publiziert: 08.02.2012 19:03 Uhr
aktualisiert: 08.02.2012 19:19 Uhr
» zur Übersicht Zeitgeschehen
    
    
Artikel
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text WÜRZBURG/MÜNCHEN
Millionen-Klage gegen Naser sorgt für Aufsehen

Ex-Sparkassenpräsident wies Kritik zurück

Als Landrat in Kitzingen war Siegfried Naser (CSU) einst ein Freund klarer Worte. Doch nun zeigt sich der frühere Oberaufseher der BayernLB wortkarg zur 200-Millionen-Euro-Klage gegen ihn.

  • BayernLB Die BayernLB hat Probleme in Ungarn. Foto: Tobias Hase
Bild von

„Mir ist aus rechtlichen Gründen im Hinblick auf das laufende Verfahren keine inhaltliche Stellungnahme möglich“, schrieb er am Mittwoch auf Anfrage dieser Zeitung.

    
Mehr zum Thema
 Meinung  Leitartikel: Mangelnde Kontrolle an der Spitze  »mehr
 BayernLB-Desaster  Was man mit den Milliarden hätte machen können  »mehr
 14.11.2011  BayernLB: Naser wollte Prämie an Gribkowsky zahlen  »mehr
 23.10.2011  Prozess gegen Ex-Vorstand Gribkowsky beginnt  »mehr
 28.06.2011  BayernLB: Ex-Vorstände sollen zahlen  »mehr
 27.01.2011  Naser im BayernLB-Ausschuss: Keine Fehler gemacht  »mehr
 05.01.2011  Ex-Vorstand der Bayern-LB verhaftet  »mehr
 28.09.2010  Naser droht Beugehaft in BayernLB-Affäre  »mehr
 23.12.2009  Sparkassenpräsident Naser tritt wegen BayernLB-Debakels ab  »mehr
 14.10.2009  Staatsanwaltschaft durchsucht BayernLB  »mehr
 07.04.2009  Schieflage der BayernLB trifft die Sparkassen  »mehr
 22.03.2009  BayernLB kostet jeden 800 Euro  »mehr
 01.12.2008  BayernLB streicht 5600 Stellen  »mehr
 22.10.2008  Huber kündigt Rückzug als Finanzminister an  »mehr
 21.10.2008  BayernLB will 5,4 Milliarden Euro  »mehr
 05.06.2008  Schwarze Löcher bei der BayernLB  »mehr
 HGAA-Desaster  So kaufte sich der Freistaat frei  »mehr
    

Die BayernLB nimmt nicht nur acht frühere Vorstandsmitglieder in die Haftung, sondern auch zwei Spitzen des Kontrollgremiums, das in der BayernLB Verwaltungsrat heißt. Im Vorsitz wechselten sich Vertreter der Eigentümer ab: Naser als Präsident der Sparkassen und Finanzminister Kurt Faltlhauser für den Freistaat.

Weitere CSU-Politiker waren einfache Mitglieder: Günter Beckstein, Erwin Huber sowie Georg Schmid, Vorsitzender der CSU-Fraktion im Landtag. Als die BayernLB 2007 die marode österreichische Bank Hypo Alpe Adria kaufte, um bessere Geschäfte auf dem Balkan machen zu können, sollen auch sie das Geschäft nicht sorgfältig kontrolliert haben. Das meint die Bank heute nach Analyse der Vorgänge, die die Landesbank 3,7 Milliarden Euro kosteten.

Doch die einfachen Mitglieder des Verwaltungsrates bleiben von Klagen verschont. Naser und Faltlhauser wird dagegen besondere Verantwortung und grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen, weshalb sie zur Kasse gebeten werden. Statt in einer Sondersitzung des Kontrollgremiums sorgfältig nachzufragen, hätten sich die zwei „auf nicht belastbare Eindrücke aus oberflächlichen mündlichen Informationen verlassen“, heißt es in einer Erklärung der BayernLB.

Naser hat die Kritik im Untersuchungsausschuss des Landtages und in einem vertraulichen Brief an Weggefährten zurückgewiesen: Er habe sich nichts vorzuwerfen, heißt es in dem Schreiben vom 2. Februar 2010. Berichte darüber, dass er die Übernahme der Hypo Group Alpe Adria maßgeblich vorangetrieben oder sich nach dem Kauf persönlich um das österreichische Finanzinstitut gekümmert habe, seien böswillige Falschmeldungen. „Ich würde auch heute, bezogen auf meinen damaligen Informationsstand, die Entscheidung wieder so treffen, auch wenn sie sich heute leider als falsch erweisen hat“, schrieb er damals.

