publiziert: 08.02.2012 19:03 Uhr
aktualisiert: 08.02.2012 19:18 Uhr
» zur Übersicht Zeitgeschehen
    
    
Artikel
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text DAMASKUS
Neue Gräueltaten in Homs

Syrien-Konflikt: Vereinte Nationen rufen zu raschem Handeln auf
  • Wut und Trauer: In Jordanien lebende Syrerinnen protestieren gegen das Assad-Regime.
    Foto: rtr
Bild von

Trotz des wachsenden internationalen Drucks versucht die syrische Führung den Widerstand der Opposition mit aller Gewalt zu brechen. Die Armee stürmte am Mittwoch Teile der Protesthochburg Homs, die seit Tagen unter Beschuss liegt, und tötete Menschenrechtlern zufolge mindestens 67 Menschen. Regierungsgegner berichteten von Gräueltaten an Zivilisten: Drei Familien seien von Milizionären in ihren Häusern getötet worden.

Die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay rief die internationale Gemeinschaft zu einem raschen Handeln zum Schutz der Bevölkerung auf. Russland, einer der letzten syrischen Verbündeten, forderte die Opposition zu einem Dialog mit Präsident Baschar al-Assad auf, was diese umgehend ablehnte. Sie beharrt auf einem Rücktritt des Staatschefs.

Die Rebellenhochburg Homs lag der Opposition zufolge weiter unter Beschuss. Die Armee feuerte Raketen und Granaten ab. Zudem drang sie mit Panzern in den Stadtteil Inschaat vor. Damit näherte sie sich auch dem Bezirk Bab Amro, der Menschenrechtlern zufolge in den vergangenen Tagen am heftigsten beschossen wurde und wo mindestens 150 Menschen getötet worden sein sollen. Der Aktivisten-Vertreter Mohammad al-Hassan sprach über ein Satellitentelefon von 47 Toten. Der in Großbritannien ansässigen syrischen Beobachtergruppe für Menschenrechte zufolge stürmten Pro-Assad-Milizionäre in der Nacht mehrere Wohnungen am Stadtrand. Dabei hätten sie drei wehrlose Familien getötet, insgesamt 20 Menschen.

Berichte aus Syrien über den seit elf Monaten anhaltenden Aufstand können nicht überprüft werden, weil die Regierung internationalen Journalisten kaum Zugang gewährt.

Die UN-Menschenrechtskommissarin Pillay zeigte sich entsetzt von den Berichten über die neuen Angriffe in Homs. Dafür sei auch das russische und chinesische Veto gegen die UN-Resolution verantwortlich, das für die syrische Führung wie eine Blankovollmacht für ihr gewaltsames Vorgehen sei. Die internationale Gemeinschaft müsse nun rasch handeln, um die syrische Bevölkerung zu schützen. In dem seit elf Monaten andauernden Konflikt sollen bislang rund 6000 Menschen ums Leben gekommen sein.

Nachdem eine UN-Resolution, in der Assad zum Rücktritt aufgefordert werden sollte, in der Vorwoche am Veto Russlands und Chinas gescheitert war, bereitet die Türkei eine neue Friedensinitiative vor. Einem Zeitungsbericht zufolge plant die Regierung dazu eine Konferenz mit westlichen und arabischen Staaten in Istanbul. Der russische Außenminister Sergej Lawrow beharrte allerdings darauf, dass alle Gespräche für ein Ende der Gewalt keine Vorbedingungen wie etwa einen Rücktritt Assads haben dürften. Die Länder mit Einfluss auf die syrische Protestbewegung forderte er auf, einen Dialog in Syrien anzustoßen. „Wir müssen die Regierung und alle Oppositionsgruppen an einen Tisch bekommen“, sagte Lawrow.

Walid al-Bunni, ein führender Vertreter des oppositionellen Syrischen Nationalrates, wies den Vorstoß aber zurück. Der Friedensplan der Arabische Liga sei eindeutig, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Vor Gesprächen über die Zukunft Syriens müsse Assad zurücktreten.

rtr
    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

Lorenz4u (132 Kommentare) am 09.02.2012 15:08

Die EU und die Türken

vertreten Amerikanische Interessen. Mal sehen, ob man beim anschließenden Run auf die Iranischen Ölquellen auch so zimperlich sein wird.
Ist Syrien aus dem Weg geräumt gibt es beim anschließenden Bombardemend auf die Iraner keine Unbekannte mehr.
(0)
blaubi (2809 Kommentare) am 08.02.2012 21:29

wer ist die Pest, wer ist die Cholera

...ich beziehe mich auf den Die Welt Artikel, denn in Syrien ist ein Interessenkonflikt, einerseits werden die oppositionellen von den Türken gesponsert,während Assad auf die Hilfe des Irans bauen kann.
Erdogan oder Ahmadinedschad... ich traue keinen von den beiden Brüdern, ich verstehe aber die EU nicht, das diese mit aller Macht türkische Interessen vertritt. Denn kein Mensch kennt wirklich Erdogans wirklichen Gründe.
Url bzw. LInk zum Welt-Artikel - Click
(0)
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Rubriken

    
Anzeige
    

Zeichen setzen 

Förderpreis für
engagierte Bürger
Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr
    
    

Leserbriefe 

Schreiben Sie uns
Wenn Sie uns einen Leserbrief schreiben wollen, dann können Sie das direkt hier tun. »mehr