publiziert: 26.11.2012 19:42 Uhr
aktualisiert: 26.11.2012 19:54 Uhr
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Milchbauern demonstrieren in Brüssel

Klage über niedrige Preise

Europas Milchbauern kämpfen ums Überleben. Am Montag kamen sie mit fast 1000 Traktoren nach Brüssel, um vor der nächsten Verhandlungsrunde der Agrarminister Druck zu machen. „Nirgendwo in den 27 Mitgliedsstaaten ist die Situation befriedigend“, klagte der Präsident des European Milk Board (EMB), der Allgäuer Landwirt Romuald Schaber. „Der Stapel der unbezahlten Rechnungen wird immer größer.“

Europas Milchbauern kämpfen ums Überleben. Am Montag kamen sie mit fast 1000 Traktoren nach Brüssel, um vor der nächsten Verhandlungsrunde der Agrarminister Druck zu machen. „Nirgendwo in den 27 Mitgliedsstaaten ist die Situation befriedigend“, klagte der Präsident des European Milk Board (EMB), der Allgäuer Landwirt Romuald Schaber. „Der Stapel der unbezahlten Rechnungen wird immer größer.“

40 Cent je Liter bräuchten die Bauern, um kostendeckend arbeiten zu können, höchstens 30 Cent haben sie in den zurückliegenden Monaten bekommen. Große Molkereien drücken die Preise und dominieren den Markt, kritisierten die Teilnehmer. Allein die Vertreter des deutschen Bundes der Milchbauern (BDM) beklagen inzwischen Verluste von zusammengerechnet rund vier Milliarden Euro. „Das ist keine Delle mehr, wie die Politik behauptet, sondern eine existenzbedrohende Krise“, hieß es auf der Kundgebung in Brüssel vor dem Ratsgebäude.

Am Mittwoch und Donnerstag werden hier die Agrarminister zusammenkommen. Durchgreifende Änderungen der bisherigen EU-Politik sind aber nicht zu erwarten. Während die Landwirte niedrigere Produktionsmengen fordern, um den derzeitigen Überschuss an Milch zu senken, halten EU und Mitgliedsstaaten an ihrer Linie fest: 2015 läuft die heutige Quote aus. Dann sollen sich die Bauern dem Wettbewerb stellen. Der aber ruiniert die Betroffenen zusehends.

„Einige Einzelhandelsketten haben sich jetzt bereit erklärt, einen Cent draufzulegen“, betonte ein Milchbauer empört. „Das ist bei Weitem nicht ausreichend. Es geht um unsere Zukunft. Wir haben die letzte Krise noch nicht aufgearbeitet, da stecken wir schon in der nächsten.“

Dabei stoßen die Landwirte zumindest bei der Europäischen Kommission durchaus auf Verständnis. Dort hatte man schon vor längerer Zeit versprochen, das Marktverhalten der Einzelhandelsketten genauer unter die Lupe zu nehmen, um deren Preisgestaltung zu durchleuchten. Doch bei der Ankündigung ist es, zumindest bisher, geblieben. „Man hat uns vertröstet, hingehalten, und als wir still gehalten haben, ließ man uns wieder fallen“, empörten sich am Montag Demonstranten. Was auch immer die EU in den zurückliegenden Jahren zugunsten der Erzeuger getan habe, sei wirkungslos geblieben und greife zu kurz.

Von unserem Korrespondenten Detlef Drewes
    
    

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