Am Mittwoch streute die in Bayern mitregierende FDP Salz in die Wunde der CSU. FDP-Haushaltsexperte Karsten Klein (Aschaffenburg), der im Untersuchungsausschuss saß, sagte: „Es ist richtig und alternativlos, ohne Ansehen der Person aufzuklären und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Dass dies möglich ist, dafür hat die FDP im Ausschuss den Weg bereitet.“

Die Klagen sorgen bundesweit für Aufsehen: Auch Hamburg, Schleswig-Holstein, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg hatten Probleme mit ihren Landesbanken. Auch dort sollten Politiker in Verwaltungsräten die Geschäfte kontrollieren. Blieben bislang aber – im Gegensatz zu ihren Kollegen in Bayern – von Forderungen verschont.

• Leitartikel Seite 2
Von unserem Redaktionsmitglied Manfred Schweidler
    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

klausburkard (868 Kommentare) am 09.02.2012 11:02

200 mille Klage?

Wer kann das bezahlen,.... so heißt ein alter Faschingsschlager .... wohl niemand. Dieser feine Herr wird wohl sein Leben lang dafür abzahlen, oder aber hat er vorsorglich schon mal mehrere Millionen abgezoggt um sich irgendwann ins Ausland abzusetzen?;-)
(0)
Du_di_ned_oo (2890 Kommentare) am 09.02.2012 08:05

Da die mageren Pensionen und Diäten nicht ausreichen...

...braucht es Parteispenden und Insiderdeals:

Diese "Spezialisten" würden in der Privatwirtschaft sicherlich ein mehrfaches dessen "verdienen" was sie als "Staatsbedienstete" erhalten. Nicht ohne Grund bildet die Gruppe der Juristen eine weit überrepräsentierte Gruppe unter den Parlamentariern. Sie wissen am allerbesten, wie man sich schamlos bereichern kann ohne belangt zu werden.

Insiderdeal Hypo Alpe Adria: Erst kommt die Gier und dann die Moral
http://www.spiegel.de/video/video-1040702.html

Hypo Alpe Adria: Spekulation über Parteispenden
http://www.mopo.de/news/banken-hypo-alpe-adria--spekulation-ueber-parteispenden,5066732,5086874.html

Hypo Alpe Adria - BayernLB - Parteispenden
http://www.diewunderbareweltderwirtschaft.de/2010/01/hypo-alpe-adria-bayernlb-parteispenden.html
(0)
adam10s (34 Kommentare) am 09.02.2012 07:28

Millionen für Milliarden

Wenn ein Schaden von 3,7 Milliarden entstanden ist, warum werden die Verantwortlichen "nur" für ein paar Millionen verklagt?
(0)
jahnel (157 Kommentare) am 09.02.2012 05:54

3,7 Milliarden € Steuergelder Bayerns im Wörthersee/ Klagenfurt s versenkt !

das 2007/08 hier ein rechter LH= Landeshauptmann/ Kärntens das Ruder/ Regie führte, beim überteuerten Verkauf der HGAA an Bayern LB, bei der zwischen Händler dicke dicke Kohle abgeräumt haben,

wird in den CSU gefälligen Medien gerne übersehen !

Wie dieser LH ums Leben gekommen ist auch ?

Sonst würden CSU Generalsekretäre gestern heute nicht weiter eine Hohlraum-versiegelung nach der anderen los lassen, um von eigenen CSU Regierungsfehlern abzulenken ?
(0)
evergreen (158 Kommentare) am 08.02.2012 19:55

Wer so dreist die Milliarden einer Bank verschleudert,

der darf keine Gande erwarten. Herr und Frau Naser sind in goldenen Zeiten weltweit
unterwegs gewesen und haben das viele Geld der LB aus Bayern den Bedürftigen
nachgeworfen. Beste Hotels, nur Businessclass ! Jetzt kommt die Zeit der Abrechnung. Aber wir kennen das Verhalten dieser Schnorrer: Wir sind unschuldig ! Für den Prof. Faltlhauser waren die Museen in MUC auch wichtiger als das Bilanzcontrolling und Riskmanagement.
(2)
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Rubriken

    
Anzeige
    

Gelesen

 
    

Kommentiert

 
    
    

Zeichen setzen 

Förderpreis für
engagierte Bürger
Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr
    
    

Leserbriefe 

Schreiben Sie uns
Wenn Sie uns einen Leserbrief schreiben wollen, dann können Sie das direkt hier tun. »mehr