publiziert: 28.02.2010 19:58 Uhr
aktualisiert: 28.02.2010 21:38 Uhr
» zur Übersicht Zeitgeschehen
    
    
Artikel
 
    
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text WÜRZBURG
Pater Damian weist Vorwurf sexueller Übergriffe zurück

Jugendliche stellen sich hinter beurlaubten Würzburger Diözesan-Kaplan

Erstmals hat sich ein Beschuldigter in der aktuellen Missbrauchs-Debatte der katholischen Kirche öffentlich geäußert. „Die Vorwürfe gegen mich sind absurd, ich habe mich nie einem Kind oder Jugendlichen in sexueller Absicht genähert“, sagt Pater Damian Mai im Gespräch mit dieser Zeitung. Der 76-Jährige tritt in die Öffentlichkeit, „da ich sonst keine Chance habe.“

  • Pater Damian Mai
    Archivfoto: Ritter
Bild von

Ehemalige Schüler hatten vergangene Woche in den Medien berichtet, dass sie der damalige Leiter des Internats St. Ludwig in Bonn vor etwa 35 Jahren in sein Zimmer geholt und dort geküsst habe. Pater Damian bestreitet diese Darstellung: „Ich habe einen Jungen bestimmt einmal in den Arm genommen. Gerade in den 70er Jahren sollten die Kirchen ja ihre Körperfeindlichkeit ablegen. Aber Küsse auf den Mund gab es nicht.“

    
Mehr zum Thema
 Interview  „Das Erlebte kommt wieder hoch“  »mehr
 Experten  Debatte hilft Missbrauchsopfern wenig   »mehr
 29.09.2010  „Geld kann die Verletzungen nicht heilen“  »mehr
 Hintergrund   Entschädigungszahlungen (in anderen Ländern)  »mehr
 23.08.2010  Bischöfe einig über Leitlinien  »mehr
 29.04.2010  Opfer klagen der Kirche ihr Leid  »mehr
 25.04.2010  Missbrauch: Bischöfe versprechen im Dom mehr Dialog  »mehr
 24.03.2010  Kabinett beschließt Konzept gegen Missbrauch  »mehr
 Link  Wo beginnt sexueller Missbrauch? Einzelfall beachten  »mehr
 20.03.2010  Papstbrief zum Missbrauch in Auszügen  »mehr
 18.03.2010  Missbrauch: Bischöfe wollen jeden Verdacht an Justiz melden  »mehr
 17.03.2010  Bischof Ackermann räumt Vertuschung ein  »mehr
 16.03.2010  Missbrauchsskandal verunsichert Gläubige  »mehr
 12.03.2010  Missbrauchsskandal erreicht den Papst  »mehr
 10.03.2010  Missbrauch: Bischof Hofmann gegen Entschädigung für Opfer  »mehr
    
Der Würzburger Franziskaner-Minoriten-Pater wurde aufgrund der Anschuldigungen vor einer Woche von Bischof Friedhelm Hofmann beurlaubt. Er leitete bis 1980 das St.-Valentin-Internat in Würzburg. Ab 1978 war er Diözesankaplan und in den Bistümern Würzburg und Bamberg in der Jugendarbeit tätig.

Dass es auch Beschwerden über diese Tätigkeit gibt, hatte die Pressestelle des Bischofs vergangenen Donnerstag erklärt. Laut Domkapitular Heinz Geist, Ansprechpartner für sexuellen Missbrauch in der Diözese, enthalte die ihm bekannte Anschuldigung keine strafrechtlich relevanten Vorwürfe. Eine weitere, anonyme Mitteilung müsse noch geklärt werden. Die Anschuldigungen in den 70er Jahren bezeichnet Pater Damian als „Intrige“. „Ich hörte 1976 das Gerücht, dass ich zudringlich geworden sein soll und habe mich sofort selbst angezeigt.“ Danach habe die Staatsanwaltschaft eine Woche lang im Internat ermittelt und ihm mündlich mitgeteilt, dass sie keine Hinweise auf Tatbestände feststellen konnte.

„Strafrechtlich nicht relevant“

Ein schriftliches Ergebnis dieser Ermittlungen ist bislang noch nicht aufgetaucht. In einem Brief der Staatsanwaltschaft an den Orden aus dem Jahr 1980 ist festgehalten, dass Pater Damian im damaligen Verfahren kein „strafrechtlich relevanter Vorwurf“ gemacht werden konnte. Auch die geschilderten körperlichen Misshandlungen weist der Pater zurück: „Eine Backpfeife habe ich mal ausgeteilt, aber ich bin kein Schläger. Das ist nicht mein Erziehungsstil“.

