publiziert: 25.04.2010 19:32 Uhr
aktualisiert: 25.04.2010 21:33 Uhr
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Missbrauch: Bischöfe versprechen im Dom mehr Dialog

Zollitsch bleibt in Würzburg wolkig

Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg) weilt in Würzburg, wo der Ständige Rat der katholischen Deutschen Bischofskonferenz tagt. Würde sich der Vorsitzende der Konferenz am Sonntag öffentlich äußern zum vielfachen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Kirchenmänner?

  • Im Gebet vereint: Würzburgs Bischof Friedhelm Hofmann (links) und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, beim Pontifikalgottesdienst am Sonntag im Würzburger Dom.
    Foto: Thomas Obermeier
Bild von
    
Erzbischof Zollitsch im Würzburger Dom
Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg) hielt am Sonntag, 25. April, einen Gottesdienst im Würzburger Dom. mainpost.de hat danach die Gottesdienstbesucher zur aktuellen Missbrauchsdebatte und der Zukunft der katholischen Kirche befragt. Video: Daniela Moschberger
    
Siegfried Nusser jedenfalls ist gespannt. Aus Rottendorf ist er mit Sohn Sebastian gekommen, um Zollitsch beim Pontifikalgottesdienst im Dom zu hören. „Es ist gut, dass das jetzt hochkommt“, sagt Nusser zu den Missbrauchsfällen, die mit der Amtsenthebung eines Priesters im Bistum (wir berichteten am Samstag) gerade einen neuen traurigen Höhepunkt erreicht haben. Mittelfristig sei das eine Chance zur Erneuerung der Kirche, meint Nusser, kurzfristig wohl kaum. „Nicht mit diesem Papst“, glaubt er. Das Umdenken werde erst einsetzen, wenn sich der katholische Klerus verjüngt habe.

Vor dem Dom dreht ein Fernsehteam des BR. Das Thema Missbrauch ist heikel, viele Gottesdienstbesucher sind froh, wenn sie das „rettende“ Portal erreicht haben. Warum sollen die „Schäfchen“ anders reagieren als die Oberhirten? Drei Bischöfe hätten im Vorfeld ein Interview abgelehnt, verrät ein Mitarbeiter des BR.

„Aufbruch in die Zukunft“

Würzburgs Bischof Friedhelm Hofmann begrüßt den Gast. Dann spricht er wolkig von „einer dunklen Wolke, die über unserer Kirche und unserer Gesellschaft liegt“. Wer sie dort hingeblasen hat, sagt Hofmann nicht, mahnt allerdings innere Reinigung an, „damit der Aufbruch in die Zukunft möglich ist“.

Konkreter wird auch Zollitsch nicht in Sachen Missbrauch, obwohl der vierte Sonntag in der Osterzeit der Gute-Hirte-Sonntag ist. Der Oberhirte sagt Sätze wie: „Wir sind keine willenlosen Schafe“ und dass Gott die Freiheit achte. Dass katholische Priester und Ordensleute reihenweise die Selbstbestimmung junger Menschen missachteten, kann er an dieser Stelle nicht verschweigen. Es reicht aber nur zu der kraftlosen Formulierung, „dass unter den Dienern Gottes auch schwache Menschen und Sünder sind“. Das zu erkennen ist eine Sache. Eine andere Sache ist, dass sich diese katholische Kirche für heilig hält und berechtigt, in Sachen Moral andere zu belehren. Will sie sich weiter als Oberinstanz für das Gute gebärden? Zollitsch sagt, die Kirche suche das offene Gespräch. Und appelliert: „Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, den Weg gemeinsam zu gehen.“

Die meisten Gläubigen im nur zu zwei Dritteln besetzten Dom sind bereit, diesen gemeinsamen Weg zu beschreiten. Nach wie vor glauben sie an ihre Kirche und singen bald darauf das Credo-Lied 423 von der einen heiligen katholischen Kirche. Zaghaft und trotzig zugleich klingt das, man sieht das Bekenntnis auch aus den Augen heraus leuchten. Jetzt entfaltet auch die katholische Liturgie ihre volle Pracht. Der Weihrauch ist in die letzten Winkel vorgedrungen, die Männer in den wallenden Gewändern zelebrieren ihre Rituale, der Chor singt jenseitig schön. Eine Fürbitte klingt sehr diesseitig: „Beschütze Deine Kirche auf dem Weg durch die Zeit.“

Ein tiefgläubiger und ebenso verunsicherter Gottesdienstbesucher ist enttäuscht. Zollitsch habe „eine theologische Konservenbüchse aufgemacht“ und die Chance verpasst, Dinge beim Namen zu nennen. Edmund Gumpert widerspricht. Der Umweltreferent der Diözese ist der Meinung, Geistliche könnten sich nicht in jeder Predigt für Verfehlungen von Mitbrüdern entschuldigen. Allerdings müsse das Eintreten für das Leben „noch deutlicher werden“ und die Frage nach der Zulassung zum Priesteramt müsse „neu gestellt werden“. Das zielt auf den Zölibat.

Dem Pontifikalgottesdienst folgt der Festakt „40 Jahre Theologie im Fernkurs“ im Burkardus-Haus nebenan. Der Regensburger Theologieprofessor Wolfgang Beinert äußert sich anschließend optimistisch. Indem der Papst die Kirche als sündig bezeichne, verabschiede er sich vom Bild der vollkommenen, in sich abgeschlossenen Gesellschaft. Auch beim Zölibat werde es Änderungen geben, glaubt Beinert.

