aktualisiert: 03.02.2012 19:23 Uhr
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KAIRO
Neue Welle der Gewalt erschüttert Ägypten
Krawalle nach Freitagsgebet in Kairo – Proteste gegen Militärrat nach tödlichen Ausschreitungen bei Fußballspiel
Nach den tödlichen Ausschreitungen bei einem Fußballspiel spitzt sich die Lage in Kairo und anderen Städten Ägyptens dramatisch zu. Bei Protesten gegen den regierenden Militärrat kam es nach dem Freitagsgebet erneut zu heftigen Ausschreitungen. In Kairo stürmte ein wütender Mob ein Gebäude der Steuerbehörde. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen flogen Brandbomben. Auch in Alexandria und Suez, wo in der Nacht zwei Menschen getötet worden waren, gab es erneut Proteste. Vier Menschen kamen bei den Krawallen ums Leben.
Blutige Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei gab es insbesondere in der Nähe des Innenministeriums in Kairo. Hunderte Menschen versammelten sich dort und forderten den Rücktritt des Militärrats und Gerechtigkeit für die 74 Menschen, die bei den Gewaltexzessen nach dem Fußballspiel in der Stadt Port Said am Mittwoch getötet worden waren.
Nach Angaben von Staatsmedien wurde bei Krawallen am Freitagmorgen ein Demonstrant von einem Gummigeschoss tödlich getroffen. Ein Soldat starb als ein Militärfahrzeug ihn überrollte. Mehr als 1500 Menschen seien verletzt worden. Beim Angriff auf das Gebäude der Steuerbehörde zerstörten die Angreifer Möbel und Akten.
Aktivisten und Menschenrechtler machen die Militärs, die nach der Entmachtung von Präsident Hosni Mubarak vor einem Jahr die Kontrolle übernommen hatten, für den Tod von 74 Menschen im Fußballstadion verantwortlich. Sie vermuten, dass die Krawalle auf dem Spielfeld von bezahlten Schlägertrupps provoziert wurden, um Chaos zu stiften. Der Polizei, die bei dem Spiel für Ordnung hätte sorgen sollen, werfen sie Untätigkeit vor.
Übergriffe auf Sinai-Halbinsel
In der rund 140 Kilometer entfernten Stadt Suez gab es ebenfalls erneut Krawalle. Nach Angaben der Zeitung „Al-Ahram“ wurden bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften 15 Menschen verletzt. An mehreren Orten sei Feuer ausgebrochen. In der Nacht war die Lage dort bereits einmal eskaliert: Zwei Menschen starben, etwa 30 wurden verletzt.
Nach Angaben aus Sicherheitskreisen hatten Unbekannte in der Nacht ferner auf der Sinai-Halbinsel eine Polizeiwache mit Panzerfäusten, automatischen Waffen und schultergestützten Flugabwehrraketen angegriffen. Bewohner der Region vermuteten, dass es sich um einen Racheakt handelte. Am vergangenen Mittwoch waren an einer Straßensperre in dem Bezirk Nachel, in dem die Polizeistation liegt, zwei junge Männer erschossen worden.
Auf der Sinai-Halbinsel sind zudem zwei Touristinnen aus den USA entführt worden. Nach Angaben des Sicherheitschefs der Provinz Süd-Sinai, Mohammed Naguib, war eine Urlaubergruppe am Freitagmorgen auf dem Rückweg vom berühmten Katharinenkloster, als bewaffnete und maskierte Männer den Minibus überfielen und die fünf Passagiere ausraubten. Neben Geld und Mobiltelefonen nahmen sie auch den begleitenden Polizisten Waffen ab. Anschließend flüchteten sie mit den beiden Geiseln.
Nach dem Drama von Port Said hatte die Polizei 53 Verdächtige festgenommen. Menschenrechtler sprachen von „willkürlichen Festnahmen“. Viele der angeblichen Aufrührer seien unschuldige Jugendliche.
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doeshoemernitgewissgekoenn (674 Kommentare) am 04.02.2012 18:55
Freiheitskämpfer heißen nun Mob - Oder: Die Herrschaft der HeucheleiNach dem der Imperialismus die friedliche arabische Revolution unter Kontrolle gebracht zu haben glaubt, sind die zunächst zustimmenden Äußerungen einer neuen Sprachregelung gewichen:Wir sollen glauben, es hätten in Tunesien und Ägypten leidlich demokratisch legitimierte Kreise die Oberhand gewonnen. In Libyen und Syrien sind und waren nach dieser Darstellung richtige Freiheitskämpfer am Werk. Das werden sie so lange sein, bis eine neue, uns Imperialisten genehme Clique das Sagen haben wird. Danach heißen die Verratenen: Mob. Und wir, die christlich legitimierten Gutmenschen, sind friedliche Demokraten. Leute, das wird nicht immer so bleiben. Wehe dann unseren Kindern! |
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