publiziert: 04.10.2011 19:12 Uhr
aktualisiert: 06.10.2011 21:07 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text STOCKHOLM
Nobelpreis für den Blick ins All

Drei Astrophysiker werden für ihre Forschungen ausgezeichnet
  • Nobelpreisträger für Physik: Saul Perlmutter (von links), Brian P. Schmidt und Adam G. Riess.
    Fotos: dpa
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Das Universum dehnt sich immer rascher aus. Für diese Entdeckung erhalten drei Astronomen den Physik-Nobelpreis 2011. Saul Perlmutter (USA), Brian P. Schmidt (USA und Australien) und Adam G. Riess (USA) hatten riesige Sternenexplosionen, sogenannte Supernovae, beobachtet.

Dabei fanden sie, dass diese sich mit steigender Geschwindigkeit voneinander entfernten. Das berichtete die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Dienstag in Stockholm. Sie vergibt die bedeutendste Physik-Auszeichnung in Höhe von insgesamt 1,1 Millionen Euro.

„Ich bin von dem Preis völlig überrascht“, sagte der frisch gekürte Nobelpreisträger Schmidt. „Aber wir waren auch über unser Forschungsergebnis selbst völlig perplex.“

Wird sich das All wirklich nie mehr zusammenziehen? „Wir sind ziemlich sicher, dass sich das Universum ewig ausdehnt, aber nicht sicher, dass es sich ewig beschleunigt“, erläuterte Lars Brink vom Nobelkomitee.

Als Ursache der Ausdehnung sehen die Physiker derzeit die sogenannte Dunkle Energie im All an, die sie allerdings noch nicht beschreiben können. Diese sei „ein Rätsel, das bislang noch keiner lösen konnte“, schreibt die Stiftung.

Albert Einstein hatte in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie schon 1915 vorhergesagt, dass sich das Universum entweder ausdehnt oder zusammenzieht. Er stellte die sogenannte Kosmische Konstante auf, die er später als größte Eselei bezeichnet haben soll.

Nach den Ergebnissen der diesjährigen Nobelpreisträger könne man jedoch sagen, dass Einsteins Konstante brillant war, schreibt die Nobelstiftung.

Perlmutter kam 1959 in Champaign-Urbana (US-Bundesstaat Illinois) auf die Welt. Der Astrophysiker arbeitet am Lawrence Berkeley National Laboratorium in Kalifornien. Der vielfach ausgezeichnete 44 Jahre alte Schmidt wurde in Missoula (Montana) geboren und arbeitet heute an der Australischen National-Universität in Weston Creek. Schmidt hat sowohl die US-amerikanische als auch die australische Staatsbürgerschaft. Riess kam 1969 in der US-Hauptstadt Washington zur Welt. Er forscht an der Johns Hopkins Universität in Baltimore.

Die feierliche Überreichung der Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Die diesjährigen Physik-Nobelpreisträger haben nach Ansicht von Experten unser Weltbild maßgeblich beeinflusst. „Die Entdeckung, die sie gemacht haben, hat die gesamte Wissenschaftslandschaft verändert“, sagte Professor Lutz Wisotzki vom Institut für Physik und Astronomie der Universität Potsdam. Er war anlässlich der Nobelpreis-Verkündung zu einem Treffen der Deutschen Physikalischen Gesellschaft nach Berlin gekommen.

Mit ihrer Entdeckung hätten die Nobelpreisträger gezeigt, dass unsere alte Vorstellung vom Universum unvollständig ist, sagte Professor Martin Pohl, Astrophysiker am Forschungszentrum Desy in Zeuthen. Die Physiker hatten für die Erkenntnis, dass sich das All immer schneller ausdehnt, den Begriff der Dunklen Energie eingeführt. „Ein zweiter Urknall wäre vielleicht übertrieben“, sagte Professor Christian Spiering, ebenfalls Astrophysiker am Desy in Zeuthen. Die Entdeckung sei aber „der letzte Schritt in einer Neumöblierung des Universums“.

Experten verschiedener physikalischer Fachgebiete hatten sich zur Verkündung des Nobelpreises zu einer Art Public Viewing in Berlin getroffen.

Astrophysiker Pohl sagte, die Entscheidung der Jury sei „eine Bestätigung für das gesamte Fachgebiet, sich mit Themen auseinanderzusetzen, auch wenn sie keinen unmittelbaren praktischen Nutzen versprechen“. Das Thema der Preisträger berühre Grundlagenfragen. „Das Leben der normalen Hausfrau wird es nicht verändern.“

Geschichte des Universums

Am Anfang war der Urknall – derzeit datiert auf eine Zeit vor rund 14 Milliarden Jahren. Seither dehnt sich das Universum aus – und wird das nach der derzeit gültigen Theorie auch bis in alle Ewigkeit weiter tun.

Benachbarte Galaxien entfernen sich dabei immer schneller voneinander, auch unser Sonnensystem driftet von benachbarten Sternenhaufen weg. Das All wird immer größer, immer kälter und hat immer mehr Raum zwischen der Materie.

Triebfeder der immer schnelleren Ausdehnung ist die Dunkle Energie – wobei derzeit niemand weiß, um was es sich dabei handelt. Sie macht aber den größten Teil – etwa 70 Prozent – des heutigen Universums aus und wirkt der Gravitationskraft entgegen, die alle Materie des Alls zueinander hinziehen würde. In Berechnungen wird ihr Einfluss als sogenannte Kosmologische Konstante einbezogen.

Als das Universum 400 000 Jahre alt war, war es 1000 Mal kleiner und 1000 Mal heißer als heute, nehmen Astronomen an. Breitet sich das All immer weiter aus, werden irgendwann alle Sterne ausgebrannt sein. Die Galaxien verlöschen, neue Sterne entstehen nicht. Der Kosmos wird ein dunkler, unvorstellbar dünn mit Materie versehener Raum.

    
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04.10.2011
    

(dpa)
    
    

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