings müssen aktive Abgeordnete dem Bundestagspräsidenten Nebentätigkeiten melden, ebenso das dabei erzielte Einkommen – sofern es 1000 Euro im Monat oder 10 000 Euro im Jahr übersteigt. Wird der Reisepreis als Gegenleistung für einen Vortrag erlassen, muss das als geldwerte Zuwendung ebenfalls gemeldet werden, so die Auskunft der Bundestagsverwaltung.

Ausweislich der veröffentlichten Listen hat jedoch mindestens Gienger den Nebenjob bisher nicht angegeben. Der USA-Trip ist 2795 Euro wert; Mexiko dürfte ähnlich teuer gewesen sein. Das Argument des Ultramar-Seniorchefs: „Der muss ja auch mal Urlaub machen“ hat da kaum Bestand, ebenfalls nicht Giengers Hinweis, volle acht Tage habe er wahrscheinlich sowieso keine Zeit. Außerdem müssten die Gratisreisen von allen, ob Ex-Politiker oder nicht, als Honorar versteuert werden. Der SPD-Reiseservice zahlt dem Finanzamt dafür eine Pauschale.

Besonders verwundern muss, dass Abgeordnete so viel Zeit für oft kleine Gruppen haben. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Laurenz Meyer, ist sogar in der Zeit des Wahlkampfendspurts eingeplant. Sein Redeauftritt, für den er gesondert anreist, findet während einer Ultramar-„Themenreise“ an den Comer See zwischen dem 2. und 7. September statt.

Von unserem Korrespondenten Werner Kolhoff
    
    

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