Wie Medien und Diözesanleitung mit dem Pater umgegangen sind, empört ehemalige und aktive Mitglieder der Katholischen Studentischen Jugend (KSJ). Frank Brennfleck aus dem Landkreis Würzburg kennt Pater Damian seit seiner Jugend. „Der Pater hat mich durch Höhen und Tiefen begleitet. Seine Schulter war da, wenn ich sie gebraucht habe. Daraus ist eine Freundschaft entstanden, die bis heute hält“, sagt der heute 36-Jährige. „Es gab in keinster Weise sexuelle Übergriffe.“ Hansjörg Rüthel schildert, wie ihn der „Rufmord“ an dem Pater mitnimmt. „In unserem Leben hat der Pater eine wichtige Rolle gespielt. Dass diese falsch gewesen sein soll, trifft uns hart“, sagt der heute in Mosbach lebende Gymnasiallehrer.

Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse wünscht sich die Leitung der Stadtgruppe St. Valentin der KSJ die baldige Rehabilitation von Damian Mai. „Wir hängen am Pater und wollen ihn als Kaplan behalten“, fordert Gruppenleiterin Daniela Eckardt.

Von unserem Redaktionsmitglied MANUELA GÖBEL
    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

»Alle 62 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

fam. feuerstein (2510 Kommentare) am 06.03.2010 09:04

Total KORREKT SAVANOROLA:

"...Wer auf Grund eines Vergehens bestraft worden ist, gilt nach einer - vom Gesetzgeber festgelegten Frist - als nicht vorbestraft. Selbst in polizeilichen Führungszeugnissen sowie im Bundeszentralregister werden Vorstrafen nach den gesetzlich festgelegten Fristen getilgt. Der Verurteilte gilt ab dann nicht mehr als vorbestraft.
Was in unserem Staat jedem rechtkräftig Verurteilten zugestanden wird, gilt in gleicher Weise auch für Ordensleute und Priester, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind.
Aus diesem Grund wird die von vielen geforderte öffentliche Nachverfolgung von Straftaten bedenklich (und vielleicht so gar rechlich belangbar), wenn nun Täter ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden, die verurteilt worden sind und ihre Strafe abgeleistet haben sowie auch aus den staatlichen Vorstrafenregistern gestrichen worden sind.
Was jedem Straffälligen zu Recht zur Wiedereingliederung in unsere Gesellschaft zugestanden wird, gilt auch für Priester und Ordensleute, die verurteilt worden sind.
Wer jetzt vergangene und verbüßte Straftaten und deren Täter veröffentlicht, handelt somit nicht rechtens. Das sollte sich jeder, der hier von Demokratie und Rechtsordnung spricht, bewußt machen, damit er selbst nicht mit dem Gesetz in Konflikt gerät.
Auch verantwortliche Kirchenmänner sind an diese gesetzlichen Vorgaben gebunden. Bischöfe, Äbte, Generalvikare und andere kirchliche Obere sollten hier differenziert denken und nicht in eine von der Öffentlichkeit provozierte Hysterie verfallen, damit sie selbst nicht zu Handlagern von Leuten werden, die einerseits Recht und Gesetz einfordern und es andererseits wieder ausklammern, wenn es um Ordensleute und Priester geht.
Ferner gilt für die rechtskräftig verurteilten und nicht wieder straffällig gewordenen Personen auch der rechtlich einklagbare Schutz der Persönlichkeit (die Streichung von Vorstrafen hat auch diesen Aspekt im Blick). Ich habe Verständnis, wenn dieser Personenkreis zukünftig rechtlich gegen die vorgeht, welche getilgte Vergehen aus der Vergangenheit zu Unrecht in die jetzige Öffentlichkeit zerren. Wer weiß, ob wir nicht aus diesem Grund gerichtliche Vorgänge erleben werden, in denen Geistliche ihre Vorgesetzten belangen werden.
Was unter dem Stichwort "Resozialisierung" ehemaligen Straftätern zugestanden wird, darf bei aller Richtigkeit der jetzigen öffentlichen Diskussion nicht in Vergessenheit geraten. Auch ein "gefallener" Geistlicher hat in diesem - nochmals: vom Recht festgelegten Rahmen - Recht auf einen Neuanfang.
Ich erinnere daran, dass dieses Recht auch bedeutet, das Lebenswerk eines Menschen zu achten und nicht zu zerstören
. Bei aller Erregung, die zur Zeit durchaus verständlich ist, dürfen rechtsstaatliche Grundsätze nicht mit Füßen getreten werden."
(0)
savanorola (168 Kommentare) am 04.03.2010 11:47

An ihren eigenen Worten werdet ihr sie...

