aktualisiert: 29.04.2010 20:23 Uhr
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WÜRZBURG
Opfer klagen der Kirche ihr Leid
Flut von Berichten im Bistum Würzburg – Weihbischof Bauer gibt Schläge zu
In der Diözese Würzburg sind in den vergangenen Wochen 50 Fälle von Gewalt oder sexuellem Missbrauch gemeldet worden. In fünf Fällen ermittele die Staatsanwaltschaft. Dies gab Strafrechtsprofessor Klaus Laubenthal bekannt.
Laubenthal, Ansprechpartner des Bistums für Opfer von sexuellem Missbrauch und Gewalt, ist seit 40 Tagen im Amt.
Insgesamt gab es 54 Meldungen, von denen vier sich nicht auf die Kirche bezogen. Zwei Drittel der Vorwürfe sprechen von sexuellen Vergehen, ein Drittel von körperlicher Gewalt. Zwei Drittel der Opfer sind männlich. Die meisten Vorfälle wurden aus den 60er Jahren gemeldet. Laubenthal erklärte ferner, gegen den früheren Weihbischof Helmut Bauer gebe es Vorwürfe von Gewaltanwendung.
„Viele Betroffene schreiben mir, sie hätten die Vorfälle lange verdrängt. Zum Teil sind es seitenlange E-Mails oder lange Telefonate“, so Laubenthal. Er höre auch immer wieder Sätze wie „Bei Ihnen finde ich das gut aufgehoben“.
Hervorzuheben seien mehrere Mitteilungen über ein Augustiner- seminar in Münnerstadt, wo es in den 60er Jahren „massive physische Misshandlungen“ gegeben haben soll. Die Mitteilungen entsprechen sich inhaltlich, so Laubenthal. Ein Sexualbezug sei dabei nicht ausgeschlossen.
Bei den noch offenen Vorgängen nannte Laubenthal drei Vorwürfe gegen den früheren Weihbischof Helmut Bauer wegen körperlicher Misshandlung von Schülern. Es gehe um Schläge, auch mit „damals gängigen Züchtigungsgegenständen“. Bauer war in den 60er und 70er Jahren Leiter der Internate „Kilianeum“ in Bad Königshofen und Würzburg.
Bauer erklärt dazu in einer Stellungnahme: „Auch wenn ich mich bei bestem Wissen und Gewissen an die angezeigten Vorgänge nicht erinnern kann, zweifle ich nicht an den Darstellungen der ehemaligen Schüler. Als Erzieher war ich in der damaligen Zeit der Meinung, eine körperliche Züchtigung sei als pädagogische Maßnahme in bestimmten Fällen angebracht. (. . .) Heute muss ich aber zugeben: Aus dem Geist des Evangeliums hätte ich als priesterlicher Internatsleiter auch schon damals eine solche Züchtigung als erzieherische Maßnahme nicht durchführen dürfen. Dieses Vorgehen war falsch und tut mir leid.“
Generalvikar Karl Hillenbrand kündigte für den 5. Mai eine Telefonaktion an mit dem Titel „Kirche in der Krise – Was ich mal sagen will.“ Dabei stehen 40 Seelsorger von 16 bis 20 Uhr Rede und Antwort. Erreichbar sind sie unter den Telefonnummern der zehn Diözesanbüros.
Unterdessen erklärte der evangelische Dekan in Würzburg, Günter Breitenbach, im früheren evangelischen Melanchthonheim in Würzburg solle es Anfang der 60er Jahre zu körperlichen Bestrafungen gekommen sein. Eine sexuelle Begleitmotivation wollte Breitenbach nicht ausschließen.
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flolo (19 Kommentare) am 30.04.2010 23:44
Aufklärung muß sein.....ich kam 1963 zur Schule, körperliche Gewalt habe ich weder in der Volksschule noch auf dem Gymnasium erlebt.Der gerne benutzte Einwand, Schläge wären damals normal gewesen, stimmt so Gott sei Dank nicht. Es freut mich für 'marktfest' dass er durch die Schläge seines damaligen Pfarrers keine Schäden davon getragen hat. Aber nicht jeder ist so robust veranlagt und mein Mitgefühl gilt den Menschen die nach all den Jahren nach wie vor darunter leiden.Ich besuchte einen katholischen Kindergarten und noch heute sehe ich das rot angelaufene, wutentbrannte Gesicht unserer Klosterschwester vor mir, die mit Schaum in den Mundwinkeln uns Kinder zusammen schrie und wir alle vor Angst zitterten. Vermutlich gab es auch schöne Momente, aber erinnern kann ich mich nur an die Angst vor dieser Schwester (und damit möchte ich keineswegs sagen dass auch ich mich als Opfer fühle). Ich habe großes Verständnis für die Menschen die nun endlich Gelegenheit haben über begangene Grausamkeiten und Verletzungen zu sprechen. Ich bin heilfroh, dass diese Zeiten vorbei sind.............. |
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marktfest (33 Kommentare) am 30.04.2010 22:55
AufklärungIch kann vieles, was jetzt nach zum Teil 50 oder 60 Jahren vorgebracht wird, nicht nachvollziehen. Außer bei Mord gilt das alles als verjährt. Auch ich habe in der Schule Schläge mit dem Stock von meinem damaligen Pfarrer und Religionslehrer bekommen. Aber ich habe dabei weder seelische noch körperliche Schäden davon getragen.Ich weiß aber auch, wie wir unseren Pfarrer damals zur Weißglut getrieben haben. Ich kann nicht sagen, dass ich die Schläge als ungerecht empfunden habe. Außerdem stört mich, dass Dinge die damals geschehen sind, nach heutigen Maßstäben beurteilt werden. Da sehe ich auch viel Pharisäertum und Trittbrettfahrerei. Um eines klarzustellen, ich meine damit nicht sexuelle Übergriffe.Otmar Pfister |
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Isschorechd (1353 Kommentare) am 30.04.2010 17:59
Aufklärung.......ist angebracht und das Mindeste. Allerortens, so scheint es, kommt jetzt an das Licht, was lange nicht wahrgenommen wurde. Es bleibt abzuwarten, auf welche Weise man mit den Opfern umgeht und diesen wirkliches und auch öffentliches Gehör schenkt! |
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nobistone (26 Kommentare) am 30.04.2010 08:26
MürschtIn Münnerstadt gingen wegen Homosexualität an einem Tag (1963) acht Seminaristen aus demm Kloster!!!! Der Direktor des Schönborn-Gymnasiums schlug wie ein Wilder auf Schüler ein. Gut, er starb auch darauf bald, vielleicht wg. Bluthochdrucks. |
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ein sehr guter beitrag!