Ein Interview mit Prof. Wolfgang Beinert in einer unserer nächsten Ausgaben.

Von unserem Redaktionsmitglied TILMAN TOEPFER
    
    

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»Alle 16 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

lifeexplorer (2908 Kommentare) am 27.04.2010 01:15

OT: @wastl-one: Apropos "primitive Weltbilder"

Sie haben leider Recht:
Es ist schon sehr erschreckend, dass in Zeiten, da eigentlich jedem Menschen mit Internet-Anschluss das gesamte digitalisierte Weltwissen zur Verfügung steht, nicht etwa die Dogmen, die Ideologien und die Fanatiker WENIGER geworden sind, sondern ganz im Gegenteil! traurig

Statt dass manche Zeitgeister ihren Horizont erweitern würden, sehen wir global eine Zunahme an Hetzportalen, Religions-Extremisten, politische Propagandisten und allen voran die unsagbare Horde an VERSCHWÖRUNGS-THEORETIKERN.

Egal ob das nun die "9/11 = Inside Job"-Gläubigen, oder die Anhänger des rechstextremen "pi-news-Portals" sind, das einem digitalen "STÜRMER" nacheifert, ob es die "Mondlandungslüge", die "Illuminatenverschwörung" oder sonstiger Schwachsinn ist, der millionenfach geklickt, gelesen und die Machwerke der Autoren auch noch gekauft werden.

Gleiches gilt für die extremen Portale der diversen Religionsgemeinschaften: Die KREATIONISTEN unter den Christen, die radikal-fundamentalistischen Islamisten bei den Moslems, u.v.m. wofür ich gar keine Werbung machen möchte, so übel sind deren WebPages und die dort erscheinenden Kommentare der "glühenden Anhänger". traurig

Wir leben in einer Zeit der NEUEN DOGMEN und teils gefährlichen IDEOLOGIEN, mit dem Unterschied, dass es inzwischen Hunderte von "individuellen Wahrheiten" für manche Menschen gibt, denen Wissen, Gespür und der Wille zur oft schweren Differenzierung fehlen, die dafür lieber wüsten "Schwarz-Weiß-Klischees" hinterher rennen. Bei besonders "schweren Fällen" führt das oft zu einer Art "Verschwörungs-Paranoia", weshalb sich inzwischen sogar Soziologie und Psychologie diesem WEB2.0-Phänomen angenommen haben. Der Begriff der dafür geprägt wurde heisst: "R.D.F." und meint das Leben in einem "Reality Distortion Field" - Leben in einem Realitätsverzerrzungs-System.

Es sind davon NICHT nur wenig gebildete Menschen betroffen, nein, darunter sind durchaus auch intelligente Menschen, die aber die Fähigkeit zur Abstraktion, zum "sich von den DIngen distanzieren", um sich ihnen werden anzunähern, eingebüßt haben. Dann werden vorgekaute Ideologien natürlich zur Verführung pur.

Man kann dieses Syndrom in fast allen Foren etc. des WWW erleben, ganz besonders bei stark polarisierenden Themen, egal ob RELIGION, ATOMKRAFT, SOZIALES, AUSLÄNDER & INTEGRATION, usw. Achten Sie mal drauf, manchmal traut man kaum seinen Augen, was da alles zusammen-gesponnen und als "WAHRHEITEN" (natürlich völlig subjektive, willkürliche!) verbraten wird.

Wir steuern auf die "Pippi-Langstrumpf-Gesellschaft" zu: Jeder macht sich die Welt, so wie sie ihm/ihr gefällt!"

DAS ist vielleicht die größte Schattenseite des ansonsten so urdemokratischen, offenen Internets, der globalen Vernetzung, auf die JEDER mit INHALTEN Einfluss nehmen kann.

Goodnight & good luck!
LE

[DISCLAIMER: Ich bin weder Mitglied / Sympathisant IRGENDEINER Sekte und arbeite hart für mein Leben. zwinkern ]
(0)
wastl-one (2135 Kommentare) am 26.04.2010 19:10

Lizzy, wie immer unerträglich!

Wenn einem die Argumente ausgehen, dann nur noch Unterstellungen:
die anderer Meinung sind:
- gehören dem UL an
- sind Faulenzer und arbeiten nichts
- missbrauchen den firmeneigenen PC während der Arbeitszeit
- sind geheime Mitarbeiter der MainPost
Wie primitiv muss ein Weltbild eigentlich gestrickt sein, um zu solchen Ansichten zu gelangen - einfach unerträglich.
(0)
lizzy (143 Kommentare) am 26.04.2010 17:59

ecclesia semper reformanda

... fragt sich nur wohin...
(0)
Isschorechd (1353 Kommentare) am 26.04.2010 17:38

Veränderungen....

..brauchen Zeit. Keiner wird ernsthaft erwarten können, dass sich die RKK von heute auf morgen verändert, zumal in sehr grundsätzlichen Fragen. Ob die Chance genutzt werden kann, das ist doch jetzt noch gar nicht zu beurteilen, schon gleich gar nicht nach einem Treffen wie deisem.
(0)
menschenkind (826 Kommentare) am 26.04.2010 17:29

hallo lizzy

sehr gut erkannt, so ähnlich formulierte ich es ja auch schon mit dem 4.51 und sofort kam wieder die Returkutsche von einem gewissen Herrn. Naja, soll er damit glücklich werden.
(0)
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