aktualisiert: 24.07.2012 08:35 Uhr
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WASHINGTON
Obama besucht Betroffene
US-Präsident spricht mit Angehörigen und Verletzten – Tat war offenbar lange geplant, das Motiv bleibt unklar
Die meisten Toten bei dem Kino-Massaker in Colorado waren junge Männer und Frauen unter 30 Jahren. Wie der 24-jährige Alexander, der laut der Zeitung „USA Today“ gerade sein Studium beendet hatte und eine Karriere als Psychiater plante. Jessica Ghawi, ebenfalls 24, war im Juni einer tödlichen Schießerei im kanadischen Toronto entkommen und auf gutem Weg, Sportreporterin zu werden. Der Teenager Alexander träumte davon, als Kunstlehrer zu arbeiten und eine Töpferei zu eröffnen. Und ein anderer feierte mit dem Besuch der „Batman“-Premiere in Aurora seinen 27. Geburtstag.
Warum die zwölf Amerikaner, darunter auch die erst sechs Jahre alte Veronica, am vergangenen Freitag in Aurora sterben mussten, weiß bisher niemand außer wohl der mutmaßliche Todesschütze James Holmes. Der bewahre gegenüber der Polizei jedoch eisernes Stillschweigen, berichteten US-Medien. „He has lawyered up“, nennt das Auroras Polizeichef, Dan Oates. Holmes verschanzt sich hinter Anwälten, heißt das übersetzt.
Holmes erstmals vor Gericht
Während Reporter versuchen, aus Gesprächen mit Weggefährten und Nachbarn ein Bild des 24-Jährigen zu zeichnen, wollten zumindest die geschockten Bürger in Aurora am Wochenende nichts mehr von ihm hören. „Ich weigere mich, seinen Namen zu sagen“, rief der Gouverneur des Staates, John Hickenlooper, tausenden Trauernden bei einer Gedenkveranstaltung am Sonntag zu - und erntete dafür lauten Applaus.
Auch US-Präsident Barack Obama sprach bei seinem Besuch in Aurora bewusst nur über das Leid der Opfer. Er wolle den Angehörigen und den Verwundeten versichern, „dass obgleich der Verursacher dieser bösen Tat in den letzten Tagen viel Aufmerksamkeit erhalten hat, diese Aufmerksamkeit vergehen wird“, sagte der Präsident in einer Rede im Universitätskrankenhaus der Stadt.
Woran man sich erinnern werde, „nachdem er die volle Wucht des Gesetzes zu spüren bekommen hat, sind die guten Menschen, die von der Tragödie erschüttert wurden“.
Doch spätestens mit Holmes ersten Erscheinen vor Gericht, das am Montag angesetzt war, sollte die Frage nach dem Warum wieder in den Vordergrund rücken. Was hat den begabten, schüchternen Studenten der Neurowissenschaft dazu bewogen, mit zwei Gewehren und zwei Pistolen bewaffnet das Kino zu stürmen und offenbar wahllos um sich zu schießen?
Der deutsche USA-Experte Henning Riecke erwartet nach der Bluttat keine Änderung der Waffenkultur in Amerika. „Tatsächlich ist es so, dass in den USA mehr als irgendwo sonst Verbrechen mit Feuerwaffen begangen werden. Aber die Befürworter des Waffenrechtes ziehen eben gerade aus diesem Umstand das Argument, dass die Amerikaner eben auch Waffen tragen müssen, um sich zu verteidigen“, sagte der Wissenschaftler von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik der Nachrichtenagentur dpa.
Auch Obama und sein republikanischer Kontrahent bei den Wahlen im November, Mitt Romney, nutzten den Amoklauf nicht zu einer neuen Diskussion über das Waffenrecht.
Der Schütze
James Holmes hat Neurowissenschaft studiert. Unvermittelt habe er sein Doktorandenstudium abgebrochen, heißt es. Er habe sich noch mehr als ohnehin schon in seine Studentenwohnung unweit des Tatortes zurückgezogen. Gleichzeitig bestellte er sich mehr als 6000 Schuss Munition für seine Waffen im Internet. Auch ein Trommelmagazin für 100 Patronen zum Abfeuern der Kugeln im Sekundentakt und die schusssichere Weste kaufte er online. Holmes deckte sich wohl über Wochen mit explosivem Material ein, um sein Appartement in eine große Falle zu verwandeln – für einen spontanen Ausraster spricht es nicht.
Viel gelernt habe Holmes, erzählten Schulfreunde. Er sei meist früh ins Bett gegangen, um morgens als erster zu den Seminaren zu erscheinen. Holmes habe noch nie viel von sich preisgegeben. Auch die Fahnder seien überrascht, dass er so gut wie keine Spuren in sozialen Netzwerken hinterlassen habe. Er fiel allerdings auf, als er sich jüngst um eine Mitgliedschaft in einem Schießstand bewarb. Der Besitzer Glenn Rotkovich erzählte, seine Stimme sei „kehlig, sonderbar, unheimlich und bizarr“ gewesen. „Es hat mich so gestört, dass ich meinen Angestellten sagte, dieser Typ bekommt nichts, bis ich ihn persönlich treffe.“ Text: dpa
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Die neuesten Kommentare
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PapaSchlumpf (70 Kommentare) am 24.07.2012 10:00
...Was für ein Mitleidsgetue in den Staaten und den Medien. Wenn im Irak 20 Kinder durch einen Bombenanschlag zerfetzt werden, wird hier ein kleiner Bericht zugeschrieben und nach zwei Tagen ist das wieder vergessen. Wen interessiert denn ob ein Irrer im Mutterland der Waffen ein paar menschen im Kino umbringt. Die sollten mal ihre Waffengesetzte verschärfen. >> Von mir bekommt da keiner Mitleid. Das wird alles künstlich hochgepusht, weils sonst nichts zu berichten gibt.
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Groschi (1162 Kommentare) am 24.07.2012 10:22
Was können die Betroffenendieses Amoklaufes dafür, daß über sie mehr berichtet wird, als über irakische Kinder? Deswegen sind sie weniger Mitgefühl wert? Merkwürdige Ansicht.Die sollten mal ihre Waffengesetze verschärfen ... tja, wie hier scheitert auch dort manches an diveren Lobbys. Humanisierung und Zivilisierung von Traditionen lassen sich bei konservativen Hirnen leider schlecht umsetzen. Siehe auch jüngst bei uns. |
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klausburkard (1172 Kommentare) am 24.07.2012 15:06
lass papaschlumpfdoch einfach reden. hier zeigt er sein wahres gesicht. sicher ist jeder mensch gleich viel wert, ob in amerika oder im irak, oder sonstwo. was das schlimme halt im fall des amokschützen ist, wie kann eigentlich ein doch sehr intelligenter mensch so ausrasten. begreif ich irgendwie nicht. normal hat jeder eigentlich recht auf verteidigung verdient, doch in diesem fall des amokschützen bin ich auch für die todesstrafe. er hat sein leben verwirkt. wenn man so kaltschneutzig ist wie dieser jüngling gehört man einfach weg.
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