aktualisiert: 01.02.2012 19:49 Uhr
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WASHINGTON
Romney punktet mit Wirtschaftskompetenz
Bei den Vorwahlen im US-Bundesstaat Florida setzt sich der Republikaner gegen seine Konkurrenten durch
Die Erleichterung ist dem Sieger anzumerken: Zehn Tage nach der Niederlage gegen Newt Gingrich in South Carolina ist Mitt Romney an die Spitze des republikanischen Rennens um die US-Präsidentschaftskandidatur zurückgekehrt. 46 Prozent der Stimmen in Florida, das ist mehr als das Urgestein Gingrich und der streng religiöse Rick Santorum gemeinsam haben. Beide fischen bei den Unzufriedenen am rechten Rand, denen Romney zu lasch ist. Vor seinen jubelnden Anhängern in Tampa bemüht sich der Sieger um Versöhnung: „Eine konkurrenzbetonte Vorwahl spaltet uns nicht“, ruft er in den Saal. „Sie bereitet uns vor. Und wir werden siegen!“
Konkurrenzbetont ist Romneys Wahlkampf erst in Florida geworden, unter dem Druck des Einbruchs von South Carolina. Schonungslos hat er Gingrich über alle Fernsehkanäle attackiert. Romneys Privatvermögen wird auf 250 Millionen Dollar geschätzt. Erstmals spielen aber in diesem Wahlkampf auch sogenannte Super PACs (political action committees) eine entscheidende Rolle. Das sind eigenständige Unterstützergruppen, die unbegrenzt Spenden annehmen können. Sie dürfen sich mit dem Kandidaten ihrer Wahl nicht absprechen, werden aber oft von nahestehenden Personen geleitet. Romneys Super-Komitee „Restore Our Future“ ist mit Abstand das potenteste.
Der 64-Jährige kann in vielen Bundesstaaten auf vorhandene Strukturen zurückgreifen: Er ist bereits 2008 für das Amt des Präsidenten angetreten. Damals unterlag er gegen John McCain, was seine Berater auf einen Mangel an Botschaft zurückführten. Diesmal ist das Angebot klar: Romney tritt als Experte für Wirtschaft und Verwaltung an; zwei Felder, auf denen Barack Obama in der Krise verwundbar scheint. Nach dem Abschluss an der Elite-Universität Harvard (BWL und Jura) machte Romney beim Finanzinvestor Bain Capital Karriere. Als die Winterspiele von Salt Lake City in der Vorbereitung zum Desaster zu werden drohten, sprang Romney ein und führte das Projekt 2002 zum Erfolg. 2003 bis 2007 amtierte er als Gouverneur im Ostküstenstaat Massachusetts und leistete mit einem von Demokraten dominierten Parlament anerkannt gute Arbeit. Noch vor Obama gelang ihm dort auch eine Reform des Gesundheitssystems, an der der spätere Präsident sich schließlich stark orientierte.
Genau diese Erfolgsbilanz drohte ihm zuletzt zum Verhängnis zu werden. Unter dem Druck der Partei, die Obamas Gesundheitsreform widerrufen will, distanziert sich Romney heute von seinem eigenen Projekt. Für den Geschmack der Konservativen hat er auch Meinungen zur Einwanderung, zu Schusswaffen, zur Abtreibung und zu den Rettungsschirmen für Bankensektor und Autoindustrie zu oft geändert. Die Vorwürfe sind nicht unbegründet: Romneys Vater George, ehemaliger Gouverneur von Michigan, war ein eingefleischt moderater Republikaner, und Romney selbst hat seine politische Karriere am linken Rand der Partei begonnen. Erst für die Präsidentschaftskandidatur 2008 erfand er sich als Sozialkonservativer neu. Und Evangelikale stören sich am Mormonentum des fünffachen Familienvaters.
Mitt Romney
Der republikanische Politiker tritt zu wenig volkstümlich auf, um seinen immensen Reichtum vergessen zu machen. Stattdessen bot er auf offener Bühne eine Wette um 10 000 Dollar an und bezeichnete Vortragshonorare von 370 000 Dollar als „nicht viel“. Prächtige Vorlagen für die Konkurrenz, zumal Romney auch noch einen ermäßigten Steuersatz von 15 Prozent zahlt, weil er hauptsächlich von Kapitalerträgen lebt. Dass er, der ständig vor dem lähmenden Einfluss europäischer Ideologie warnt, in Europa Konten unterhält, machte ihn auch nicht glaubwürdiger. Erst die Veröffentlichung seiner Steuerbescheide, kombiniert mit dem uramerikanischen Bekenntnis zu Kapitalismus und Erfolg, brachte ihn aus der Defensive. 2011 verdiente Romney rund 21 Millionen Dollar (16 Millionen Euro).
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