Aus dem STANDPUNKT des Chefredakteurs des Würzburger Sonntagsblattes:
Dennoch braucht es dafür auch Fingerspitzengefühl und ein sensibles Vorgehen. Und das hat nichts mit Vertuschung zu tun, sondern mit dem Schutz der Privatsphäre – auch der Opfer – gegen eine sensationslüsterne Öffentlichkeit und deren Handlanger; mit dem Prinzip der Unschuldsvermutung gegen mediale Vorverurteilung; mit der fairen Prüfung jedes einzelnen Falls gegen pauschale Diskriminierung; mit sachlicher Auseinandersetzung gegen das Nachbeten von Vorurteilen; mit sorgfältigem Abwägen von Konsequenzen gegen fahrlässiges Gefährden von Existenzen ...
Ich gehe davon aus, dass das Sonntagsblatt auch in der Chefetage des Ordinariates gelesen wird.
Vielleicht auch unter diesem Gesichtspunkt:
Gewissenerforschung über das eigene Verhalten,
denn Fastenzeit ist Bußzeit!!!
Bischöfin Käßmann hat am Beginn der Fastenzeit ein respektabeles Verhalten auf Grund ihrer Fehler gezeigt.In den Richtlinien der Bischofskonferenz darf es deshalb nicht nur um Täter und Opfer gehen, sondern auch um die, welche diese Normen anwenden. Rücktritte werden auch beim dritten Personenkreis die Glaubwürdigkeit der Kirche wieder herstellen.
(0)
fam. feuerstein (2510 Kommentare) am 04.03.2010 07:32

Beschuldiger vortreten !

Wer Missbrauchs- Züchtigungs- Seelenmarter-Vorwürfe anzubringen hat, der sollte künftig mit Bild und Name genauso in den Medien aufgeführt werden, wie die Bilder und Namen der Beschuldigten.
Schluss mit diesem ganzen anonymen und pseudo-anonymen Getue. Wer den Mut hat nach so unfassbar vielen Jahren (70er womöglich noch 60er...) endlich den Mund aufzumachen, der sollte auch sein Gesicht zeigen und seinen vollen Namen angeben. Vielleicht sollte man doch an eine Gesetzesänderung in dieser Hinsicht denken.
Wer sich seiner schlimmen Erfahrungen sicher ist, muss auch dazu stehen, genau so wie einer der was verbrochen hat dazu stehen müsste. - Wenn schon denn schon: Dies gilt auch im Fall Ettal, wo jetzt eigentlich der Münchener Generalvikar zurücktreten muss, so wie nach seiner eigenen Forderung Abt und Prior und Gymnasiumsdirektor zurücktragen, was der Münchner Generalvikar sehr lobte. DENN in seinem eigenen Bereich wurde vertuscht und versetzt und zwar TROTZ der Leitlinien von 2002, hat der Prälat tatsächlich geglaubt, er könne andere ans Schaffot schleifen, selbst aber verschont bleiben??? - Vielleicht werden die Herren Oberen so langsam wach, wohin das ganze führen könnte.... Hier ist wirklich rückhaltlose Aufklärung nötig. Aber bitte auf BEIDEN Seiten (auch im Fall von Pater Damian). Wie lange wird sich denn das Untersuchen seitens der Staatsanwaltschaft noch hinziehen. Wie lange hält ein Mensch so ein Tauziehen zwischen Anschuldigungen und Unschuldserweis stand? - Hat sich nicht erst vor wenigen Jahren ein hoher Würzburger Priester vor den Zug geschmissen, weil er genau diese Spannung nicht verkraften konnte? - Und wer war damals Generalvikar? Und wer ist es noch heute? - Viel Spass beim Sich-gegenseitig-zerfleischen ihr Generalvikare und Priester und Bischöfe und Patres... Dumm gelaufen Eure voreiligen Kampangen zwischen rückhaltloser Aufklärung und (Quasi-)Rufmord.... In die verschärften Leitlinien muss unbedingt noch aufgenommen werden: wann auch ein Generalvikar und Bischof ihren Hut nehmen MÜSSEN !
(0)
Siggen (48 Kommentare) am 03.03.2010 23:23

Neuer Artikel in der Mainpost am 04.03.

bei diesem gibt es bereits einen Kommentar von "username" der selbst Übergriffigkeit und widerliches verhalten bei dem Beschldigten erlebt haben will. Er sollte sich vielleicht an die Staatsanwaltschaft wenden.
(0)
steinmarder (373 Kommentare) am 03.03.2010 22:35

an der redaktion!

sie sollten einmal ihr formular betrachten! sobald man einen längeren text verfassen möchte springt der text immer wieder an der ersten zeile und man muss blind seinen text verfassen!

somit entstehen rechtschreibfehler, die ich hiermit gerade von meiner seite entschuldigen möchte!

leider erlaubt das MP system nicht das man seinen text nochmals prüfen kann und man gefordert ist sozusagen blind zu schreiben!


hiermit entschuldige ich mich nochmals für die hohe rechtschreibfehler qoute meinerseits!

zwinkern
(0)
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Rubriken

    
Anzeige
    

Gelesen

 
    

Kommentiert

 
    
    

Zeichen setzen 

Förderpreis für
engagierte Bürger
Lesen Sie alles über den Preis und machen Sie Vorschläge, wer ihn bekommen soll. »mehr
    
    

Leserbriefe 

Schreiben Sie uns
Wenn Sie uns einen Leserbrief schreiben wollen, dann können Sie das direkt hier tun. »mehr